Meduni-Rektor will bei Gesundheit Strukturen diskutieren

30.08.2026 • 05:00 Uhr
Meduni-Rektor will bei Gesundheit Strukturen diskutieren

Der Rektor der Medizinischen Universität Wien und Präsident des Obersten Sanitätsrats, Markus Müller, plädiert für eine Diskussion über die Grundstrukturen des Gesundheitssystems. Dieses sei derzeit “komplex, unübersichtlich in den Funktionalitäten und Zuständigkeiten und sehr teuer”, sagte er im APA-Gespräch. Als Schlüssel sieht er den raschen Aufbau von Facharztzentren, eine Reduktion der Spitalslandschaft hin zu größeren Einheiten sowie einen Ausbau der Pflegelandschaft.

“Ich glaube, dass viele Akteure guten Willens sind”, meinte Müller auf die Ergebnisse der Verhandlungen zur Reformpartnerschaft im Bereich Gesundheit angesprochen. “Wenn ich so die Stellungnahmen verfolge, sind die Beteiligten sehr zufrieden. Wenn man es von außen betrachtet bzw. mit gewissem Abstand betrachtet, sind es kleine Schritte.” Das Grundproblem sei aber, dass an den Grundstrukturen des Systems nicht gerüttelt werde: “Es wird ja so getan, als ob das derzeitige System in Stein gemeißelt und das Beste aller Welten sei und man muss quasi darum herum arbeiten.”

Wenn man sich die Aufstellung des Fiskalrats über die größten Ausgabenblöcke in Österreich ansehe, lande man bei Gesundheit und Pensionen, meinte Müller. Als Staatsbürger verstehe er nicht, warum etwa nun bei den Universitäten und damit der Ausbildung junger Menschen gespart werden solle und sich nicht grundsätzliche Gedanken über die Strukturen mache.

Zu viele Spitäler

Am besten sehe man dies bei der “schieren Zahl an Spitälern”. “Wenn man es mit Deutschland und Dänemark vergleicht, wird man draufkommen, dass Österreich mit 260 Spitälern sehr viele Krankenanstalten hat, das zehnmal größere Deutschland mit 1.800 deutlich weniger und Dänemark mit rund 20 so viele wie ganz Niederösterreich”, so Müller. Nötig sei eine Zentralisierung: “Sie können gewisse Dinge in kleineren Einheiten einfach nicht in dieser Qualität anbieten, wie man es müsste.”

An Primärversorgungs- und Facharztzentren führt für Müller kein Weg vorbei – wobei letztere schnell aufgebaut werden müssten. “Sie brauchen vor allem im ländlichen Bereich Einheiten, die rund um die Uhr offen sind.” Derzeit würden vor allem die Öffnungszeiten nicht zusammenpassen. “Wenn man in Wien nach 22 Uhr Bauchweh hat, setzt man sich in die U6 und fährt ins AKH – in die teuerste Ressource, weil es sonst wenige Möglichkeiten gibt. Da wäre es gut, ein ‘First Line of Defence’ zu haben.”

Weiteres Problem: Rund zehn Prozent der Betten im AKH seien mit Patienten belegt, die kein Uni-Spital brauchen, sondern eine Pflegeeinrichtung. “Damit bekommen Sie einen Rückstau in die Krankenhauslandschaft. Die Spitalsambulanzen gleichen einerseits die Notfallambulanzdefizite im niedergelassenen Bereich aus – vor allem im Bereich der Öffnungszeiten, auf der anderen Seite aber auch die Defizite in der Pflegearchitektur, weil man Patienten nicht aus dem Krankenhaus hinausbekommt.”

Rasch Facharztzentren aufbauen

Es brauche daher eine dreigeteilte Architektur: “Facharztzentren sind sicher ein Schlüssel, sie müssen nur rasch aufgebaut werden. Gleichzeitig ist eine vernünftige Reduktion der Spitalslandschaft nötig, hin zu größeren und spezialisierten Einheiten und die dritte Säule wäre ein Ausbau der Pflegelandschaft.”