Neue Wasserschau der vatikanischen Bibliothek

Eine riesige Welle verschluckt die Bibliothek der Päpste im Vatikan. 30 Meter hoch, 70 Meter breit, erstreckt sich die monumentale Installation des französischen Künstlers JR über die gesamte Gebäudefassade. Sie gibt einen ersten Eindruck von dem, was sich im Inneren der Vatikanbibliothek fortsetzt: Die Ausstellung “Aqva” verbindet jahrhundertealte Bücher mit zeitgenössischer Kunst. Eröffnet wurde die Schau am Montag von Papst Leo XIV. persönlich, berichtet die Kathpress.
Die Bibliothek habe beschlossen, sich ihren Ängsten zu stellen, begründet Kurator Giacomo Cardinali die Wahl des Themas. “Wasser bedeutet für einen Bibliothekar absolute Panik. Denn man kann es nicht kontrollieren und nicht aufhalten”, sagt der Vize-Leiter der päpstlichen Bibliothek. Gemeinsam mit Künstlern habe man sich mit dieser Angst auseinandergesetzt, denn “wenn man zulässt, dass sie zu viel Raum einnimmt, nimmt sie einem am Ende alles Interessante weg”.
Bunte Buchstabenfische und verheerende Fluten
So entstand eine Ausstellung, die sich vor allem mit den positiven Auswirkungen des Wassers und den darin lebenden Organismen auseinandersetzt – inklusive Rezeptbüchern für Fischgerichte. Der US-amerikanische Typograph Bill Moran entwarf eigens für die Schau seine “Letterfishes” (Buchstabenfische). Inspiriert von einer der bedeutendsten Enzyklopädien über Fische aus dem Jahr 1557, baute er 15 Meerestiere mithilfe von Buchstaben im Jugendstil nach. Seine mitunter farbenfrohen Werke werden nach der Ausstellung in die ständige Sammlung des Vatikans aufgenommen.
Welche Auswirkungen Wasser auf den zerbrechlichen Wissensschatz der Menschheit haben kann, zeigt ein Ausstellungsteil über die große Flut in Florenz im Jahr 1966. Als der Arno über die Ufer trat, überschwemmte er auch die Säle und Lagerräume der Nationalbibliothek. Doch obwohl das Element einerseits zerstörerisch für Papier ist, gibt es auch einen positiven Zusammenhang zwischen Büchern und Wasser, erzählt Kurator Cardinali. Denn Wasser werde auch bei ihrer Restaurierung eingesetzt.
Die Ausstellung, die über ein Jahr lang vorbereitet wurde, endet, wie sie beginnt: mit einer Installation des Künstlers JR. Auf der Suche nach der perfekten Welle zeichnete der Franzose die Bewegungen des Meeres über viele Stunden auf. Das Ergebnis ist ein 60-minütiges Wellenvideo, das die dunkle Bibliothek erhellt.