Österreichs größtes Filmfestival: Die Viennale ist gestartet

22.10.2026 • 21:32 Uhr
Österreichs größtes Filmfestival: Die Viennale ist gestartet

Die Viennale ist eröffnet – und das mit einem denkbar knackigen Auftakt. Direktorin Eva Sangiorgi gab am Donnerstagabend traditionell im Wiener Gartenbaukino den Startschuss zu Österreichs größtem Filmfestival, das nun bis 3. November in der Bundeshauptstadt die Flamme des cineastischen Schaffens hochhält. Unter musikalischer Flankierung durch Dorian Concept startete man mit einem rekordverdächtig kurzen Auftaktfilm in das knapp zweiwöchige Festivaltreiben.

Der seit dem Vorjahr amtierende Viennale-Präsident Christian Petzold zeigte sich bei seiner Begrüßungsrede selbst amüsiert über sein Lampenfieber und konstatierte dennoch tapfer: “Die Viennale ist ein Festival, bei dem man sich am Ende des Jahres mit den schönen Herbstfarben gerne daran erinnert, was Kino eigentlich ist.”

“Die Viennale kann eine poetische Nachdenkpause in den Alltag bringen”, meinte auch Kulturminister Andreas Babler (SPÖ). Die Filme stellten die Grundsatzfragen des Lebens. “Ich möchte an die Zuversicht und den Fortschritt appellieren”, rief der SPÖ-Minister zu einem gemeinsamen Kraftakt der Gesellschaft auf, gemäß einem Titel seiner Lieblingsband Tomte: “Die Schönheit der Chance”.

Eröffnungsfilm für schwer Sitzende

Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), noch gezeichnet von einem Sturz, konstatierte in Richtung Viennale: “Es ist ein Festival, das mir sehr am Herzen liegt, weil es die Fenster zur Welt öffnet.” Und in Richtung der Festivalleitung: “Danke für die Auswahl des Eröffnungsfilms.” Schließlich könne sie derzeit nicht so lange sitzen. Und der Eröffnungsfilm stellte gleichsam die Antithese zum nun folgenden Festivalprogramm dar, in dem eine hohe Anzahl an Werken mit Laufzeiten jenseits der zweieinhalb Stunden aufwartet.

Johann Lurfs Essayfilm “Forever … Forever” kommt nur auf überschaubare 21 Minuten – die aber durchaus die Konzentration des Premierenpublikums forderten. Schließlich komprimierte der 44-jährige Wiener 22 Monate derselben Einstellung auf den Stausee Ottenstein in 70 mm. “Filmemachen ist immer eine Anstrengung. Es dauert, in meinem Fall sieben Jahre”, erinnerte sich der Regisseur an den langen Entstehungsprozess und bedankte sich zugleich über die Auftaktehren: “Ich bin hin und weg.”

Noch kürzer fällt der heurige Trailer aus, der ebenfalls seine Viennale-Taufe erlebte. Indiegröße Kelly Reichardt kombinierte dafür entfallene Sequenzen aus ihrem Werk “The Mastermind” zum zweiminütigen “Rain Set Action” – ein augenzwinkernder Blick hinter und auf die Arbeit an einem Filmset.

Rot-weiß-roter Abschluss

Rot-weiß-rot wird dann auch der Abschluss des Festivals am 3. November ausfallen, wenn der Porträtfilm “The Lonliest Man in Town” von Tizza Covi und Rainer Frimmel über den Wiener Bluesmusiker Al Cook mit ausgewachsenen 86 Minuten aufwarten kann.

Bis es so weit ist, sind in den kommenden Tagen nun aber gut 250 Filme aus 71 Ländern in den fünf Festivalkinos zu erleben – insgesamt 581 Stunden von Frühstück- bis Nachtscreenings. Die omnipräsente Choreografin Florentina Holzinger präsentiert etwa “Eternity” von Susanne Regina Meures, in dem sie mit ihrer Truppe spektakuläre Stunts im ewigen Eis vollzieht. Frankreichs Schauspieldiva Isabelle Huppert hat mit “Histoires parallèles” von Massoumeh Lahidji und “Die Blutgräfin” von Ulrike Ottinger gleich zwei Filme im Gepäck. Und der 90-jährige, deutsche Liedermacher und Dichter Wolf Biermann stellt Jens Meurers Doku “Biermann” selbst vor.

Zudem haben sich internationale Regiegrößen mit ihren jüngsten Arbeiten angemeldet: Ira Sachs kommt mit “The Man I Love”, der rumänische Filmemacher Radu Jude mit “Le Journal d’une femme de chambre” und der deutsche Regiealtmeister Volker Schlöndorff mit “Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte”. Nina Hoss hat sich ebenso angesagt, um “Die andere Seite” von Mariko Minoguchi vorzustellen. Nicht fehlen dürfen der Cannes-Gewinner “Fjord” des rumänischen Regisseurs Christian Mungiu oder der Venedig-Hit “Wild Horse Nine” von Martin McDonagh.

Österreichisches Filmschaffen stark vertreten

Aber auch abseits des Auftakts und der Eröffnung ist das österreichische Filmschaffen heuer gut vertreten. Programmiert sind etwa die in Cannes ausgezeichneten Koproduktionen “Everytime” von Sandra Wollner oder “Das geträumte Jahr” von Valeska Grisebach. Sebastian Brameshuber stellt sein Roadmovie “London” nach der Berlinale auch in Wien vor, Katharina Rabl ihren in Toronto uraufgeführten Film “Erinnerungen eines Waldes” und Andrina Mračnikar ihren in Zürich mit dem Publikumspreis ausgezeichneten Partisaninnenfilm “Mila/Marija” über ein bis dato wenig beleuchtetes Kapitel im bewaffneten Widerstand im Kärntner-slowenischen Grenzgebiet.

Und schließlich geht es bei der Viennale immer auch um Party: Die Festivalzentrale befindet sich heuer im Funkhaus. Dort warten drei Konzerte, vier Gespräche, fünf Partys auf feierwütige Cineasten. Unter anderem wird hier Filmstar Lars Eidinger traditionell wieder an einem Abend als DJ eines seiner Alter Egos einnehmen.

(S E R V I C E – )