Lotter erhält “Tractatus”-Preis des Philosophicum Lech

Die deutsche Philosophin Maria-Sibylla Lotter wird mit dem diesjährigen Essay-Preis “Tractatus” des Philosophicums Lech ausgezeichnet. Die 65-Jährige erhält den mit 25.000 Euro dotierten Preis exemplarisch für ihr Buch “Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild”. Die Verleihung des “Tractatus” wird am 25. September im Rahmen des Philosophicums erfolgen, das sich heuer mit dem Thema “Betreutes Denken. Die neue Lust an der Unmündigkeit” auseinandersetzt.
In “Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild” beleuchtet Lotter die Opferrolle in der heutigen Gesellschaft. “Präzis schärft Maria-Sibylla Lotter (…) unseren Blick für die Gefahren eines Menschenbildes, das nur noch Opfer und Täter kennt und keinen Raum für Ambivalenz und Selbstermächtigung lässt”, heißt es etwa in der Jurybegründung. Das dreiköpfige Gremium – bestehend aus der Schweizer Philosophin Catherine Newmark, der österreichischen Literaturwissenschafterin Daniela Strigl und dem deutschen Literaturkritiker Ijoma Mangold – hielt weiter fest: “Wenn der aktuelle Diskurs durch eine moralische Aufwertung des Opfers und seiner dramatisierten Klage bestimmt ist, stellt sich die Frage nach den Folgen für das soziale Miteinander”. In ihrem Essay nähere sich Lotter diesem brisanten Problem mit kühlem Kopf und sachlichem Engagement.
18. “Tractatus”-Preisträgerin
Die in Kassel geborene Lotter lehrt seit 2014 als Professorin für Ethik und Ästhetik an der Ruhr-Universität Bochum. Sie setzte sich mit ihrem im März 2026 publizierten Werk gegen fünf weitere Nominierte durch, darunter auch der österreichische Schriftsteller Richard Schuberth (“Vom Antisemitismus, der keiner sein will”). Gelistet waren außerdem Andreas Dorschel, Philip Manow, Martin Warnke und Stefan Weidner. Lotter ist die 18. “Tractatus”-Preisträgerin, die zuletzt verliehenen Auszeichnungen gingen an Eva Weber-Guskar (2025), Philipp Hübl (2024), Isolde Charim (2023) und Marie Luise Knott (2022).
Der von privaten Sponsoren finanzierte Preis – er gehört zu den höchstdotierten seiner Art im deutschsprachigen Raum – wird seit 2009 vergeben. Er wurde auf Anregung des Vorarlberger Schriftstellers Michael Köhlmeier ins Leben gerufen. Prämiert werden herausragende Essays oder essayistisch orientierte Sachbücher, die philosophische Fragen für eine breitere Öffentlichkeit verständlich diskutieren und einen Beitrag zu einer nicht nur fachspezifischen Debatte von philosophischen Fragen liefern. Berücksichtigt werden dabei besonders die Relevanz des Themas, die sprachliche Gestaltung sowie die Originalität des Denkansatzes.
(S E R V I C E – 29. Philosophicum Lech “Betreutes Denken. Die neue Lust an der Unmündigkeit”, 22. bis 27. September, Lech am Arlberg; )