“Mein Freund”: Ungewohnt schwermütiger Nestroy in Schwechat

28.06.2026 • 09:42 Uhr
"Mein Freund": Ungewohnt schwermütiger Nestroy in Schwechat

Mit einem eher selten gespielten Stück gehen die Nestroy-Spiele auf Schloss Rothmühle bei Schwechat in die 54. Saison. Intendant Christian Graf hat die geradezu schwermütige Posse “Mein Freund” auf den Spielplan gesetzt, die Premiere am Samstagabend wurde freundlich aufgenommen.

Es ist ein ungewöhnlicher Nestroy, dem man hier begegnet, beinahe melancholisch und von resignativem Tonfall getragen, sprachlich wie immer mit Tiefgang und pointenreich, doch trotz der bisweilen verworrenen Handlung nicht ganz so komödiantisch wie gewohnt. Etwas Straffung hätte dem Stück gutgetan. Es geht um enttäuschte Freundschaft, enttäuschte Liebe, überhaupt um Täuschung und Betrug – womit durchaus zeitgeistige Fragen am Tapet sind: Wem darf man heute vertrauen, was darf man glauben?

Jubiläum für Nestroy-Gespräche  

Für Ensemble und Regie eine Herausforderung, umso deutlicher die Charaktere des Geschehens zu zeichnen. In der Rolle des gutgläubigen Schlicht kann sich Paul Graf sympathisch profilieren. Mit dabei sind auch wieder Haudegen wie Bruno Reichert, Maria Sedlaczek, Franz Steiner, Sissy Stacher und nicht zuletzt Bella Rössler, die in der Rolle der grantigen Ladendienerin Schippl aufblüht. Und besonders ironisch wirkt es natürlich, dass mit der Partie des betrügerischen Hochstaplers Julius Fint der Geschäftsführer der Nestroy-Spiele, Florian Haslinger, betraut wurde. 

Parallel zu den Spielen finden heuer zum 50. Mal die Internationalen Nestroy-Gespräche statt, diesmal zum Thema “Nestroy und die Wissenschaft”. Als Präsident der Internationalen Nestroy-Gesellschaft fungiert Kammerschauspieler Robert Meyer. 

(Von Ewald Baringer/APA)

(S E R V I C E – “Mein Freund” von Johann Nestroy auf Schloss Rothmühle Schwechat. Regie: Christian Graf, Musik: Otmar Binder, Bühne und Kostüme: Andrea Költringer. Mit Paul Graf, Florian Haslinger, Bella Rössler, Franz Steiner, Bruno Reichert u.a.; Weitere Aufführungen bis 1. August. )