Mehrheit der Verletzten beim Kraftsport ist unter 30

15.10.2026 • 11:12 Uhr
Mehrheit der Verletzten beim Kraftsport ist unter 30

Der anhaltende Fitnessboom in Österreich geht mit einem deutlichen Anstieg der Verletzungen beim Kraftsport einher. Laut der Unfalldatenbank KFV IDB Austria mussten 2025 rund 3.300 Menschen nach Unfällen beim Krafttraining in Spitälern behandelt werden. Besonders betroffen sind junge Menschen: 52 Prozent der Verletzten waren zwischen 15 und 29 Jahre alt. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) rät Sportbegeisterten zu sauberer Technik und ausreichender Regeneration.

Die Zahl der aktiven Mitglieder in österreichischen Fitness- und Gesundheitsanlagen ist laut dem Fachverband Freizeit- und Sportbetriebe der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) von rund 1,13 Millionen im Jahr 2022 auf etwa 1,35 Millionen im Jahr 2025 gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 19 Prozent. Parallel dazu nahm auch die Zahl der Verletzungen zu: Während zwischen 2016 und 2019 durchschnittlich rund 2.000 Menschen pro Jahr nach Kraftsportunfällen im Spital behandelt werden mussten, waren es zwischen 2022 und 2025 jährlich rund 3.400. Das entspricht einem Anstieg von etwa 70 Prozent, informierte das KFV in einer Aussendung am Donnerstag.

Muskel- und Sehnenverletzungen besonders häufig

Die häufigsten Verletzungen im Jahr 2025 waren Muskel- und Sehnenverletzungen, die rund 44 Prozent der Fälle ausmachten. Knochenbrüche folgten mit etwa 41 Prozent. Besonders häufig betroffen waren Hände und Füße sowie Schultern und Knie. Als Unfallursachen nennt das KFV unter anderem akute Überlastung, eine falsche Bewegungsausführung, Stürze von Trainingsgeräten sowie unzureichend gesicherte Gewichte.

“Das Training soll natürlich fordernd sein, aber nicht nur darauf abzielen, möglichst schnell möglichst schwere Gewichte zu bewegen”, sagte Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV. Das Gewicht sollte nur so weit gesteigert werden, dass die Übungen weiterhin korrekt und kontrolliert ausgeführt werden können. Eine professionelle Anleitung könne sowohl Einsteigern als auch Fortgeschrittenen helfen, Fehler frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren.

Junge Menschen besonders häufig betroffen

Den größten Anteil der Verletzten stellten 2025 die 20- bis 24-Jährigen mit 22 Prozent. Auf die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen entfielen 16 Prozent, auf die 25- bis 29-Jährigen weitere 14 Prozent. Soziale Medien und Fitness-Influencer könnten insbesondere junge Menschen dazu motivieren, häufiger und intensiver zu trainieren, so das KFV.

Mehr Training bedeute jedoch nicht automatisch mehr Fortschritt, warnte Trauner-Karner. Wer seinem Körper zu wenig Erholungszeit gebe, erhöhe das Risiko für Überlastungen und Verletzungen.

Vorsicht bei hochintensiven Trainingsformen

Auch Trainingskonzepte wie Hyrox, CrossFit und hochintensives Intervalltraining (HIIT), bei denen Kraft, Ausdauer und Geschwindigkeit kombiniert werden, bergen Risiken. Insbesondere bei Gruppenworkouts könne der Druck entstehen, mit dem Tempo und der Leistung anderer mitzuhalten. Bei zunehmender Ermüdung ließen sich komplexe Bewegungen jedoch schlechter kontrollieren und stabilisieren. Wer merke, dass die Kräfte nachließen, sollte deshalb Tempo und Intensität reduzieren, auch wenn andere schneller oder mit höheren Gewichten trainierten, riet Trauner-Karner.

Zur Vermeidung von Verletzungen empfiehlt das KFV, das Training mit Mobilitätsübungen und Aufwärmsätzen vorzubereiten, neue Übungen zunächst mit moderater Belastung zu erlernen und Gewicht sowie Trainingsumfang schrittweise zu steigern. Bei Schmerzen oder Schwindel sollte das Training sofort abgebrochen werden. Zudem seien ausreichende Regenerationszeiten und ein an das individuelle Fitnesslevel angepasster Trainingsplan wichtig. Hantelscheiben sollten mit geeigneten Verschlüssen gesichert werden. Bei Übungen mit schweren Gewichten könne außerdem eine zweite Person zur Absicherung sinnvoll sein.