Messner war vor 40 Jahren als Erster auf den Achttausendern

09.10.2026 • 10:21 Uhr
Messner war vor 40 Jahren als Erster auf den Achttausendern

Vor 40 Jahren ist Reinhold Messner der erste Mensch gewesen, der auf allen 14 Achttausendern der Welt ganz oben gestanden hatte. Am 16. Oktober 1986 um 13.45 Uhr erreichte er mit Hans Kammerlander den Gipfel des Lhotse im Himalaya, mit 8.516 Metern die Nummer vier der Berggiganten. Ein böser Sturm zwang die beiden jedoch praktisch sofort wieder zur Umkehr. So blieb es zwischen den beiden Südtirolern bei einem Handschlag und zwei Fotos.

Messner war so dick in seinen Anorak eingemummelt, dass man ihn kaum erkennen konnte. Immerhin war zu sehen, dass er unterhalb von Kapuze und Skibrille keine Maske auf dem Mund trug. So war der damals 42-Jährige immer unterwegs: ohne Flaschensauerstoff, auch wenn das unter diesen Extrembedingungen viele bis dahin für unmöglich gehalten hatten.

Gipfelglück als Wunschdenken der Leute unten

In seinem Tagebuch notierte er: “Um mich die ‘Hölle’: Sturm, Kälte, der Abgrund. Wenn Windstille gewesen wäre und die Sonne geschienen hätte, auch bei Kälte, hätte man ruhig ein bisschen sich freuen können. Aber generell behaupte ich, dass das viel strapazierte Glück am Gipfel nur das Wunschdenken der Untengebliebenen ist.” Dabei hatte er auf diesen Moment, der ihn zur Legende machte, eineinhalb Jahrzehnte hingearbeitet.

Seinen ersten Achttausender, den Nanga Parbat, hatte er 1970 bestiegen. Eine Tragödie: Sein Bruder Günther war dabei ums Leben gekommen. 1978 hatte er zum ersten Mal auf dem Mount Everest gestanden. Im September 1986 hatte er mit Kammerlander seinen vorletzten Achttausender, den Makalu, bestiegen. Es blieb der Lhotse, im Grenzgebiet zwischen Tibet und Nepal, durch den Südsattel mit dem Everest verbunden. Es war kein guter Berg für ihn. Zweimal war er dort bereits gescheitert.

Harte Konkurrenz aus Polen und der Schweiz

Dass sich Messner zwischen dem 13. und 14. Achttausender kaum Zeit ließ, lag an der harten Konkurrenz: Der Wettbewerb, wer es als Erster auf alle Achttausender schaffen würde, wurde damals rund um die Welt verfolgt. Seine härtesten Verfolger waren Jerzy Kukuczka und Marcel Ruedi. Der Pole hatte elf, der Schweizer zehn Achttausender bestiegen. Die drei wurden gefeiert wie Popstars.

Messner kletterte damals schon seit 16 Jahren in extremsten Höhen und konnte darüber sehr anschaulich erzählen. Aber vor allem Ruedi holte enorm schnell auf – bis er in jenem September vom Gipfel des Makalu nicht mehr lebend ins Basislager zurückkehrte. Messner kam am selben Berg auf dem Weg nach oben in 8.200 Metern Höhe an der Leiche des Schweizers vorbei.

Messner wollte von Konkurrenzkampf nichts mehr wissen

Heute, mit 82, will er von einem Konkurrenzkampf nichts mehr wissen. “Das wurde aufgebauscht von den Medien”, sagte Messner der Deutschen Presse-Agentur. “Die haben einen Wettkampf daraus gemacht. Wir wollten das nicht.” Die Erinnerung seines Seilgefährten Kammerlander war eine andere: “Ich hab’ deutlich gespürt, dass das ein knallharter Wettkampf war. Der Reinhold war den anderen a bissl voraus, aber es waren ihm ein paar Bergsteiger im Nacken. Da ging es nur noch darum: ‘Hoch auf den Lhotse’.”

Und die beiden schafften es. Messner sagte, er habe erst viel später Erleichterung verspürt. “Als ich zurückkam, war ich befreit von meiner eigenen Last, diese großen Berge weiter besteigen zu müssen.” Nie wieder stand er danach auf einem Achttausender. Heute beschäftige ihn das Thema nicht mehr. “Ich habe mit dem letzten Achttausender ein neues Leben angefangen. Der heutige Bergtourismus mit seinem übertriebenen Kommerz hat mit dem, was wir gemacht haben, überhaupt nichts mehr zu tun.”

Zurück ins Buch der Rekorde

Trotzdem hatte es vor einiger Zeit noch einmal Aufregung gegeben, weil ein Alpinismus-Statistiker behauptet hatte, dass Messner 1985 den höchsten Punkt eines anderen Achttausenders, des Annapurna, verpasst habe und überhaupt nicht der Erste auf allen gewesen sei. Das “Guinness-Buch” hatte ihn daraufhin als Rekordhalter gestrichen. Inzwischen stand er wieder darin.

Bis heute haben mindestens 39 Kletterer alle Berggiganten geschafft, darunter 15 Frauen. Kukuczka blieb der ewige Zweite, elf Monate nach Messner. Im Unterschied zu dem Südtiroler machte er danach aber weiter. So wurde der Lhotse ebenfalls sein letzter Achttausender. Beim Versuch, als Erster die Südwand zu durchsteigen, riss ihm im Oktober 1989 das Seil. Er stürzte 2.000 Meter in die Tiefe. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

(S E R V I C E – Liste mit Besteigern der Achttausender: )