Mental Load verursacht bei Frauen körperliche Beschwerden

16.06.2026 • 10:30 Uhr
Mental Load verursacht bei Frauen körperliche Beschwerden

Österreichs Frauen übernehmen im Haushalt und bei Kindern immer noch mehr Verantwortung als Männer. Nur zwei Drittel der Frauen in einer Partnerschaft empfinden die Aufgabenverteilung als fair – gegenüber 87 Prozent der Männer. Ein Fünftel der Frauen fühlt sich stark belastet, 29 Prozent haben mehrmals pro Woche stressbedingte körperliche Beschwerden. Das zeigt eine aktuelle Studie von BIPA mit Unterstützung des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF).

Die Ergebnisse sind eindeutig: Frauen planen mehr, organisieren mehr, behalten insbesondere bei Haushalt und Kindern mehr im Blick – oft jedoch auch, weil es die eigene Erwartung verlangt bzw. Rollenbilder so tief verwurzelt sind, dass Aufgaben automatisch übernommen werden. Für BIPA-Geschäftsführerin Margit Reisinger ist die Studie daher eine wichtige Grundlage, um über Mental Load und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine breitere, öffentliche Debatte anzustoßen: “Wer etwas verändern möchte, soll das auch können – dafür braucht es Unterstützungsangebote und die richtigen Rahmenbedingungen.”

Rollenbilder sind tief verankert

Die Studie zeigt, dass traditionelle Rollenbilder nicht nur gelebt, sondern auch innerlich akzeptiert werden – und zwar von beiden Geschlechtern. Mehr als zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung sind der Meinung, dass Frauen besser darin sind, Geburtstage und besondere Anlässe zu organisieren oder den Familienalltag zu koordinieren. Dass Männer besser für Reparaturen und technische Aufgaben geeignet sind, glauben knapp 70 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen. “Frauen und Männer wachsen mit unterschiedlichen Erwartungen auf und schreiben sich selbst und anderen geschlechtsspezifische Verantwortlichkeiten zu, lange bevor sie je bewusst darüber nachgedacht haben”, wurde Eva-Maria Schmidt vom Österreichischen Institut für Familienforschung an der Universität Wien in einer Aussendung zitiert.

Die verinnerlichten traditionellen Rollenbilder zeigen sich auch in der Aufgabenverteilung im Alltag: In österreichischen Haushalten tragen Frauen den Großteil der Care-Arbeit. Bei der Gesundheitsversorgung von Kindern und Angehörigen etwa organisiert mehr als jede zweite Frau Arzttermine allein oder überwiegend selbst, bei Männern ist es gerade einmal jeder Fünfte. Ähnlich sieht es im Haushalt aus: Frauen erkennen häufiger, was zu tun ist – auch wenn andere mithelfen (Frauen 61 Prozent, Männer 23 Prozent) und übernehmen deutlich öfter die Hauptverantwortung für Sauberkeit, Ordnung (Frauen 42 Prozent, Männer 16 Prozent) und die Organisation besonderer Anlässe (Frauen 62 Prozent, Männer 15 Prozent).

Besonders ausgeprägt ist die Ungleichheit rund um die Kinder – ob bei der Unterstützung beim Lernen (Frauen 59 Prozent, Männer 27 Prozent), bei emotionalen Bedürfnissen (Frauen 53 Prozent, Männer elf Prozent), oder bei Schulterminen (Frauen 40 Prozent, Männer sieben Prozent). Hier sind es laut Studie deutlich häufiger Frauen als Männer, die diese Aufgaben übernehmen. Einzig bei Reparaturen und handwerklichen Tätigkeiten dreht sich das Verhältnis um – mit 63 Prozent tragen hier Männer den Großteil der Verantwortung (Frauen 14 Prozent).

Bei Finanzen eher die Männer am Werk

Bei der Übernahme finanzieller Aufgaben zeigt die Befragung klare Unterschiede: Den Überblick über die Haushaltsfinanzen hat öfter der Mann – 51 Prozent der Männer geben an, dies alleine oder überwiegend zu übernehmen, gegenüber 38 Prozent der Frauen. Ähnliches gilt für finanzielle Absicherung und Vorsorge (Männer 48 Prozent, Frauen 31 Prozent).

45 Prozent der Befragten in einer Partnerschaft geben an, dass vieles von dem, was sie für den gemeinsamen Alltag organisieren, von der Partnerin oder dem Partner kaum wahrgenommen wird – bei Frauen sind es etwas mehr. Entsprechend fühlen sich fast die Hälfte der Frauen und mehr als ein Drittel der Männer zu wenig anerkannt für ihre unsichtbare Arbeit. Das hat Konsequenzen: Jedes dritte Paar berichtet von Konflikten aufgrund der ungleichen Alltagsverantwortung. In der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen ist es sogar mehr als jedes zweite Paar – ein Zeichen dafür, dass jüngere Generationen diese Ungleichheit zunehmend nicht mehr stillschweigend akzeptieren und traditionelle Rollenbilder hinterfragen.

Ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung fühlt sich von Alltagsaufgaben stark belastet – darunter vor allem Frauen und Millennials. Die Belastung hat auch physische Auswirkungen: Ein Viertel der Befragten hat täglich oder mehrmals pro Woche stressbedingte körperliche Beschwerden, bei Frauen ist es fast ein Drittel.