OeNB-Chefökonom hofft auf KI für mehr Produktivität

11.07.2026 • 08:00 Uhr
OeNB-Chefökonom hofft auf KI für mehr Produktivität

Der Leiter der Hauptabteilung Volkswirtschaft der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Wolf Reuter, hofft auf die Künstliche Intelligenz (KI), um die Produktivität und damit auch das langfristige mögliche Wachstum, das sogenannte Potenzialwachstum, in Österreich wieder anzukurbeln. Die Technologie könnte einen Ausgleich zum demografischen Wandel der kommenden Dekaden schaffen und so den Wohlstand sichern, sagte der Ökonom im Gespräch mit der APA.

Aktuell ist das Produktivitätswachstum gering. Laut einem Bericht des heimischen Produktivitätsrats lag die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Produktivität zwischen 2012 und 2024 bei 0,7 Prozent und damit etwas unter dem durchschnittlichen jährlichen Produktivitätswachstum der EU-Länder von 0,8 Prozent. Um die Dynamik zu beschleunigen, bräuchte es laut Reuter vor allem einen Bürokratieabbau und mehr Deregulierung, aber auch die KI könne möglicherweise helfen.

KI könnte demografischen Wandel ausgleichen und Wohlstand sichern

“Eigentlich müssen wir darauf hoffen, dass die KI stärkere Produktivitätsfortschritte mit sich bringt”, sagte Reuter. Europa und Österreich bräuchten diese Fortschritte sogar, “weil wir so einen starken demografischen Wandel haben, sodass wir, um den Wohlstand zu halten, in Zukunft produktiver sein müssen”. Die künftig rückläufige Erwerbsbevölkerung, die schrumpfende Attraktivität Europas für Kapitalinvestitionen und das niedrige Produktivitätswachstum sind laut Reuter die drei Hemmschwellen für ein stärkeres Potenzialwachstum in Österreich.

Ob die KI diese Hoffnungen auch erfüllen kann, werde sich aber erst weisen. “Auch bei anderen großen Innovationen hat man in den ersten Jahren noch keine großen Produktivitätsfortschritte gesehen”, so Reuter. Bisher sehe man zwar bei einzelnen Unternehmen – vor allem in den USA – eine erhöhte Produktivität, “aber gesamtwirtschaftlich noch nicht”. In den USA sei die KI dennoch bereits ein Wachstumstreiber. Das liege vor allem daran, dass dort viel Kapital in den Aufbau der Technologie und Datenzentren investiert werde. Wenn Österreich die KI aber künftig nutze und dadurch Fortschritte in der Produktivität erziele, könne sich das auch hierzulande im Wachstum widerspiegeln.

Dass durch die Künstliche Intelligenz Arbeitsplätze verschwinden, damit rechnet Reuter eher nicht. “In der Vergangenheit war es so, dass jeder technologische Fortschritt zu mehr Beschäftigung und mehr Wachstum geführt hat. Wenn man also von der Vergangenheit auf die Zukunft schließt, kann man das auch hier erwarten.”