Prozess um totes Baby im Burgenland fortgesetzt
Der Prozess um das tote Neugeborene, das im vergangenen Jänner am Grenzübergang Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) gefunden worden war, ist am Donnerstag am Landesgericht Eisenstadt fortgesetzt worden. Ein Urteil für die fünf Angeklagten war für den Abend geplant. Der damals erst 17-jährigen Mutter wird Tötung eines Kindes bei der Geburt vorgeworfen, ihrer Schwester, ihrem Schwager, ihrem Bruder und ihrer Mutter Beteiligung an einem Mord. Sie bekannten sich nicht schuldig.
Drei Polizisten berichteten am Donnerstag von den Ermittlungen. Das tote Baby war am 18. Jänner 2026 von zwei Männern hinter einer Trafostation am Grenzübergang gefunden worden. Daneben lag blutiges Gewand. Über die Videoüberwachung bei der dortigen Tankstelle und das Kennzeichen des Kleinbusses, der darauf zu sehen ist, seien die Ermittler auf die fünf Angeklagten gekommen.
Neugeborenes dürfte mehrere Minuten gelebt haben
Sie sollen am 17. Jänner 2026 in einem Kleinbus von Rumänien nach Deutschland unterwegs gewesen sein, als bei der damals 17-Jährigen die Wehen einsetzten. Die rumänische Familie blieb deshalb auf einem Parkplatz beim Grenzübergang stehen, wo das Baby laut Anklage im Auto zur Welt kam. Die Mutter soll das Neugeborene noch unter Einwirkung des Geburtsvorganges gewürgt und erschlagen haben. Eine Obduktion ergab, dass das Mädchen gesund war und zumindest mehrere Minuten gelebt hatte, bevor es an einem Schädel-Hirn-Trauma starb.
Auf dem Überwachungsvideo ist laut Staatsanwaltschaft zu sehen, wie die mittlerweile 18-Jährige den Kleinbus kurz nach 22.00 Uhr mit einer Tasche verlässt und von ihrer Mutter zu der Trafostation gelotst wird, hinter der das tote Baby am nächsten Tag gefunden wurde. Die anderen Familienmitglieder sollen während der Geburt aufgepasst haben. Danach sind sie auf dem Video unter anderem beim Entsorgen einer blutigen Matratze zu sehen.
Sachverständige: Fall typisch für Neonatizid
Eine andere Version der Geschehnisse erzählten die Angeklagten vor Gericht. Sie gaben an, dass die junge Frau ihre Schwangerschaft verheimlicht habe, möglicherweise aus Scham, weil sie keinen Lebensgefährten hatte. Sie habe das Baby alleine zur Welt gebracht. Mutter, Schwester, Bruder und Schwager hätten davon nichts mitbekommen. Das Blut habe die Erstangeklagte ihnen damit erklärt, dass sie ihre Periode habe. Die 18-Jährige leugnet auch, das Kind getötet zu haben. Sie habe es für eine Totgeburt gehalten. Die Kopfverletzungen seien beim Ablegen des Babys hinter der Trafostation entstanden. Dort sei ihr das Kind aus der Hand gerutscht.
Eine psychiatrische Sachverständige meinte am Donnerstag, der Fall sei typisch für einen Neonatizid, also die Tötung eines Kindes nach der Geburt. Die junge Frau habe die Schwangerschaft ihrer Ansicht nach verleugnet und verdrängt, auch weil sie sexuell missbraucht worden sein soll. Dass die Angehörigen weder die Schwangerschaft noch die Geburt mitbekommen haben, könne sie sich durchaus vorstellen. “Der vernachlässigende Umgang hat sich einfach fortgesetzt”, sagte die Sachverständige.
Der zum Tatzeitpunkt jugendlichen Erstangeklagten drohen bei einer Verurteilung bis zu zweieinhalb Jahre Haft. Ihre Verwandten könnten zu zehn bis 20 Jahren verurteilt werden, mit Ausnahme des 20-jährigen Bruders auch zu lebenslanger Haft. Ein älterer Mann, der auf den Videoaufnahmen ebenfalls im Kleinbus zu sehen ist, konnte laut Staatsanwaltschaft bisher nicht ausgeforscht werden.