Schitter beklagt Belastung durch Regierungsmaßnahmen

10.06.2026 • 14:17 Uhr
Schitter beklagt Belastung durch Regierungsmaßnahmen

Mit Blick auf die Budgetrede hat der Vorstandsvorsitzende der Energie AG Oberösterreich, Leonhard Schitter, die Belastung durch die aktuellen Regierungsmaßnahmen beklagt. Dabei wies er am Mittwoch in Wien auf die Diskrepanz zwischen den Forderungen an die Energiewirtschaft nach einem Beitrag zur Budgetkonsolidierung einerseits und nach möglichst schnellen Investitionen andererseits hin. Die Maßnahmen “führen zu einer jährlichen Belastung von bis zu 40 Millionen Euro”.

Das entspreche rund 14 Prozent des EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuer, Anm.) 2024/25 des Unternehmens, so der Energie-AG-OÖ-Chef im Klub der Wirtschaftsjournalisten. Aus seiner Sicht verändern Sozialtarif, Industriestrompreis, Energiekrisenbeitrag, Versorgungsinfrastrukturbeitrag und die geplante Absenkung des regulatorischen Kapitalkostensatzes im Netzbereich (WACC) die Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft massiv. In den nächsten fünf Jahren werde die Energiebranche mit etwa 2,2 Milliarden Euro zusätzlich belastet.

Dies sei zusammen mit den Investitionen in Netze, Energiewende und Versorgungssicherheit zu stemmen, um die politischen und gesetzlichen Klima- und Energieziele zu erreichen. Hinzu komme noch der ständig steigende Strombedarf. “Diese Maßnahmen schränken unseren finanziellen Spielraum wirklich massiv ein”, so Schitter. Hochgerechnet bedeute dies, dass in fünf Jahren ein Investitionsvolumen von rund 200 Mio. Euro fehle. Das entspreche der Summe des aktuellen Neubaus des Wasserkraftwerks Traunfall.

Investitionen auf dem Prüfstand

Gleichzeitig habe die Energie AG in den vergangenen zwei Jahren 1,3 Mrd. Euro investiert. Bis 2035 wollte man insgesamt vier Mrd. Euro investieren. Aber mit der Budgetkonsolidierung zusammen werde sich “die Rechnung auf Dauer irgendwann nicht mehr ausgehen”, so Schitter. Daher werde jede Investition auf den Prüfstand gestellt, ob sie verschoben werden könne. Bevorzugt werde das Pumpspeicherkraftwerk Ebensee, das Kraftwerk Traunfall sowie der Ausbau von Netz und Speichern.

Zudem sollen mit einem Einsparungsprogramm Kosten gesenkt werden. Das werde aktuell mit der Belegschaftsvertretung ausgearbeitet, so der Energie-AG-Chef. Bis 2035 werde ein Drittel der aktuellen Belegschaft in Pension gehen. Es werde etwa über Nicht-Nachbesetzungen nachgedacht.

Energiepolitik ist auch Sicherheitspolitik

Trotzdem sei die Energiewende wichtig, so Schitter. Energiepolitik sei heute neben Klimapolitik auch Sicherheitspolitik. Energie werde mittlerweile als Waffe eingesetzt. “Energiepolitik muss sich über Unabhängigkeiten in Richtung Macht- und Sicherheitsfrage definieren und daher auch Teil der nationalen Sicherheitsstrategie werden”, forderte er. Die Energiewende bedeute auch Sicherheitsvorsorge. “Je mehr wir ausbauen, desto resilienter werden wir, desto unabhängiger werden wir.”

Bis 2035 will die Energie AG Oberösterreich die eigene Stromerzeugung um rund 1,2 Terawattstunden ausbauen. Man könne aber nur dann investieren, “wenn man uns auch die Mittel dafür lässt”, wiederholte Schitter seine Forderung in Richtung Politik. Große Hoffnung setze er in das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG), weil “wir hier die Schnelligkeit jetzt brauchen”.