“Magdalenenflut” brachte Europa einst Hochwasser-Häufung

12.08.2026 • 17:00 Uhr
"Magdalenenflut" brachte Europa einst Hochwasser-Häufung

Im Jahr 1342 um den Tag der Heiligen Maria Magdalena (22. Juli) traten die Donau, Moldau, Elbe, der Rhein, Main und weitere Flüsse über die Ufer und setzten Mitteleuropa unter Wasser. “Viele tausend Menschen starben in den Fluten”, so die Historikerin Andrea Kiss: “Dazu kamen zahlreiche Todesfälle durch Hunger und Krankheiten.” Sie fand mit Kollegen heraus, dass jene Jahrtausendflut nicht alleine kam, sondern der verheerende Höhepunkt einer zweijährigen Hochwasserserie war.

Ein Team um Andrea Kiss und Günter Blöschl vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der Technischen Universität (TU) Wien analysierte mehr als tausend Einträge aus zeitgenössischen Quellen über die “Magdalenenhochwasser” genannte Katastrophen und ihre Auswirkungen. “Wo historische Aufzeichnungen lückenhaft sind, wurden moderne Hochwasser mit ähnlichen Bedingungen ausgewählt und Analogieschlüsse gezogen”, erklärt Blöschl. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin “Nature” veröffentlicht.

Perlenkette von Flutereignissen

“Wir können Monat für Monat rekonstruieren, wann welche Gegenden Europas betroffen waren”, so Kiss in einer Aussendung der TU Wien: “Wie eine Perlenkette zieht sich eine Serie von insgesamt sechzehn miteinander zusammenhängenden Hochwasserereignissen um das Jahr 1342.” Sie forderten nicht nur viele Todesopfer, sondern richteten auch großen wirtschaftlichen Schaden an. So wurden laut Berichten fast alle Brücken in den betroffenen Regionen zerstört und somit die wichtigen Handelswege unterbrochen. Zum Beispiel die damalige Steinbrücke in Prag, wo jetzt die Karlsbrücke über die Moldau führt.

Diese Häufung war kein Zufall, sondern wurde von mehreren Faktoren begünstigt, erklärt die Forscherin: Um 1340 und 1341 ereigneten sich ungewöhnlich viele Vulkanausbrüche. “Schwefelhaltige Aerosole in der Atmosphäre können zu einer Abkühlung führen und großräumige Zirkulationsmuster verändern.” Außerdem war damals das arktische Meereis deutlich geschrumpft und die Sonnenaktivität recht niedrig. “Das Zusammenspiel dieser Faktoren könnte intensive Tiefdruckgebiete, langanhaltende Niederschläge und damit die ungewöhnliche Flutserie begünstigt haben”, sagte Kiss.

Auch heute müsse man damit rechnen, dass mehrere große Überschwemmungen knapp nacheinander auftreten können, so die Forschenden: Man sollte für solche “Megaevents” vorsorgen, erklärte Blöschl der APA. “Es dauert derzeit nach einem Hochwasser eine Zeit lang, bis man sich davon erholt hat.” Die Katastrophen-Maßnahmen müssten so gestaltet sein, dass sie auch in rascher Abfolge funktionieren.

(S E R V I C E – )