Putin will Donbass in weniger als eineinhalb Jahren erobern

Kremlchef Wladimir Putin hat die komplette Eroberung des ukrainischen Donbass-Gebiets in weniger als eineinhalb Jahren angekündigt. Zugleich gehe er davon aus, “dass dies angesichts des Vormarsches unserer Truppen viel früher geschehen wird”, sagte Putin beim internationalen Waldai-Diskussionsforum. Demnach verbleiben aktuell etwa elf Prozent der Region unter ukrainischer Kontrolle. Er warf Kiew vor, sinnlos Menschen für den Kampf um ukrainisches Staatsgebiet zu opfern.
“Wenn der Verlust dieser Gebiete unvermeidlich ist, macht es dann Sinn, daran festzuhalten und dafür Menschen, ihre Sicherheit und ihr Leben zu opfern?”, fragte Putin bei der Veranstaltung in der russischen Hauptstadt Moskau weiter. Putin hatte in der Vergangenheit immer wieder ukrainische Orte wie Swjatohirsk oder Kupjansk für erobert erklärt, die weiterhin zum Teil recht deutlich unter ukrainischer Kontrolle stehen.
Kreml eigentlich zu Friedensgesprächen bereit gewesen
Die Ukraine hat nach Auslegung von Kremlchef Wladimir Putin mit Drohnenangriffen während der Wahl zur russischen Staatsduma den Weg zur Wiederaufnahme von Friedensgesprächen erschwert. Moskau sei bereit gewesen, die Verhandlungen zur Ukraine am 21. September, einen Tag nach den Wahlen zur Staatsduma, wieder aufzunehmen, sagte Putin in Moskau beim politischen Waldai-Diskussionsforum vor internationalen Experten.
Dennoch bleibe Russland bereit, Verhandlungen aufzunehmen und schnellstmöglich abzuschließen. “Aber natürlich zu Bedingungen, die auch für die Russische Föderation, für unser Volk und für das russische Volk akzeptabel sind.” Eine echte Gesprächsbereitschaft Moskaus wird von Kiew, seinen westlichen Verbündeten und Beobachtern allerdings stark angezweifelt.
“Selber haben sie (die Ukrainer) keine Wahlen, unsere haben sie zu vereiteln versucht: In der Nacht vom 19. auf den 20. September wurde versucht, die Luftabwehr von Moskau zu durchbrechen.” Über 1.600 Drohnen seien auf Moskau abgefeuert worden, ununterbrochen seien Wahllokale in anderen Regionen Russlands angegriffen worden, behauptete der Kremlchef.
Die Ukraine habe sich getäuscht, als sie auf den Erfolg von Angriffen gegen Russland gesetzt habe. “Der Gegner hatte erwartet, dass unsere Gesellschaft auseinanderbrechen würde, aber jeder kann sich irren”, sagte Putin. “Doch nur ein Idiot beharrt auf einem Fehler.”
Frontlinie weitgehend unverändert
Zuletzt hatten ukrainische Einheiten im Donezker Gebiet bei Lyman sogar Geländegewinne erzielt und Dutzende Quadratkilometer zurückgeholt. Von festungsartig ausgebauten Städten wie Slowjansk und Kramatorsk sind russische Truppen noch mehr als ein Dutzend Kilometer entfernt. Die Frontlinie ist an vielen Abschnitten seit mehreren Monaten weitgehend unverändert.
Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Der Kreml erhebt dabei unter anderem Anspruch auf die als Donbass bezeichnete Region der Gebiete Donezk und Luhansk.