Prozess gegen Eltern nach Amoklauf in Schule in der Türkei

Fünf Monate nach dem Angriff an einer Schule in Kahramanmaras im Südosten der Türkei mit zehn Todesopfern stehen die Eltern des Schützen in vor Gericht. Die Angeklagten erklärten am Freitag zum Prozessauftakt in Kahramanmaras, sie hätten keine Ahnung gehabt, dass ihr Sohn einen Angriff plante, wie lokale Medien berichteten. Der 14-Jährige, der die achte Klasse besuchte, hatte neun Schüler und einen Lehrer getötet. Auch der Schütze kam bei der Amoktat im April ums Leben.
Das Motiv ist weiterhin unklar. Beide Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft fordert für den Vater zehn aufeinanderfolgende lebenslange Haftstrafen sowie bis zu 30 weitere Jahre Haft. Sie argumentiert, er habe von psychischen Problemen seines Sohnes und dessen Interesse an Waffen gewusst, aber nicht gehandelt – unter anderem habe er ihn auf einem Schießstand mit Waffen schießen lassen und mehrere Waffen zu Hause zugänglich aufbewahrt.
Mutter drohen bis zu 22,5 Jahren Haft
Der Mutter drohen nach Angaben des Privatsenders NTV bis zu 22,5 Jahre Haft, weil sie Warnungen, ihr Sohn benötige eine Behandlung, angeblich nicht weiterverfolgt habe. Der Vater sagte vor Gericht, sein Sohn habe die Waffen “ohne mein Wissen” genommen. Die Mutter erklärte, sie habe gewusst, wo die Waffen aufbewahrt wurden, nicht aber, wie viele es waren.
Ermittler fanden auf dem Computer des Schützen handgezeichnete Grundrisse der Schule sowie einen Angriffsplan. Am Tatort wurden außerdem fünf Pistolen und 84 Patronenhülsen sichergestellt. Alle Waffen waren auf den Vater registriert. Die Eltern waren zweimal darauf hingewiesen worden, dass der Bursche psychologische Hilfe benötigt.