Präsidentenwahl in Kolumbien im Zeichen von Gewalt

Kolumbien wählt am Sonntag vor dem Hintergrund wachsender Gewalt und politischer Spannungen einen neuen Präsidenten. Rund 41 Millionen Stimmberechtigte sollen einen Nachfolger des linken Präsidenten Gustavo Petro bestimmen, der laut Verfassung nicht erneut kandidieren darf. Der Wahlkampf war zuletzt zunehmend von der Sicherheitslage dominiert. Vor der Abstimmung kam es zu mehreren Anschlägen, bei denen Zivilisten, Soldaten und Polizisten getötet oder verletzt wurden.
Insgesamt treten 14 Kandidaten an, nach aktuellen Umfragen gibt es jedoch drei klare Favoriten. Zu ihnen zählen der linke Senator Iván Cepeda aus dem Regierungslager, die konservative Senatorin Paloma Valencia aus dem Umfeld des früheren Präsidenten Álvaro Uribe sowie der rechtsgerichtete Anwalt Abelardo de la Espriella. Sollte keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erreichen, kommt es am 21. Juni zu einer Stichwahl, wovon Umfragen derzeit ausgehen.
Bereits die Parlamentswahl Anfang März zeigte ein stark polarisiertes Land. Zwar wurde Petros linkes Bündnis “Pacto Histórico” stärkste Kraft im Senat, eine klare Mehrheit erreichte jedoch keine Partei. Der künftige Präsident dürfte deshalb auf schwierige Koalitionsverhandlungen angewiesen sein. Erste vorläufige Ergebnisse werden in der Nacht zu Montag deutscher Zeit erwartet.
Kolumbien erlebe derzeit “eine der schwersten Gewaltwellen der vergangenen Jahre”, sagte die Leiterin des Kolumbien-Büros der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Kristin Wesemann im Vorfeld des Urnengangs. Die Wahlen werden landesweit der Zeitung “El Tiempo” zufolge von mehr als 400.000 Soldaten und Polizisten überwacht und gesichert.