Vorarlberg überspringt den Frühling

Der Wetterumschwung in Vorarlberg fällt heuer besonders stark aus: Gerade noch Schnee im Bregenzerwald, nun sommerliche Temperaturen. Die NEUE hat sich zur Hitzewelle umgehört und Experten befragt.
Vor wenigen Tagen fiel im Bregenzerwald noch Schnee, inzwischen klettern die Temperaturen in Vorarlberg auf knapp 30 Grad. Laut GeoSphere Austria sind solche starken Wetterwechsel im Frühling zwar „nicht total außergewöhnlich“, der heurige Temperatursprung innerhalb weniger Tage sei aber „leicht ungewöhnlich“, sagt Meteorologe Christoph Zingerle.

Besonders auffällig sei dabei das hohe Temperaturniveau. Aktuell bewege man sich eher auf Werten, wie sie sonst Ende Juni oder Anfang Juli üblich seien. Einen klaren Trend zu mehr Wetterumschwüngen gebe es laut GeoSphere Austria zwar nicht. Durch den Klimawandel würden die Ausschläge nach oben aber intensiver werden.
Zu trocken
Gleichzeitig kämpft Vorarlberg weiter mit Trockenheit. Laut Zingerle fehlen zwischen Dornbirn und Feldkirch derzeit rund 100 bis 150 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Insgesamt liege man heuer deutlich unter dem Durchschnitt. „Es fehlt fast die Hälfte vom Frühlingsniederschlag“, sagt der Meteorologe. Besonders trocken seien derzeit das Rheintal und Teile des Montafons. Das könnte auch Folgen für spätere Unwetter haben. Trockene Böden können große Regenmengen oft schlechter aufnehmen. Bei Starkregen droht deshalb rasch „Land unter“, weil Niederschläge oberflächlich abfließen und Kanalisationen schnell an ihre Grenzen kommen können.
Gesundheit im Fokus
Mit der Hitze rückt auch das Thema Gesundheit stärker in den Fokus. Das Land Vorarlberg verweist im Hitzeschutzplan darauf, dass vor allem ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke unter längeren Hitzeperioden leiden. Experten empfehlen ausreichend zu trinken, direkte Mittagssonne zu meiden und Wohnräume möglichst kühl zu halten.

Plötzliche Hitze
“Oft willst du dich gar nicht beklagen, aber es wird einfach sehr schnell voll heiß, ohne einen richtigen Übergang. Man freut sich den ganzen Winter auf Sonne und Wärme, dann hat es mal 20 Grad, das passt, und am nächsten Tag plötzlich 30 Grad. Das ist dann schon heavy und da möchte ich nur noch nach Hause. Unter Bäumen im natürlichen Schatten ist es am angenehmsten. Wenn man kann, ist es auch fein, einfach an der Sonne zu liegen oder am See zu sein. Wir gehen im Sommer total gern an den See, liegen im Schatten und gehen ins Wasser. Unsere Aktivitäten machen wir eher am Morgen oder am Abend.
Bei Antidepressiva ist es außerdem so, dass man schneller austrocknet oder der Körper die Temperatur nicht so gut regulieren kann. Deshalb wirklich genug trinken und wenn man trinkfaul ist, hilft eine coole Wasserflasche, auf der steht, bis wann man wie viel trinken soll. Es gibt auch welche mit witzigen Sprüchen. Beim Essen nehme ich im Sommer lieber leichte Kost zu mir, damit ich nicht den ganzen Tag ohne Energie herumlaufe.”

Lieber kühl als Hitze
“Ich mag es eher, wenn es ein bisschen kühler und angenehmer ist. Wenn es zu warm ist, gehe ich am besten gar nicht raus, weil mir die Hitze einfach schnell zu viel wird. Viel trinken ist für mich das Wichtigste und ich versuche wirklich, die extreme Hitze so gut es geht zu meiden.
Von der Kleidung her trage ich eher weite, luftige Sachen und kurze Hosen, das ist für mich am angenehmsten. Eine Kopfbedeckung gehört bei mir auch immer dazu, eine Kappe hilft mir einfach am meisten, wenn es richtig heiß wird.”

Mit Cowboyhut nach Bregenz
“Wir sind aus Friedrichshafen und sind heute im tollen Bregenz, das wir wirklich lieben, unterwegs. An meiner luftigen Montur sieht man schon, dass ich eigentlich aus der Hitze komme und solche Temperaturen kenne. Ich habe lange in Texas in den USA gelebt, wo das Termometer im Sommer oft über die 30 Grad klettert. Ein Cowboyhut passt bei diesem Wetter auch hier in Vorarlberg einfach perfekt. Für mich gehört es einfach dazu, mit lockerer Kleidung unterwegs zu sein, die Sonne zu genießen, lecker zu essen und charmante Leute zu sehen. Bei der Hitze tut das richtig gut. Und der See war heute genau richtig, um sich ein wenig abzukühlen. Das hat bei den sommerlichen Temperaturen von heute einfach perfekt gepasst.”

So bleibt der Hund kühl
“Wir sind für drei Tage auf Urlaub hier in Vorarlberg und ich finde das Wetter persönlich ganz gut, weil wir uns in der Hitze eigentlich ganz wohl fühlen. Für meine Hündin Lotta sind die hohen Temperaturen allerdings nicht so ideal. Deshalb versuchen wir, sie an solchen Tagen möglichst kühl zu halten. Am Bodensee kann sie planschen, was ihr sehr viel Spaß macht. So geht es für sie eigentlich ganz gut. Wir machen nicht zu viel mit ihr und geben ihr zwischendurch Auszeiten, wie jetzt gerade im Schatten, damit sie sich ein wenig erholen kann. Da hat sie auch ihr Kühltuch, das wir einfach nass machen und auf ihren Rücken legen. Die Brunnen hier sind ja sehr sauber, darum geht das ganz gut und für Lotta ist das sehr angenehm. Wichtig ist für sie aber trotzdem, im Schatten zu bleiben. Für mich selbst ist die Hitze kein allzu großes Problem. In der Wohnung kühlen wir morgens gut ab, dann machen wir die Fenster und Türen untertags zu und verdunkeln alles. So bleibt es eigentlich den ganzen Tag relativ kühl in der Wohnung.”

Mit Siesta durch die Hitze
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Im Sommer hilft es uns total, wenn wir den Tag ein bisschen ruhiger angehen. Eine Siesta während der Mittagshitze tut richtig gut und bei der Kleidung achte ich immer darauf, dass sie gut durchlüftet und am besten aus Baumwolle ist. Mit synthetischen Stoffen verträgt man die Hitze im Gegensatz dazu oft einfach nicht so gut. Ausreichend trinken ist außerdem total wichtig und manchmal hilft es auch, einen kleinen Ventilator für zusätzliche Abkühlung mitzunehmen.
Wenn man Medikamente nimmt, sollte man sich unbedingt informieren, was man bei Hitze beachten muss. Weil manche Präparate den Körper bei der Temperaturregulierung beeinflussen. Man muss wirklich seine eigenen Strategien finden, damit man genug Energie hat und an solchen Tagen nicht zu sehr überhitzt. Eine gute Sonnencreme haben wir außerdem auch immer dabei und cremen uns regelmäßig ein. Das ist besonders wichtig für die Tattoos, damit diese gut geschützt sind.”

Endlich wieder baden gehen
“Für mich persönlich ist die Hitze manchmal schon etwas Feines, besonders nach den langen Kältephasen mit den Eisheiligen. Jetzt kann man endlich wieder baden gehen. Ich trage normalerweise fast immer lange Hosen, deshalb macht mir die Hitze manchmal auch ein bisschen zu schaffen, aber mit kürzeren T‑Shirts und leichterem Stoff geht es besser. Wir haben vor Kurzem die Wohnung renoviert und jetzt auch Klimaanlagen, was im Sommer wirklich hilft. Am wichtigsten ist für mich aber, bei Wohnungen mit großen Fenstern die Jalousien unten zu lassen und gut zu lüften, das bringt einfach am meisten.”
3 Fragen an…

… Marlene Brettenhofer, aks gesundheit, Hitzeschutz Vorarlberg
1. Wie belastend sind mehrere Tage mit 30 Grad?
Marlene Brettenhofer: Mehrtägige Hitzeperioden stellen eine erhebliche Belastung für die Gesundheit dar, sowohl körperlich als auch psychisch. Besonders belastend sind frühe Hitzewellen wie derzeit, weil sich der Körper noch nicht an die hohen Temperaturen angepasst hat. Hitze kann Schlafprobleme, Erschöpfung und Kreislaufbeschwerden verursachen und bestehende Erkrankungen verschlimmern. Problematisch sind vor allem Tropennächte, wenn die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken und sich der Körper nicht ausreichend erholen kann.
2. Welche Menschen sind von Hitze besonders betroffen?
Brettenhofer: Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kleinkinder, Schwangere sowie Personen mit chronischen oder psychischen Erkrankungen. Auch Menschen, die im Freien arbeiten oder in schlecht isolierten Wohnungen leben, leiden oft stärker unter großer Hitze. Zusätzlich können bestimmte Medikamente die Temperaturregulierung des Körpers beeinflussen und dadurch das Risiko für Dehydrierung oder Kreislaufprobleme erhöhen.
3. Was hilft bei großer Hitze wirklich?
Brettenhofer: Wichtig ist vor allem, ausreichend zu trinken, direkte Sonne zu meiden und Räume möglichst kühl zu halten. Hilfreich sind Schattenplätze und „kühle Orte“ wie Wälder, Bibliotheken oder Kirchen. Große Bedeutung hat auch die Nachbarschaftshilfe. Gerade ältere oder alleinlebende Menschen brauchen während Hitzeperioden oft Unterstützung und regelmäßige Kontakte.
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)