ÖSV-Kombinationstrainer Bieler geschockt, aber kämpferisch

ÖSV-Männercheftrainer Christoph Bieler hat mit Bestürzung auf das Olympia-Aus für die Nordische Kombination reagiert. Trotz der Hiobsbotschaft sieht er die Zukunft seiner Sparte im ÖSV zumindest vorerst gut abgesichert. Auf kleine Verbände würden aber unmittelbar sehr große Probleme zukommen. Bieler befürchtet, dass sich das auf längere Sicht zu einer Existenzfrage für die gesamte Sportart auswachsen könnte.
Einen Tag nach der Entscheidung des IOC, die Kombination nach über 100 Jahren aus dem Programm der Winterspiele 2030 zu streichen, saß der Schock bei Bieler noch tief. “Das ist einfach eine wirklich erschütternde Nachricht für die Kombination, aber meines Erachtens auch für den gesamten Wintersport”, sagte Bieler im APA-Gespräch und berichtete von tiefer Betroffenheit in seinem Team um Topmann Johannes Lamparter. “Es ist eine harte Pille, die wir schlucken müssen.”
Bieler kann das IOC-Urteil ebenso wenig nachvollziehen wie die Entscheidungsgrundlagen. “Wir bekommen keine Auskunft und Hintergründe, was wirklich ausschlaggebend ist”, sagte Bieler. Unverständlicherweise seien die Fortschritte der Kombination und das Umsetzen diverser IOC-Vorgaben unbeachtet geblieben. “Die Weiterentwicklungen und positiven Tendenzen haben anscheinend kein Gehör gefunden und in den Augen des IOC nichts gebracht.”
“Kopf nicht in den Sand stecken”
Auf die Saisonvorbereitung seiner Truppe habe das Urteil – abgesehen von der verständlichen Niedergeschlagenheit – keine Auswirkungen, sagte Bieler und gab sich kämpferisch: “Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken.” Im ÖSV habe man ihm weiterhin Rückendeckung zugesagt. “Kurzfristig wird sich nichts ändern, die volle Unterstützung für die nähere Zukunft ist da.” Derzeit bestehe auch keine Gefahr, dass Förderungen wegfallen würden und beispielsweise Heeressportler um ihre Anstellungen bangen müssten.
Mittel- bis langfristig seien international aber Probleme zu befürchten. “Wo ich mir große Sorgen mache, sind die kleineren Verbände, in denen viele Fördergelder von den Olympischen Komitees kommen. Das große Problem der Sportart wird werden, dass kleine Nationen es nur noch schwer finanzieren können.” Das hätte zur Folge, dass die Teilnehmerfelder bei Weltcups noch kleiner würden und bald wohl auch führende Nationen auf “Auflösungserscheinungen” reagieren müssten. “Dann wird sich auch der ÖSV etwas überlegen müssen.”
Horrorszenarien bis zum Aussterben der Sportart
Das zu befürchtende Wegbrechen kleinerer Nationen wie Italien mache die vom IOC in Aussicht gestellte Olympia-Rückkehr für 2034 laut Bieler unwahrscheinlich. “Ich will nicht ‘unrealistisch’ sagen, aber das Unterfangen ist sehr weit weg und sehr schwierig erreichbar. Wie soll sich ein Sport weiterentwickeln, wenn Fördergelder in vielen Nationen fehlen?” Der Tiroler sieht deshalb die FIS besonders gefordert. Derzeit kenne er abgesehen von Kampfansagen aber noch keine konkreten Pläne des Weltverbandes.
Im ÖSV will man die momentan noch gut aufgestellten Nachwuchsprogramme weiterlaufen lassen. “Aber auch das ist in Zukunft schwierig zu sehen”, meinte Bieler. Schließlich würde mit der fehlenden Olympiazugehörigkeit eine der wichtigsten Perspektiven für die Jugend wegfallen. Insgesamt sei aber vieles noch schwer abschätzbar. Seine Negativszenarien für die Kombination reichen von einem möglichen Mauerblümchendasein vergleichbar mit Grasski oder Naturbahnrodeln bis hin zum vollständigen Verschwinden der Sportart. “Es wäre natürlich sehr schade, wenn die Kombination irgendwann ausstirbt”, so Bieler.