Millionen-Förderung für Wiener Bodengesundheitsprojekt

02.09.2026 • 05:00 Uhr
Millionen-Förderung für Wiener Bodengesundheitsprojekt

Mit einer Forschungsförderung in der Höhe von zehn Millionen Euro arbeitet ein Team um den Ökologen Andreas Richter von der Universität Wien an einem neuen Zugang, um den Zustand von Böden einzuschätzen. Die hochdotierte Zuwendung kommt von der dänischen Novo Nordisk Stiftung, wie die Uni am Mittwoch bekannt gab. Im Projekt “ActiveSOIL” soll die Bodengesundheit über die Aktivität der Organismen bestimmt werden.

Der Wissenschafter vom Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft der Uni Wien konnte in einem internationalen Auswahlprozess bei der 1924 gegründeten, unabhängigen Unternehmensstiftung – das Pharmaunternehmen Novo Nordisk ist der weltgrößte Insulinhersteller und mit dem unter dem Schlagwort “Abnehmspritze” bekannten Wirkstoff Semaglutid erfolgreich – reüssieren. Die Institution gilt als einer der wichtigsten privaten Forschungsförderer, die heuer rund 90 Millionen Euro an Zuerkennungen im Rahmen ihres “Challenge Programmes” ausschüttet. Hier waren Forschende aufgerufen, ambitionierte Forschungsprojekte zu Themen einzureichen, die zu den großen gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen zählen. Eine “Challenge” war die “Bodengesundheit”, erklärte Richter.

Mensch sieht Böden vor allem durch landwirtschaftliche Brille

Wenn Böden ihre grundlegenden Funktionen nicht mehr erfüllen können, wie man es teils im heurigen Rekordsommer mit extremer Hitze und Dürre und entsprechenden Ernteausfällen gesehen hat, entstehen mannigfaltige Probleme. Der Mensch blicke oft darauf, was ein Boden quasi für ihn tun kann – vor allem in Form von landwirtschaftlichen Produkten. Das greife aber zu kurz, sind Böden doch auch die mit Abstand größten Kohlenstoffspeicher auf der Erde und damit für den Klimaschutz höchst relevant, so Richter im Gespräch mit der APA. Und: Der Klimawandel gehe jedenfalls weiter, mit “massiven Auswirkungen auf Böden”.

Die Leitung des über sechs Jahre laufenden weitverzweigten Projekts, das im Umfang in etwa mit den höchstdotierten Förderpreisen des Europäischen Forschungsrates (ERC) vergleichbar ist, liegt in Wien. Überdies sind Gruppen um Caitlin Singleton von der Aalborg University (Dänemark), Jennifer Pett-Ridge vom Lawrence Livermore National Laboratory (USA) und den österreichischen Klimawissenschafter Michael Obersteiner von der University of Oxford beteiligt.

Tieferes Verständnis von Stoffwechselvorgängen in der Erde

Die umfangreiche Förderung ermögliche es, das Thema, das bisher sehr stark aus der Perspektive des Menschen behandelt wurde, “breiter und tiefergehender” anzugehen und “echten Fortschritt anzustoßen”, betonte Richter. Herauskommen soll letztlich ein neues Verständnis dafür, was einen gesunden Boden in welchem Umfeld ausmacht. Aktuell gehe es bei Bodengesundheit oft darum, ob dieser seine Leistungen – vor allem aus Sicht des Menschen – aufrechterhalten kann. So sehe man sich klassischerweise etwa an, wie hoch der Humusgehalt, die Wasserhaltefähigkeit oder vielleicht die Biomasse an Mikroorganismen sind.

Richter und sein Team suchen einen anderen Zugang: Man wolle die Mechanismen hinter gesunden Böden tiefer gehend verstehen. “Wir bringen daher die Aktivität der Organismen hinein – also wie schnell sie sich vermehren und wie aktiv sie sind”, so der Forscher. So wurden in Wien bereits Methoden entwickelt, die zeigen, wie aktiv sich mitunter zehntausende (Mikro-)Organismen in einer Probe zeigen. Letztlich möchte man zeigen, was sich im Boden tatsächlich tut und welche Stoffwechselvorgänge ablaufen.

“Böden sind nicht nachwachsend”

So wird bei der “Mineralisierung” organischer Stickstoff in Pflanzenmaterial oder Humus zu mineralischem Stickstoff in Form von Ammonium umgewandelt. Dieses kann dann wieder von Pflanzen aufgenommen und verwertet werden. Diesem Ablauf liegen “viele verschiedene Prozesse zugrunde”, so Richter, die man mit neuen Herangehensweisen auch aufschlüsseln und darstellen will. So lasse sich zeigen, ob ein Boden tatsächlich als “gesund” angesehen werden könne.

Eines sei klar: “Böden sind nicht nachwachsend.” Werden die grundlegenden Prozesse nachhaltig gestört, könne es tausende Jahre dauern, bis sie sich regenerieren, betonte der Wissenschafter: “Wir spielen da mit dem Bodenverbrauch Hasard im Moment.”

Mit Modell in die Zukunft blicken

Mit dem neuen Wissen über die Abläufe, wolle man dann auch in Richtung Zukunft schauen. In Modellen, die federführend von Obersteiner und Kollegen erarbeitet werden, soll der grundlegende Boden-Mechanismus eingebaut werden. Dann könne man abschätzen, wie sich klimatische Veränderungen, die Vernässung von einstigen Moorböden oder Änderungen bei der landwirtschaftlichen Nutzung höchstwahrscheinlich in größerem Maßstab längerfristig auf die Böden auswirken. Wenn das gelänge, “wäre das grandios”, so Richter. Da es in Dänemark einen großen Konsens zur Umsetzung von Renaturierungen und sehr viele Daten zum Zustand der Böden gibt, baut man das Modell mit Fokus auf das nordeuropäische Land auf. Wenn es dort funktioniert, könne man das recht einfach auf den Rest Europas ausrollen, zeigte sich der Forscher überzeugt.

(S E R V I C E – Novo Nordisk Stiftung “Challenge Programme” online: )