Neue “Walküre” als Höhepunkt der Münchner Opernfestspiele

Am Donnerstag nähern sich die Opernfestspiele München der Bayerischen Staatsoper ihrem unbestreitbaren Höhepunkt, wenn Hamburgs neuer Opernintendant Tobias Kratzer nach seinem “Rheingold” 2024 nun Wagners “Ring” mit der “Walküre” fortsetzt. Dabei geht es für den 46-Jährigen auch um Religion: “Wir sehen, welche Konsequenzen der Wotanskult auf das Moralleben, auf das Intimleben der Einzelnen, auch auf die Kernfamilie hat”, so Kratzer im dpa-Interview.
“Und wir sehen auch, dass das eine sehr wehrhafte Religion ist und dass Wotan aufrüstet. Es ist definitiv keine pazifistische Religion, sondern ein durchaus bellizistischer Kult – so wie das ja leider auch für viele Religionen der Welt gilt oder galt. Auch das ist in diesem Stück enthalten.”
Auch wenn Wagners Oper schon 1870 uraufgeführt wurde – sie kann aus Sicht von Dirigent Vladimir Jurowski auch der Generation Instagram noch etwas sagen: “Ich glaube, dieses Weltendrama, dieses Weltenepos ist tatsächlich so stark, dass, solange es Menschen auf der Erde gibt, sie den “Ring” in irgendeiner Form spielen werden”, sagt er der dpa.
“Man kann dieses Stück auch in viel kleinerer Besetzung erleben, und das Stück wird dadurch nicht schlechter. Wagners Tetralogie gehört zu den absoluten Schätzen unserer abendländischen Hochkultur, wie die griechischen Dramen oder Shakespeare oder Goethe oder Puschkin. Aber: Auf TikTok spielt man ja auch den Walkürenritt, also gehört der “Ring” inzwischen tatsächlich allen.”
Ist Wagners “Ring” tatsächlich “instagrammable”?
Es sei zwar nicht das erste Ziel der Inszenierung, sie sei aber “durchaus instagrammable, wie man allein schon an unserer ‘Gott ist tot’ -Plakatkampagne gesehen hat”, sagt Kratzer. “Ich bin da ganz bei Vladimir, das schließt sich überhaupt nicht aus. Ich habe auch das Gefühl, dass das ‘Rheingold’ sozusagen ein echter All-Ager-Erfolg war. Das Tolle am ‘Ring’ im Vergleich zu anderen Stücken, ist, dass es jetzt nicht ein Stück ist, das nur durch seine fünfte interpretatorische Ableitung lebt, sondern dass es in jeder Darbietungsform erstmal die Möglichkeit zu einer sehr existenziellen Erfahrung bietet, unabhängig von seinem dann doch manchmal ein wenig aberwitzigen Plotverlauf. Es geht um Elternschaft, das Verhältnis zwischen den Generationen, man kann ganz elementare existenzielle Erfahrungen mit dem Stück machen.”
“Die Walküre” ist nach der morgigen Premiere, bei der unter anderen Joachim Bäckström als Siegmund, Veteran Ain Anger als Hunding, Nicholas Brownlee als Wotan, Irene Roberts als Sieglinde und Miina-Liisa Värelä als Brünnhilde zu erleben sind, noch weitere sechs Male in München zu sehen. Insgesamt laufen die Münchner Opernfestspiele bis zum 31. Juli.
(S E R V I C E – )