Papst wegen Lungenkrebs operiert
Papst Leo XIV. leidet nach Angaben seiner behandelnden Ärzte an Lungenkrebs. Dies teilte das Ärzte-Team der Gemelli-Klinik in Rom nach einer Operation des 71-Jährigen mit. Bei dem Eingriff, der planmäßig und ohne Komplikationen abgeschlossen wurde, sei der untere Lappen der rechten Lunge entfernt worden. Die anschließende Untersuchung habe bestätigt, dass es sich bei dem Knoten um ein sogenanntes Lungenadenokarzinom handle.
“Die intraoperative histologische Untersuchung bestätigte die Diagnose eines Lungenadenokarzinoms, wie aufgrund der präoperativen Untersuchungen vermutet worden war”, teilte der Vatikan in einem Bulletin mit. Die Dauer des Eingriffs betrug etwa 90 Minuten, der Heilige Vater verbrachte circa drei Stunden im Operationssaal. Der Eingriff sei gelungen, Komplikationen seien nicht aufgetreten. Nach der Operation wachte der Papst auf und kehrte nach einer kurzen Beobachtungsphase in sein Zimmer im zehnten Stock des Krankenhauses zurück. Dort soll sich Leo jetzt etwa eine Woche erholen. Offen blieb, wie es mit seiner Therapie nun weitergeht. Der Papst selbst äußerte sich am Abend nicht.
Thoraxchirurgie-Experte Stefano Margaritora operierte den Papst
Ein Lungenadenokarzinom ist eine bösartige Form von Lungenkrebs. Es gehört zur Gruppe der nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome und ist eine der häufigsten Formen von Lungenkrebs. Operiert wurde der Papst vom 66-jährigen Stefano Margaritora, der die Abteilung für Thoraxchirurgie im Gemelli-Krankenhaus leitet. Er gilt als Spezialist bei der Behandlung von Lungenerkrankungen und Tumoren des Brustkorbs.
Leo XIV. hatte am Dienstag im Auto das Krankenhaus erreicht. Begleitet wurde das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche von seinem Leibarzt Luigi Carbone. Der Papst wirkte bei seiner Ankunft ruhig und lächelte. Zahlreiche Menschen hatten bereits seit dem Morgen vor dem Krankenhaus auf ihn gewartet. Leo XIV. grüßte die Menge kurz, ohne stehen zu bleiben. Dabei schien er sichtlich bewegt von den Zeichen der Zuneigung.
Südamerika-Reise für November geplant
Alle Termine des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche wurden bis zum 20. Oktober abgesagt. Im November steht für den Papst eigentlich eine fast zweiwöchige Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm. In Peru war der frühere weltweite Chef des Augustinerordens viele Jahre als Missionar und Bischof tätig. Er hat auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Zur Reise gehört ein Besuch der Stadt Cusco in 3.400 Metern Höhe. Bei manchen Leuten führt diese Höhe zu Atemproblemen und zur Höhenkrankheit.
Höchste Sicherheitsvorkehrungen wurden wegen der Spitaleinlieferung des Papstes ergriffen. Der bei Papst Leo XIV. festgestellte Gewebeknoten wurde bei routinemäßigen Kontrolluntersuchungen entdeckt, hatte die Pressestelle des Vatikan auf Nachfrage von Journalisten am Montag mitgeteilt. Demnach wurde der Befund im Rahmen einer regulären Vorsorgeuntersuchung festgestellt und nicht aufgrund akuter Beschwerden, die weitere Untersuchungen erforderlich gemacht hätten, etwa einer Entzündung oder einer Infektion.
Mit der Ankunft des Papstes im Krankenhaus wurde eine Flugverbotszone über dem gesamten Klinikgelände eingerichtet, berichtete die römische Tageszeitung “Il Messaggero”. Einsatzkräfte überwachten den Luftraum mit Hubschraubern, Drohnen und Anti-Drohnen-Systemen. Mithilfe spezieller Abwehrtechnik sollen unbefugte Beobachtungen aus der Luft verhindert werden. Darüber hinaus werden die Sicherheitskontrollen zum Schutz sämtlicher technischer Systeme der Klinik, insbesondere der IT-Netzwerke, verstärkt. Dafür soll hoch spezialisiertes technisches Personal eingesetzt werden.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Sicherheitskonzepts ist der Schutz der medizinischen Daten des Papstes. Es soll verhindert werden, dass Untersuchungsergebnisse oder Informationen über seinen Gesundheitszustand an die Öffentlichkeit gelangen. Zum Schutz der Privatsphäre des Kirchenoberhaupts werden klinische Untersuchungen, biologische Proben und Blutanalysen voraussichtlich unter alphanumerischen Codes oder Pseudonymen registriert und in den Laboren verarbeitet. Angesichts der Bedrohungen durch hybride Kriegsführung besteht zudem die Gefahr von Hackerangriffen.
Louis Prevost zeigte sich zuversichtlich
Der Bruder von Papst Leo XIV., Louis Prevost, rief die Gläubigen auf, für einen erfolgreichen Eingriff bei dem Kirchenoberhaupt zu beten. “Ich bitte Sie, ihn in Ihre Gebete einzuschließen, damit die Operation gut verläuft und es keine weiteren Komplikationen gibt”, sagte Prevost der italienischen Zeitung “Corriere della Sera”.
Louis Prevost zeigte sich zuversichtlich, dass sich der Papst vollständig erholen werde. “Ich bin sicher, dass er sich vollständig erholen und seine Aufgabe als Oberhaupt der katholischen Kirche fortsetzen wird”, sagte der 74-Jährige, der in Florida lebt. Auch Louis Prevost selbst befindet sich nach Angaben der Zeitung derzeit wegen einer Krebserkrankung in den USA im Krankenhaus.
Schönborn, Lackner und Van der Bellen senden Genesungswünsche
Kardinal Christoph Schönborn sandte Papst Leo am Dienstag Genesungswünsche. “Lieber Heiliger Vater, in diesen sorgenvollen Stunden sind wir Ihnen im Gebet besonders nahe. Möge der Herr Ihnen Kraft und Zuversicht schenken und die Hände der Ärzte führen”, schrieb der emeritierte Wiener Erzbischof laut Kathpress in Sozialen Medien. Er wünsche Leo “Gottes Segen und eine gute Genesung”, so Schönborn. “Die ganze Kirche Österreichs ist Ihnen nahe, Heiliger Vater!”, ließ auch Österreichs Bischofskonferenz-Vorsitzender Franz Lackner wissen und rief zum Gebet für Leo XIV. auf. Schönborns Nachfolger als Erzbischof von Wien, Josef Grünwidl, bat in einer Aussendung um Gebet für Papst Leo XIV. für die bevorstehende Lungenoperation.
“Für die Zeit Ihrer Genesung wünsche ich Ihnen Ruhe und Zuversicht und hoffe, dass Sie bald wieder bei Kräften sein werden, um Ihren verantwortungsvollen geistlichen und weltlichen Aufgaben weiterhin so überzeugend nachkommen zu können”, hielt Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einem Schreiben an den Papst, dass der Kathpress vorliegt, fest. Van der Bellen war heuer im März von Papst Leo erstmals im Vatikan empfangen worden. Nach seiner Audienz hatte sich der Bundespräsident tief beeindruckt gezeigt. “Mit diesem Papst wurde eine sehr, sehr gute Wahl getroffen”, so das Staatsoberhaupt nach dem Treffen. Leo XIV. sei ein “Mensch des Friedens” und trete mit voller Überzeugung für die Werte des Neuen Testaments ein. Er sei zuversichtlich, dass es dem Papst gelingen werde, die Botschaft der Hoffnung und des Friedens den Menschen nahezubringen, erklärte damals Van der Bellen, der selbst evangelischer Christ ist.