Maßnahmen zur Gewaltprävention bei Burschen gefordert

Burschen müssen soziale Kompetenz, Fürsorglichkeit und Kooperationsbereitschaft lernen, um nicht in gewaltfördernde Geschlechterrollen zu verfallen. Das fordert die Organisation SOS Mitmensch in ihrem am Donnerstag vorgestellten Burschen-Bericht. Dabei leiden junge Männer, laut Sprecher Alexander Pollak, oftmals selbst unter den Rollenerwartungen, die an sie gestellt werden. Das Sprechen über Gefühle und Konflikte im Schulalltag soll ihnen helfen, sich davon zu lösen.
Der Bericht wurde mit Schulleitungen, Lehrkräften sowie Expertinnen und Experten aus der Sozialarbeit erarbeitet und schlägt Maßnahmen zur Unterstützung von jungen Männern vor. Die Verfasser heben dabei besonders die Aufarbeitung von Gewaltvorfällen sowie das breite Ausrollen von Workshops zu Konfliktvermeidung und Sozialpädagogik hervor. Zudem fordert die Organisation mehr Mittel für Gewaltprävention und soziales Lernen an Schulen. Außerhalb der Bildungseinrichtungen sei auch der Kampf gegen frauenfeindliche Influencer besonders wichtig, betonte die NGO.
Klassendemokratie soll Gleichberechtigung vermitteln
Erika Tiefenbacher, Direktorin der Wiener Mittelschule Währing und Mitverfasserin, sieht in der Klassendemokratie ein wichtiges Mittel, um Gleichberechtigung zu vermitteln. “Man macht sich gemeinsam Regeln aus und jede Stimme ist dabei gleich viel wert.” Dieser Rahmen soll Schülerinnen und Schüler motivieren, grenzüberschreitendes Verhalten zu thematisieren.
HTL-Direktor Thomas Angerer betont, dass Burschen ernst genommen werden wollen: “Wenn man ihnen respektvoll und auf Augenhöhe gegenübertritt, hat man schon viel gewonnen. Zugleich braucht es eine klare Grundsatzhaltung gegen Fehlverhalten. Dazu genügt es nicht, auf Vorfälle zu reagieren, wir müssen auch präventiv arbeiten.” Laut dem Geschäftsführer des Integrationsvereins “Neuer Start”, Shokat Walizadeh, brauche es daher Räume, in denen Männlichkeit nicht auf Dominanz und Abwertung beruht. Stattdessen müssten Burschen Verlässlichkeit, Fürsorge und auch Gleichberechtigung erfahren.