Schau im Dom Museum Wien gibt sich “tierisch menschlich”

01.10.2026 • 14:42 Uhr

Kurz nach “Animalia” in der Heidi Horten Collection steht ab Freitag erneut Animalisches im Zentrum einer Kunstausstellung. Die Schau “tierisch menschlich” im Dom Museum Wien wolle aber keineswegs eine rein additive Anhäufung von Tierdarstellungen sein, betonte Direktorin Johanna Schwanberg am Donnerstag. Dabei wäre das eine leichte Übung gewesen, sagte ihre Ko-Kuratorin Vanessa Joan Müller: “In jedem Museum lachen Sie Tiere sämtlicher Species an.”

Es geht um die ambivalente Beziehung zwischen Tier und Mensch, die Schwanberg bei der Presseführung so auf den Punkt brachte: “Ehe Sie hierherkamen, haben Sie vielleicht Ihre Katze gefüttert, zu Mittag essen Sie möglicherweise ein Schnitzerl, und am Nachmittag erschlagen Sie eine Motte.” Diese wird dann vermutlich keinen Sarkophag erhalten, wie ihn Lois Weinberger für eine tote Fliege zimmerte. Die so informative wie unterhaltsame Schau, mit der das Dom Museum auf konstant hohem Niveau an Themenausstellungen wie “Sterblich sein” (2023) und “In aller Freundschaft” (2024) und “Alles in Arbeit” (2025) anschließt, bietet Witz und Grusel gleichermaßen.

“Hunderl” und Wasserspeier

Nachdem man im Stiegenhaus ein paar von Werner Feiersingers Fotos von Tierskulpturen im Wiener Stadtraum bewundert hat (Müller: “Da findet man einen kompletten Zoo, vom Nilpferd bis zum Pinguin.”), empfangen einen die witzigen “Hunderl”-Gemälde von Alois Mosbacher, dessen Porträtsitzungen mit Besucher-Hunden in der Horten Collection hoch begehrt waren. Davor ist ein 350 Kilogramm schwerer steinerner, hundeartiger Wasserspeier des Stephansdoms und der “Versuch einer Kleintierplastik” von Flora N. Galowitz zu sehen, die ihren Hund aus Alufolie nachzuformen versuchte.

Schon der Auftakt steht exemplarisch dafür, wie man sich im Dom Museum Wien den Themen annähert: Den Grundstock (diesmal rund 40 Prozent der Exponate) bildet die eigene Sammlung, daneben versucht man – diesmal mit einer Installation von Konstanze Stoiber – in den Dialog mit dem gegenüberliegenden Stephansdom zu treten und hat auch extra Kunstwerke in Auftrag gegeben und für die Zeitgenossen-Sammlung Otto Mauer Contemporary angekauft.

“Mappe der Hundigkeit”

Mit fünf Kapiteln will man der Ambivalenz des Themas, aber auch der heutigen Auffassung von der prinzipiellen Gleichwertigkeit allen Lebens gerecht werden. In “Ambivalente Berührungspunkte” findet man u.a. ein Foto aus VALIE EXPORTS “Mappe der Hundigkeit”, das sie und den von ihr an der Leine geführten Peter Weibel ausgerechnet am Stephansplatz zeigt, neben einem klassischen Reitergemälde von Ferdinand Rauch. Im Kapitel “Gejagt, gequält, gegessen” dreht etwa Deborah Sengl den Spieß um und zeigt ein Diorama, in dem Mäuse im Labor mit menschlichen Fingern experimentieren.

Auch die folgenden Kapitel “Wandelbare Zeichen”, “Ausgestellt und eingesperrt” und “Koexistenz der Kreaturen” überraschen immer wieder – etwa, wenn Aneta Grzeszykowska für ein Foto ihrer “Domestic Animals”-Serie Hunden Menschen-Masken aufsetzt, oder man in Jan Stolkers repräsentativem Familienporträt von 1766 ein Meerschweinchen entdeckt – keine ironische Brechung, sondern zur damaligen Zeit ein begehrtes Statussymbol, wie man erfährt.

“Selbstporträt für die Katz”

Unter den prominenten Künstlern finden sich u.a. Herbert Boeckl, James Ensor und Chaïm Soutine. Maria Lassnig ist gleich zweifach in der bis 22. August 2027 zu sehenden Schau vertreten, die den Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart spannt und dabei kaum ein Medium auslässt. Das Ausstellungsplakat verwendet eine Fotografie von Graciela Iturbide, die eine mexikanische Marktfrau mit lebenden Leguanen auf dem Kopf zeigt.

In Luzia Hürzelers Video “Selbstporträt für die Katz” schleckt ihre Katze genüsslich an einer aus Katzenfutter geformten Büste der Künstlerin und verändert die Skulptur dadurch langsam, aber stetig. Das Orang-Utan-Weibchen Nonja (1976-2018), das mit ihren in Schönbrunn gemalten Bildern weltweite Bekanntheit erlangte, vermisst man allerdings in der Künstler:innenliste. Schade, eigentlich.

(S E R V I C E – “tierisch menschlich”, Ausstellung im Dom Museum Wien, Wien 1, Stephansplatz 6, 2. Oktober 2026 – 22. August 2027, Täglich 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, )