Nach Amoklauf in Graz – Umbau vor Schulbeginn abgeschlossen

Gut ein Jahr nach dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse in Graz sind nun wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres die Umbauarbeiten an den belasteten Räumen abgeschlossen. Die Schülerinnen und Schüler werden am Montag sämtliche Räumlichkeiten wieder benutzen können. Das Ausweichquartier ist nicht mehr notwendig. Die Umbauten wurden angesichts der emotionalen Verknüpfungen behutsam und wohl durchdacht durchgeführt.
Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ), Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner sowie die Schulleitung wollten die Pforten für Medien schon vor dem Schulbeginn öffnen, um Druck von Schülerinnen und Schülern sowie der Lehrerschaft zu nehmen, erklärte Hermann bei der Begehung am Freitag. Die Rückkehr sei “ein wichtiger, aber auch sehr emotionaler Schritt.” Der Schulbetrieb könne nun wieder planmäßig aufgenommen werden. “Das Gebäude wurde in wesentlichen Bereichen adaptiert, saniert und modernisiert. Ziel der Maßnahmen war es, Voraussetzungen für die Rückkehr zu schaffen und einen Ort zu gestalten, der Sicherheit vermittelt, gute Bedingungen für das Lernen bietet, Begegnungen und Gemeinschaft ermöglicht, aber auch dem Rückzug und der Erinnerung Raum gibt”, so Hermann.
Rund drei Millionen Euro flossen in Umbau
Meixner sprach von einem “sehr berührenden Moment”. Die Schule sei so umgestaltet worden, dass man sich emotional wohlfühlt. Rund drei Millionen Euro, die seitens des Bundes bereitgestellt wurden, sind in den Umbau von rund 3.500 Quadratmeter Fläche geflossen. 2026 gab es eine Sonderfinanzierung, um auch rund 100 Quadratmeter Sanitärflächen umzugestalten. 2027 soll noch die Terrasse modernisiert werden, so Meixner. “Der Schulbetrieb kann starten”, verkündete sie.
Schulleiterin Liane Strohmaier versprach den Schülerinnen und Schülern für Montag einen Schulstart “fast so wie immer”, wobei es für viele doch Überraschungen geben wird, versprach Architekt Peter Polding. “Es ist eine tolle Schule und die Schüler und Lehrer lieben sie. Daher wollten wir die Identität bewahren.” Belastete Bereiche wurden aufgelöst: “In Räumen, die gewisse Dinge erlebt haben, kann man nicht Dienst nach Vorschrift machen.” Daher seien zwei besonders schwer belastete Klassenzimmer nun umfunktioniert worden. Einer wurde zu einem “Raum der Stille” samt “stillem Garten” mit ins Freie geöffneten Wänden – “zum Durchatmen”, wie Polding schilderte.
EDV-Räume wurden zu Klassenräumen
In diesem “Raum des Gedenkens” wurden auch zehn stilisierte Spinde eingebaut, “für jene, die draußen im Gang keinen Spind mehr haben”, erklärte der Architekt. Bei dem Amoklauf am 10. Juni 2025 hat ein 21-jähriger Ex-Schüler neun Jugendliche sowie eine Lehrerin erschossen und sich dann selbst getötet.
Die beiden vom Amoklauf betroffenen Klassenräume, die nun nicht mehr als solche verwendet werden, sondern komplett anders aussehen und umfunktioniert wurden, sind in zwei ehemaligen EDV-Räumen zu finden. Die EDV-Räume indessen siedelten in die ehemalige Bibliothek und die Bibliothek wurde in den Pausenraum integriert. Hinzu kamen zahlreiche andere Veränderungen wie etwa Böden, Decken, Lichter, Vorhänge und Farbauswahl. “Die Schülerinnen und Schüler sollten am Montag ein positives Bild haben und wir wollen sie überraschen”, sagte Polding.
Für manche wird es keine ganz so große Überraschung mehr sein, denn manche Schülerinnen und Schüler wollten schon vorab in die Schule und zum Jahrestag des Amoklaufs im Juni nutzten auch mehr als 100 Jugendliche die Möglichkeit, die Baustelle zu besichtigen, sagte Meixner. Jene, die den Umbau nun schon fertig gesehen haben, seien begeistert gewesen, hieß es seitens der Schulleitung. Die Bildungsdirektorin wusste allerdings auch von einer Schülerin, die aus emotionalen Gründen die Schule wechseln wird.