“Pannonic Salt”: Der Seewinkel kämpft um seine Sodalacken

02.08.2026 • 06:00 Uhr

Die Sodalacken im burgenländischen Seewinkel werden immer weniger. Vor 150 Jahren waren es noch rund 180, mittlerweile sind es nur mehr 40, “die allesamt in einem schlechten Zustand sind”, betonte Johannes Ehrenfeldner, Direktor des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel, im APA-Interview. Mit ihrer Erhaltung beschäftigt sich derzeit das LIFE-Projekt “Pannonic Salt”. Lösungsansätze sind unter anderem Wehranlagen, Beweidung und eine möglichst wasserschonende Landwirtschaft.

Was den Lacken, die sich aus Niederschlagswasser speisen, zusetzt, sind Trockenheit und niedrige Grundwasserstände in der Region. Dass sie in den Sommermonaten öfter trocken liegen, gehört jedoch zu ihrer Natur “wie der Tod zum Leben”, erläuterte Ehrenfeldner. “Das ist nichts Böses.” Problematisch wird es erst, wenn der Grundwasserstand über längere Zeit so niedrig bleibt, dass der Lackenboden den Kontakt zum Grundwasser verliert. Dann süßt die Lacke aus, wird undicht und verlandet. Derzeit liegt der Grundwasserstand im Seewinkel teilweise nur 20 Zentimeter über dem langjährigen Tiefststand von 2022 – “also weit abseits von dem, was man eigentlich für die Lacken brauchen würde”, so Ehrenfeldner.

Die Gründe für den Wassermangel in der Region sind laut dem Nationalparkdirektor vielfältig. Einerseits sorgen der Klimawandel und der damit verbundene Temperaturanstieg dafür, dass das Wasser stärker verdunstet, während die Niederschlagsmenge gleich bleibt. Andererseits fließt das Wasser über Entwässerungsgräben und Drainagen ab, die in der Vergangenheit errichtet wurden, um überhaupt erst Besiedlung und Landwirtschaft im Feuchtgebiet zu ermöglichen. Letztere entnimmt zusätzlich Grundwasser für die Bewässerung ihrer Kulturen.

Wehranlagen halten Wasser im Seewinkel

Um das Wasser in der Region zu halten, errichtet “Pannonic Salt” Wehranlagen. Bei kleineren Entwässerungsgräben sind diese bereits fertig, die größeren, etwa am Seewinkelhauptkanal, sind noch in Planung, so Ehrenfeldner. Bewährt habe sich die Maßnahme aber bereits. “Das hat man wirklich augenscheinlich sehen können, speziell bei den Lacken, dass viel länger Wasser drinnen geblieben ist und sie viel wasserhaltiger waren”, betonte der Nationalparkdirektor.

Ein zentraler Ansatz, der in Zukunft noch mehr in den Vordergrund rücken soll, ist für ihn die Beweidung mit Wasserbüffeln, Rindern, Ziegen und Schafen. Diese erfüllt mehrere ökologische Funktionen. Durch Tritt und Verbiss bleiben die Uferbereiche der Sodalacken offen und strukturreich. Gleichzeitig unterstützen die Tiere das Neophytenmanagement, indem sie auch invasive, gebietsfremde Pflanzenarten verbeißen und so deren Etablierung erschweren.

Im Nationalpark erfolge die Erhaltung der Landschaft und der Lebensräume bereits zu einem Gutteil durch Beweidung, erläuterte Ehrenfeldner. Neu installiert werden soll sie bei den Paulhoflacken zwischen Frauenkirchen und Apetlon, die im Zuge einer kurz vor dem Abschluss stehenden Erweiterung zum Nationalparkgebiet stoßen sollen. Dorthin soll ein Teil der Wasserbüffelherde, die derzeit in Apetlon steht, übersiedeln.

Auch die Landwirtschaft muss sich umstellen

Das LIFE-Projekt beschäftigt sich auch mit der Frage, wie eine möglichst wasserschonende Landwirtschaft in der Region ausschauen könnte. Der Austausch diesbezüglich funktioniere sehr gut. “Wir ziehen im Grunde am gleichen Strang. Landwirte brauchen Wasser, um produzieren zu können, und das Nationalparkschutzgebiet braucht Wasser, um die Ökosysteme aufrechtzuerhalten”, betonte Ehrenfeldner. Er sei zuversichtlich, dass eine gemeinsame Lösung gefunden werden könne. “Da bin ich wirklich ein gnadenloser Optimist, dass uns das gelingen wird.”

Man müsse sich Gedanken machen, welche Kulturen künftig angebaut werden können, die wenig Wasser brauchen, aber trotzdem Ertrag bringen – und für die es auch einen Markt gibt. Gleichzeitig gehe es darum, wassersparend zu bewässern. Ein weiterer Ansatz sei der Umgang mit dem Boden, rund um pfluglose Bewirtschaftung, Direktsaat und pflanzenbedeckte Äcker, bei denen die Verdunstung geringer ausfällt. Umsetzbar sei das natürlich weniger schnell als Wehranlagen, weil dabei ein ganzes System geändert werden müsse, meinte Ehrenfeldner.

Folgeprojekt könnte sich auf Beweidung konzentrieren

Verschwundene Lacken wiederzubeleben, sei eher schwierig. “Das vordringliche Ziel ist jetzt einmal, dass man die Lacken, die noch funktionieren, aber in einem eher mäßigen oder schlechten Zustand sind, wieder in einen guten Zustand bringt”, betonte der Nationalparkdirektor. Ist das geschafft, könne man sich immer noch überlegen, “ob man wirklich die Energie aufwenden will, dass man Sodalacken wiederherstellt”.

Das LIFE-Projekt läuft vorerst noch bis Anfang 2029, soll aber, solange es geht, verlängert werden. Auch ein mögliches Folgeprojekt hat Ehrenfeldner bereits im Kopf. Dieses könnte den Fokus stärker auf die Beweidung legen und den Schwerpunkt vom Seewinkel Richtung Hansag verlagern.