„Man fährt durch halb Dornbirn“: Baustellen und Umleitungen sorgen für Frust

Während die Stadt die Situation als kontrolliert bezeichnet, berichten viele Bürger von längeren Fahrzeiten, Schleichverkehr und fehlenden Informationen für Anrainer.
Baustellen, Sperren und Umleitungen prägen derzeit das Bild in mehreren Teilen Dornbirns. Besonders im Bereich Rohrbach sowie rund um die Moosmahdstraße berichten viele Verkehrsteilnehmer von längeren Fahrzeiten, Ausweichverkehr und zunehmendem Frust im Alltag. Während die Stadt von notwendigen Infrastrukturmaßnahmen spricht und die Situation als kontrollierbar bezeichnet, nehmen viele Bürger die Auswirkungen mittlerweile deutlich wahr.
Keine Vorab-Information
Vor allem die Gleichzeitigkeit mehrerer Baustellen sorgt für Diskussionen. Neben der groß angelegten Umgestaltung der Moosmahdstraße führten zuletzt auch kleinere Sperren in Bereichen wie der Sandgasse oder Färbergasse zu zusätzlichen Einschränkungen. Gerade dort kritisieren manche Anrainer vor allem die Kommunikation. Mehrere Bewohner im Rohrbach berichten gegenüber der NEUE, über konkrete Sperren oder Umleitungen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft nicht aktiv informiert worden zu sein. Die Stadt verweist dagegen auf Informationen über Projektseiten, Presseaussendungen, direkte Anrainerinformationen und einen eigenen WhatsApp-Kanal zur Moosmahdstraße.

Im Zuge einer Umfrage am Dornbirner Marktplatz zeigte sich ein differenziertes Bild. Viele Bürger beschreiben die Situation als zunehmend belastend. Vor allem zu den klassischen Berufsverkehrszeiten brauche man deutlich länger durch die Stadt als noch vor einigen Jahren. Manche versuchen Stoßzeiten inzwischen bewusst zu vermeiden oder steigen vermehrt aufs Fahrrad um. Andere berichten von täglichen Umwegen, zunehmendem Schleichverkehr in Wohnquartieren und der Schwierigkeit, Baustellen und Sperren überhaupt noch nachzuvollziehen.
Gleichzeitig gibt es aber auch Stimmen, die die Bauarbeiten als notwendige Begleiterscheinung einer wachsenden Stadt betrachten. Einige Bürger sehen keine dramatische Verschlechterung der Situation und halten Infrastrukturprojekte grundsätzlich für notwendig.
Investitionen in Infrastruktur
Die Stadt selbst weist den Begriff „Verkehrschaos“ deutlich zurück. In einer ausführlichen Stellungnahme, die im Namen von Bürgermeister Markus Fäßler und Johannes Zangerl, Stadtrat für Stadtentwicklung, Stadt- und Verkehrsplanung, übermittelt wurde, heißt es: „Von einem ,Verkehrschaos‘ zu sprechen, halten wir jedenfalls für deutlich überzogen.“ Zwar komme es „in einzelnen Bereichen zu Behinderungen für den KFZ-Verkehr“, von chaotischen Zuständen sei Dornbirn aber „weit entfernt“. Formulierungen wie „Verkehrschaos“ würden eher zur Dramatisierung beitragen und Unsicherheit erzeugen.
Gleichzeitig räumt die Stadt ein, dass größere Projekte wie die Umgestaltung der Moosmahdstraße während der Bauzeit belastend seien. Begründet werden die Baustellen mit notwendigen Investitionen in die Infrastruktur. Dabei gehe es nicht nur um Straßen, sondern auch um Wasserleitungen, Kanalisation, Stromversorgung, Fernwärme und Datenleitungen. Ziel sei es, notwendige Arbeiten möglichst gebündelt umzusetzen, damit Straßen nicht mehrfach hintereinander geöffnet werden müssten.
Baustellen und Sperren würden zwischen Fachabteilungen, Unternehmen und Leitungsträgern abgestimmt. Überschneidungen ließen sich laut Stadt allerdings nicht immer vermeiden. „Mitunter lässt es sich auch nicht verhindern, dass in einem Stadtteil mehrere Baustellen zeitgleich abgewickelt werden müssen“, heißt es in der Stellungnahme.
Kommunikation
Gerade diese Argumentation sorgt jedoch bei manchen Betroffenen für Skepsis. Viele verstehen zwar die Notwendigkeit von Bauarbeiten, hinterfragen aber die konkrete Koordination. Besonders kleinere Baustellen und kurzfristige Sperren werden von einigen Bewohnern als schwer nachvollziehbar wahrgenommen. Kritisiert wird dabei weniger die Baustelle selbst als vielmehr die mangelnde Vorinformation.
Genau dieser Punkt dürfte entscheidend sein. Denn Baustellen gehören in einer wachsenden Stadt zwar zum Alltag, Akzeptanz entsteht jedoch meist nur dann, wenn Belastungen nachvollziehbar erklärt und frühzeitig kommuniziert werden. Fehlt diese Information, entsteht bei Betroffenen schnell der Eindruck mangelnder Planung oder fehlender Übersicht, selbst wenn Projekte technisch abgestimmt sind.
Im Hintergrund läuft eine verkehrspolitische Veränderung: Dornbirn wächst weiter, gleichzeitig soll sich auch das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung verändern. Das Gesamtverkehrskonzept 2025 setzt verstärkt auf Fußgänger, Radverkehr und öffentlichen Verkehr. Die Stadt verfolgt damit das Ziel, Verkehr langfristig nachhaltiger zu organisieren und Wohngebiete zu entlasten.
Masterplan
Parallel arbeitet Dornbirn derzeit an einem neuen Radverkehrskonzept sowie an einem Masterplan für Fußverkehr. Bürger können dafür aktuell selbst Problemstellen, gefährliche Bereiche oder fehlende Verbindungen melden. Die eingebrachten Hinweise sollen laut Stadt „direkt in die weiteren Planungen einfließen“. Bürgermeister Markus Fäßler erklärte dazu: „Wir wollen wissen, wo es im Alltag Verbesserungsbedarf gibt.“
Genau dort beginnt allerdings auch die politische Diskussion. Kritiker befürchten, dass bestehende Straßen und Wohnquartiere mit zusätzlichem Wohnbau und gleichzeitigen Verkehrsberuhigungen zunehmend an ihre Grenzen stoßen könnten. Vor allem im Bereich Rohrbach entstehen mehrere zusätzliche Wohnanlagen, während gleichzeitig wichtige Verkehrsachsen umgebaut oder zeitweise eingeschränkt werden.

Christoph Waibel, Stadtrat für Hochbau und Wohnungswesen, sieht die aktuelle Verkehrspolitik der Stadt kritisch. „Sie wollen weniger Verkehr, und zwar mit dem Mittel, dass sie einen stockenden Verkehr herbeiführen“, sagt er. Aus seiner Sicht werde versucht, den motorisierten Verkehr zunehmend unattraktiver zu machen, um mehr Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad zu bringen. Gleichzeitig wirft er der Stadt mangelnde Abstimmung einzelner Baustellen vor. „Ja, das halte ich sogar für möglich“, sagt Waibel auf die Frage, ob verschiedene Projekte teilweise nebeneinander laufen könnten, ohne ausreichend koordiniert zu sein.
Kritisch sieht auch Waibel die mangelnde Kommunikation rund um kleinere Baustellen und kurzfristige Sperren. Grundsätzlich fordert er eine langfristigere Verkehrsplanung mit zusätzlichen Entlastungsrouten. Dornbirn brauche „ein Miteinander von all diesen Dingen und nicht immer einen gegen den anderen ausspielen“.

Umleitungen überall
“Ich finde, dass das Verkehrsproblem in Dornbirn mittlerweile ähnlich ist wie in Lustenau. Zu den Rushhour-Zeiten, im Berufsverkehr und zu den typischen Schlagzeiten geht kaum etwas weiter. Ich versuche deshalb so gut es geht, genau diese Zeiten zu vermeiden. Ich wohne in der Nähe der Moosmahdstraße und gefühlt ist dort ständig irgendwo anders eine neue Umleitung. Wenn man irgendwohin muss, fährt man manchmal durch halb Dornbirn. Wenn ich nicht beruflich unterwegs bin, bin ich deshalb fast immer mit dem Fahrrad unterwegs.”

Baustellen zur falschen Zeit
“Ich komme zweimal in der Woche nach Dornbirn auf den Markt und die Baustellen freuen mich ehrlich gesagt nicht besonders. Es frustriert schon, weil es gefühlt immer in der warmen Jahreszeit ist, genau dann, wenn Urlaubszeit oder verlängerte Wochenenden sind. Da habe ich oft das Gefühl, dass gerade dann besonders viel aufgerissen wird. Mittlerweile habe ich mir ein paar Schleichwege gesucht, um pünktlich zur Arbeit zu kommen, was aber natürlich nicht der Sinn der Sache ist. Und wenn viele denselben Ausweichweg nehmen, wird es am Ende noch mehr blockiert als vorher. Ich habe immer in Dornbirn gearbeitet und finde, dass die Baustellen in ihrer Flexibilität nicht ganz durchdacht sind. Die Frage ist ja: Wie viele Menschen müssen wohin? Vielleicht wäre ein stärkerer Nachtbetrieb sinnvoll. Dann arbeitet man zumindest nicht mitten im Berufsverkehr.”

Wichtig ist die Erreichbarkeit
“Mich betrifft es nicht so wirklich und was nötig ist, muss man eben machen. Wichtig ist nur, dass man zu den Geschäften weiterhin gut hinkommt und seine Erledigungen ohne großen Aufwand machen kann. Bis jetzt habe ich aber nicht wirklich mitbekommen, dass es besonders schwierig wäre, dorthin zu gelangen. Im Alltag funktioniert es für mich nach wie vor gut und ich habe den Eindruck, dass man trotz der Veränderungen in der Stadt noch problemlos zu den wichtigsten Punkten kommt.”