Protest gegen Preiserhöhungen an der Mailänder Scala

An der Mailänder Scala sorgt eine neue Preisanpassung für deutlichen Unmut unter den sogenannten “Loggionisti”, den traditionsreichen Besuchern der oberen Ränge des Opernhauses. Kritik richtet sich dabei sowohl gegen allgemeine Ticketanhebungen als auch gegen eine neue Einstufung besonders gefragter Plätze in der zweiten Galerie.
Betroffen sind vor allem 36 zentrale Sitzplätze, deren Preis von 800 auf 1.050 Euro pro Abonnement angehoben wurde. Das entspricht einem Plus von 31,25 Prozent. In einem Flugblatt, das in Mailand verteilt wurde, heißt es, diese Entwicklung belaste “das einheimische Publikum eines Theaters, das zu etwa einem Drittel aus öffentlichen Mitteln finanziert wird und laut Gesetz zur kulturellen und sozialen Bildung der Gemeinschaft verpflichtet ist”. Auch einzelne Besucher äußerten Kritik, da die Ausgaben der Scala um ein Drittel von öffentlichen Finanzierungen gedeckt seien, wie die Tageszeitung “La Stampa” am Mittwoch berichtete.
Theaterleitung weist die Kritik zurück
“Die Scala ist das teuerste Theater Europas. Teurer sind nur die Aufführungen bei den Salzburger Festspielen”, stellte “La Stampa” fest. Die Theaterleitung weist die Kritik zurück. Paolo Besana, Kommunikationschef der Scala, betonte, dass nur ein kleiner Teil der Plätze von den Anpassungen betroffen sei. Im Durchschnitt lägen die Preissteigerungen im Geringbereich. Außerdem verfüge ein großer Teil der Besucher über vergünstigte Zugänge. Für kommende Spielzeiten seien zudem neue Ermäßigungen für Mailänder vorgesehen. Die Leitung verweist außerdem darauf, dass die Preise über Jahre stabil geblieben seien und Investitionen sowie organisatorische Veränderungen nun Anpassungen notwendig machten.
Wie Intendant Fortunato Ortombina kürzlich mitgeteilt hatte, erhöhen sich die Preise insbesondere für die traditionsreiche Saisoneröffnung am 7. Dezember um rund zehn Prozent. Für die am 7. Dezember geplante Premiere von “Otello” mit der Inszenierung von Damiano Michieletto könnten die besten Plätze künftig 3.300 statt 3.000 Euro kosten. Stärker steigen zudem die Preise für neu eingeführte “Premium”-Plätze in besonders gefragten Reihen. Hier könnte der Höchstpreis bei bekannten Operntiteln von derzeit 300 auf bis zu 350 Euro klettern.
Trotz der Erklärungen hält der Protest unter Teilen des Publikums an. Kritiker warnen vor einer zunehmenden “Kommerzialisierung” des traditionsreichen Opernhauses und vor einer Verdrängung des klassischen Stammpublikums. “Wenn die Scala zum Disneyland für reiche Touristen wird, stirbt das Opernhaus allmählich. Die Gefahr ist konkreter als man denkt und die Erhöhung der Kartenpreise ist nicht der beste Weg, um diese Gefahr zu verbannen”, schrieb “La Stampa”.