Selenskyj: Verletzte nach neuen russischen Angriffen

27.08.2026 • 11:15 Uhr

Russland und die Ukraine haben ihre gegenseitigen Luftschläge auf Ziele im Hinterland des Gegners fortgesetzt. “Die Russen haben kritische Infrastruktur in den Gebieten Poltawa, Sumy und Cherson angegriffen”, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf sozialen Netzwerken. Fünf Menschen seien unter anderem bei Angriffen in den Gebieten Saporischschja und Dnipropetrowsk verletzt worden. Schäden habe es auch nach Attacken im Gebiet der Hafenstadt Odessa gegeben.

Nach Angaben örtlicher Behörden brannten östlich der Hauptstadt Kiew im Landkreis Boryspil Lagerhallen nach russischen Angriffen. Mindestens zwei Menschen seien verletzt worden. Abgestürzte Trümmerteile hätten auch in Kiew selbst Schäden an mehreren Gebäuden angerichtet. Im Zentrum der Dreimillionenstadt wurde der Militärverwaltung zufolge eine Sportanlage im unmittelbaren Zentrum beschädigt. Bilder in sozialen Netzwerken zeigten eine Rauchwolke im Bereich des Walerij-Lobanowskyj-Stadions am Rande des Regierungsviertels.

Russland sprach von Angriffen auf Einrichtungen, die der ukrainische Armee dienen. Darunter Lager- und Montageeinrichtungen für Drohnen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Ziele seien Stahlwerke in den Städten Saporischschja und Krywyj Rih, Logistikzentren in und bei Kiew, eine Ölraffinerie in Krementschuk sowie die Häfen von Odessa, Tschornomorsk und Reni gewesen.

Abschuss ballistischer Raketen

Die ukrainische Luftwaffe fing dabei nach eigenen Angaben erstmals seit längerem sieben ballistische Raketen ab. Zudem sei eine Antischiffsrakete des Typs Oniks abgeschossen worden, hieß es. Selenskyj hatte zuvor am Dienstag über eingetroffene neue Flugabwehrraketen für die Patriot-Systeme informiert.

Ukrainischen Angaben zufolge wurden rund 86 Prozent der vom russischen Militär eingesetzten Drohnen abgefangen. Fünf russische Drohnen verletzten nach Auskunft des moldauischen Verteidigungsministeriums in Chisinau auch kurzzeitig den Luftraum Moldaus.

Neue ukrainische Drohnenangriffe im Uralgebiet

Die Ukraine wiederum setzte ihre Angriffe auf Lager von russischen Internethändlern fort. Im Uralgebiet wurde nach Unternehmensangaben ein Logistikzentrum des zweitgrößten russischen Marktplatzes Ozon in Ufa von ukrainischen Drohnen angegriffen. Demnach musste auch in Orenburg nahe der kasachischen Grenze wegen Raketengefahr ein Verteilzentrum kurzzeitig geräumt werden. Es habe aber weder Opfer noch Schäden gegeben. Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion. Bei seinen Gegenschlägen konzentriert sich Kiew auf russische Internethändler und die Ölindustrie.

Mehrere EU-Staaten dringen auf Nutzung eingefrorener russischer Staatsvermögen für Kiew

Mehrere EU-Staaten dringen unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge auf eine Wiederaufnahme der Pläne zur Nutzung eingefrorener russischer Staatsvermögen für die Ukraine. In einem gemeinsamen Schreiben an die Europäische Kommission fordere eine Koalition von Ländern, zu der unter anderem Schweden, die Niederlande, Spanien und Polen gehörten, die Brüsseler Behörde zu entsprechenden Schritten auf, berichtet die “Financial Times” unter Berufung auf vier mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Arbeit an Plänen zur Finanzierung der Ukraine mithilfe von eingefrorenen Vermögenswerten der russischen Zentralbank müsse wieder aufgenommen werden, heißt es demnach in dem Schreiben.