Manifesta 16 Ruhr als Antwort auf schwierigen Wandel

Mit einer Pressekonferenz im Duisburger Stadttheater startete am Donnerstag die Preview für die europäische Wanderbiennale Manifesta, die 2026 im Ruhrgebiet stattfindet. Zeitgenössische Kunst wird bis 4. Oktober in zwölf Kirchenbauten gezeigt, die wegen schwindenden Bedarfs nicht mehr für sakrale Zwecke verwendet werden. Unter dem Titel “Das ist keine Kirche” dreht sich diese Manifesta um eine Krise des Stadtraumes und das Verschwinden nachbarschaftlicher Strukturen.
Man habe die stillgelegten Kirchen, die mehr als religiöse Orte gewesen seien und Teil der sozialen Infrastruktur, als ausgezeichnete Ausrede verwendet, sagte am Donnerstagnachmittag der spanische Architekt Josep Bohigas, einer der acht Manifesta-Kuratoren, die bei der Wanderbiennale traditionell als “kreative Mediatoren” bezeichnet werden. “In Wirklichkeit sprechen wir über die Zukunft des Nachbarschaftlichen und von sozialer Infrastruktur”, erklärte Bohigas. Die Manifesta schlage dabei nicht vor, Kirchen erneut in sakrale Räume oder auch in Museen zu verwandeln, betonte er und verwies auf ein vorhandenes Angebot an lokalen Kulturinstitutionen.
“Zur richtigen Zeit an den richtigen Ort”
“Wenn Europa verstehen möchte, welche Bedeutung gesellschaftlicher Wandel und das Thema neue, starke Gemeinschaften hat, dann sollte es diesen Sommer ins Ruhrgebiet schauen”, erklärte seinerseits der Vorsitzende des Ruhrparlaments, Frank Dudda. Man habe in der Region viel Erfahrung mit Veränderungen, sagte der SPD-Politiker mit Verweis auf den Verlust der Kohleindustrie und Schwierigkeiten in Stahl- und Chemieindustrie.
Auch gebe es in den Städten der Region “internationale Veränderung”, was nicht immer einfach sei. Die Manifesta komme deswegen auch zur richtigen Zeit an den richtigen Ort, denn Wandel sei nicht nur eine Verlustgeschichte, sondern auch ein Auftrag und eine Möglichkeit.
Robert Fleck und Kateryna Lysovenko bei Ausstellung
Nach der Eröffnung am 21. Juni in der Zeche Zollverein in Essen wird die diesjährige Manifesta bis 4. Oktober in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen zu sehen sein. Unter den 107 Teilnehmerinnen und Teilnehmern findet sich mit Robert Fleck nur ein einziger Österreicher: Abgesehen von ihm ist zudem die in Wien lebende Ukrainerin Kateryna Lysovenko vertreten.
(S E R V I C E – Manifesta 16 Ruhr, Bochum, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen. Bis 4. Oktober. )