Martha Argerich sorgte für Begeisterungsstürme in Grafenegg

03.09.2026 • 09:14 Uhr
Martha Argerich sorgte für Begeisterungsstürme in Grafenegg

Begeisterungsstürme für Martha Argerich, die am Mittwochabend im Grafenegger Wolkenturm mit den Münchner Philharmonikern und deren neuem Chefdirigenten Lahav Shani musizierte. So delikat, klar und uneitel hat man Beethovens B-Dur-Klavierkonzert noch selten gehört. Eine Sternstunde des diesjährigen Festivals.

Ihr Spiel ist in der Tat ein beglückendes Erlebnis: ganz und gar unprätentiös, ohne jegliches Stargehabe, aber in voller Präzision auf höchstem musikalischen – und auch technischen – Level. Wie die 85-jährige Argerich am Steinway jugendliche Spannkraft mit dem leuchtenden Anschlag einer zauberhaften Klangkultur verbindet, die ihresgleichen sucht, ist faszinierend. 

Musik als Verständigung

Schön ist es, wie sie mit dem Orchester und dem Dirigenten verbunden ist, kleine Assistenzeinsätze vom Flügel aus andeutet, wohldosierte Akzente setzt, Läufe im Feinschliff perlen lässt, sich wieder zurücknimmt. Und wenn Argerich und Shani gemeinsam von der Bühne abgehen, dann sind sie sichtlich weiter ins Gespräch vertieft. Musik als Verständigung: Hier wird sie offenbar praktiziert. 

Shani ist ein sehr dynamischer Dirigent, der es versteht, seine Energie auf das spielfreudige, bestens disponierte Orchester zu übertragen. Da kündigt sich eine vielversprechende Zusammenarbeit an. Das zeigte sich nicht nur bei der abschließenden Symphonie Nr. 4 von Johannes Brahms mit überzeugend austariertem Temperament, sondern auch bei der einleitenden Ouvertüre von Louise Farrenc, französische Komponistin des 19. Jahrhunderts: nicht bloß Resultat einer Bemühung um Quote, sondern eine durchaus interessante Rarität. “Gut geschrieben”, urteilte schon der Zeitgenosse Berlioz.

(Von Ewald Baringer/APA)