OeNB senkt BIP-Prognose für 2026 auf 0,5 Prozent

24.03.2026 • 13:37 Uhr

Wegen des Iran-Kriegs und der steigenden Energiepreise hat die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) ihre Wachstumsprognose für 2026 um 0,3 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent gesenkt. Aufgrund der sich schnell ändernden Lage sind die Prognosen jedoch mit hoher Unsicherheit behaftet. Die OeNB hat deshalb mehrere Szenarien für die heimische Wirtschaft berechnet, im schlechtesten Szenario ist heuer sogar eine leichte Rezession möglich.

Entscheidend für die weitere Entwicklung sei, wie lange der Nahost-Krieg andauere. “Alles hängt davon ab, wie lange dieser Krieg dauert”, sagte OeNB-Gouverneur Martin Kocher am Dienstag zum Iran-Krieg. Die Hoffnung, dass der Iran-Krieg bald vorbei sein könnte, dürfe nicht aufgegeben werden, es sei aber auch wichtig, unterschiedliche Szenarien durchzurechnen und darauf vorbereitet zu sein.

Im Basisszenario geht die OeNB davon aus, dass die aktuell höheren Energiepreise die Wachstumsdynamik dämpfen – aber nur temporär. Die Preise für Öl und Gas seien seit dem Start des Krieges zwar stark gestiegen, aber bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 sollten sie wieder sinken. Die Inflation würde in diesem Szenario im Jahresschnitt bei 2,7 Prozent liegen, wobei die Notenbank damit rechnet, dass die Teuerung (HVPI) bis Mai auf über 3,0 Prozent steigt und dann bis Jahresende wieder auf rund 2,5 Prozent zurückkommt. Vor allem für die Inflation gebe es wegen der hohen Unsicherheit rund um den Iran-Krieg erhebliche Aufwärtsrisiken für die Erwartungen.

Für die kommenden zwei Jahre rechnet die OeNB demnach wieder mit einem stärkeren Wachstum. Für 2027 wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,0 Prozent erwartet, für 2028 sind es plus 1,1 Prozent. Für die Inflation sieht die Nationalbank für die beiden Folgejahre wieder einen Rückgang der Inflationsrate auf 2,3 (2027) und 2,1 (2028) Prozent.

Adverses Szenario könnte sogar Rezession bringen

Sollte sich die Lage jedoch verschärfen – also der Krieg länger andauern und die Öl- und Gaspreise stärker ansteigen und länger hoch bleiben – sind die Aussichten für heuer deutlich trüber. Unter der Annahme eines Ölpreises von 100 US-Dollar pro Barrel im Jahresschnitt und einem Erdgaspreis von 70 Euro je Megawattstunde im Schnitt würde das Wirtschaftswachstum um weitere 0,3 Prozentpunkte zurückfallen und nur noch bei 0,2 Prozent liegen. Die Inflation würde dann auf 3,8 Prozent ansteigen.

Rechnet man hier noch potenzielle Auswirkungen auf die internationalen Handelsverflechtungen Österreichs und negative Zweitrundeneffekte hinzu – dazu zählen Auswirkungen auf die Nahrungsmittelpreise oder Löhne – “kann es durchaus auch sein, dass wir kein positives Wachstum für 2026 sehen”, so Kocher. In diesem adversen Szenario würde ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent erwartet, gleichzeitig würde die Inflation auf 4,2 Prozent ansteigen. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das schlechteste Szenario eintritt, ist laut Kocher nicht abschätzbar. Die Lage verändere sich sehr schnell und es gebe viele Faktoren, die die Prognose verändern könnten – beispielsweise fiskalische Maßnahmen.

Bereits angekündigt hat die Regierung vergangene Woche eine Senkung der Mineralölsteuer und eine Margenbegrenzung für die Treibstoffproduktion. Hierzu meinte Kocher, es sei grundsätzlich richtig zu überlegen, wie man zusätzliche Steuereinnahmen aus fossilen Energieträgern zurückgeben könne. Wichtig sei aber auch, dass die Preissignale wirken und einen Anreiz zum Sparen geben. Daher müsste darauf geachtet werden, dass Maßnahmen gesetzt werden, die die Preise nicht verzerren, so Kocher. Zu bestimmen, was genau die richtigen Maßnahmen seien, sei jedoch Aufgabe der Regierung.

Vorerst keine neue Budgetprognose

Schwer zu sagen sei auch, welche Auswirkungen die beiden negativeren Szenarien auf das Budget hätten. Grund sei, dass noch Zahlen von 2025 ausständig seien. Die OeNB hat bei der Interimsprognose die Entwicklung des Staatshaushalts nicht abgeschätzt. Im Dezember lagen die Erwartungen für das Budgetdefizit bei minus 4,5 Prozent des nominellen BIP für 2025, minus 4,2 Prozent für 2026 und 2027 sowie bei minus 4,4 Prozent für 2028. Die Regierung plant erneut ein Doppelbudget für 2027 und 2028, eine neue Prognose sei erst nach der Budgeterstellung des Bundes möglich.