Österreichische Ukraine-Exporte über Vorkriegsniveau

19.02.2026 • 08:24 Uhr
Österreichische Ukraine-Exporte über Vorkriegsniveau

Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine zieht die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) eine bemerkenswerte Zwischenbilanz. Die heimischen Warenexporte sind im Vorjahr nicht nur um geschätzte 16,7 Prozent gestiegen, sondern haben auch das Vorkriegsniveau klar übertroffen. Die rund 200 vor Ort vertretenen österreichischen Niederlassungen halten dem Markt weitgehend die Treue.

Das Exportvolumen kletterte 2025 laut WKÖ-Schätzungen auf rund 770 Mio. Euro. Damit liegen die Ausfuhren deutlich über dem Wert des letzten Friedensjahres 2021, als Waren im Wert von rund 621 Mio. Euro in die Ukraine geliefert wurden. Der Warenaustausch bewegt sich damit trotz der anhaltenden Kampfhandlungen in einer ähnlichen Größenordnung wie das Geschäft mit Zukunftsmärkten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Robuste Entwicklung

Als Hauptgrund für den Anstieg nennt der Wirtschaftsdelegierte in Kyjiw (Kiew), David Bachmann, eine “überraschend robuste wirtschaftliche Entwicklung”, die von einer starken Binnennachfrage getrieben werde. Während die ukrainische Wirtschaft 2025 um zwei Prozent wuchs, prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) für heuer ein Plus von 4,5 Prozent.

“Der Wiederaufbau ist nicht Zukunftsmusik, sondern findet seit vier Jahren statt”, betont Bachmann. Österreichische Betriebe liefern vor allem dringend benötigte Güter wie pharmazeutische Produkte, Generatoren und Maschinen. Großes Potenzial besteht zudem beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, insbesondere bei der Bahn, sowie im Energiesektor. Hier ist österreichisches Know-how etwa bei dezentralen Kleinkraftwerken gefragt, die weniger anfällig für Angriffe sind.

Schwieriges Umfeld

Die Rahmenbedingungen für die rund 1.000 in der Ukraine aktiven österreichischen Firmen bleiben dennoch schwierig. Als derzeit größte Probleme identifiziert das AußenwirtschaftsCenter die zerstörte Energieinfrastruktur sowie einen akuten Arbeitskräftemangel. Rund ein Drittel der Bevölkerung hat das Land verlassen; die Einwohnerzahl sank seit Kriegsbeginn von rund 45 auf etwa 32 Millionen.

Das AußenwirtschaftsCenter Kyjiw steht jährlich mit rund 300 Unternehmen in Kontakt, um bei Sanktionsprüfungen oder Personalfragen zu unterstützen – etwa wenn Mitarbeiter zum Militärdienst eingezogen werden. Für Geschäftsreisende gibt es mittlerweile eine neue Krankenversicherungslösung, die auch passive Kriegsrisiken abdeckt.