Norwegen erinnert an die Terroranschläge vor 15 Jahren

22.07.2026 • 12:40 Uhr

In Norwegen haben die Gedenkveranstaltungen für die 77 Todesopfer der Terroranschläge in Oslo und auf der Insel Utøya begonnen. An der Gedenkstätte im Osloer Regierungsviertel wurden die Namen der Getöteten verlesen. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre und der Vorsitzende der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten (AUF), Gaute Børstad Skjervø, legten Kränze nieder. “Norwegen trauert seit 15 Jahren”, sagte Skjervø, der das Massaker auf Utøya überlebt hat.

“Viele waren sich bewusst, dass es unsere Kinder waren, die getötet wurden, aber niemand kann die Trauer der Hinterbliebenen begreifen.” Er kritisierte, dass in sozialen Medien Hass auf die Überlebenden geäußert werde.

Ministerpräsident will Geschichte der Anschläge weiter erzählen

Støre forderte: “Wir müssen weiterhin offen und ehrlich darüber sprechen, was geschehen ist, über die Motive des Terroristen, seine Herkunft, die Folgen von Rechtsextremismus, Hass und Verachtung der Demokratie.” Die brutale Geschichte dieses politisch motivierten Massenmords müsse erzählt und erklärt werden, auch angesichts von Lügen und Verschwörungserzählungen, wie der Behauptung, die Anschläge vor 15 Jahren seien inszeniert gewesen.

Im Anschluss war ein Gottesdienst in der Osloer Domkirche geplant, zu dem König Harald V. und Königin Sonja erwartet wurden. Am Nachmittag folgt eine Erinnerungsveranstaltung auf Utøya.

Am 22. Juli 2011 hatte der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik eine Autobombe im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt gezündet und dabei acht Menschen getötet. Danach fuhr er auf die Insel Utøya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete. 

69 Menschen, darunter vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf der Insel ums Leben. Die Anschläge gelten als die schlimmsten Gewalttaten der norwegischen Nachkriegszeit. Breivik wurde 2012 zur damals möglichen Höchststrafe von 21 Jahren Haft verurteilt.

Österreichische Sozialdemokraten erinnern ebenfalls

Auch in Österreich gedenken die Sozialdemokraten den norwegischen Opfern. SPÖ-Bundesparteivorsitzender und Vizekanzler Andreas Babler sowie SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim schreiben in einer Presseaussendung: “Die Bilder von Oslo und Utøya haben sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Wir werden die Opfer niemals vergessen.” Ihr Andenken verpflichte dazu, jeder Form von Hass, Hetze, Rassismus und Rechtsextremismus entschlossen entgegenzutreten.