Schöttel nach neun Jahren als ÖFB-Sportdirektor abberufen

11.09.2026 • 19:42 Uhr

Die Amtszeit von Peter Schöttel als Sportdirektor des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) ist nach knapp neun Jahren zu Ende. Den Entschluss zur Absetzung des 59-jährigen Wieners gab der ÖFB am Freitagabend nach einer Aufsichtsratssitzung am verbandseigenen Campus in Wien bekannt. Als Grund nannte der Verband in einer Aussendung “unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der künftigen strategischen Ausrichtung und Ausgestaltung der Position”.

Aufsichtsratschef Josef Pröll dankte Schöttel für seine Arbeit in den vergangenen Jahren, die “von vielen Erfolgen für den ÖFB geprägt” gewesen sei. “Ich nehme die getroffene Entscheidung zur Kenntnis”, sagte Schöttel. “Gleichzeitig möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, insbesondere der Direktion Sport, für die gute und kollegiale Zusammenarbeit in neun sehr erfolgreichen Jahren bedanken.”

Zwei EM- und eine WM-Teilnahme mit Schöttel

Schöttel hatte sein Amt im Oktober 2017 als Nachfolger von Willi Ruttensteiner angetreten. In seine Ära fallen die erste WM-Teilnahme seit 1998 sowie zwei EM-Achtelfinaleinzüge (2021 und 2024) mit dem Männer-Nationalteam. Seit der Bestellung von Ralf Rangnick zum ÖFB-Teamchef im Frühjahr 2022 liefen aber nicht mehr alle wesentlichen Entscheidungen im sportlichen Bereich über den Tisch des Ex-Nationalspielers.

Bei der WM im Sommer in Nordamerika war Schöttel vor Ort mit dabei. Sein auf der Meetingagenda vorgesehener Bericht zum Turnier samt Aus im Sechzehntelfinale gegen den späteren Weltmeister Spanien (0:3) fiel kurz aus, dafür nahm der scheidende Sportdirektor noch einmal ausführlich zu seiner gesamten Arbeit in den vergangenen Jahren Stellung und hob dabei auch seine Erfolge hervor. An seiner Abberufung änderte das nichts – der Beschluss wurde laut APA-Informationen mit drei Enthaltungen, aber ohne Gegenstimmen gefasst.

Die detaillierte, rund einstündige WM-Analyse lieferte stattdessen Rangnick ab. Zur Personalie Schöttel gab es vom Deutschen bei seiner ersten Teilnahme an einer Sitzung des höchsten Verbandsgremiums seit über zwei Jahren keine Stellungnahme. Der Nationaltrainer verließ allerdings auch das Meeting nach seiner Präsentation und war daher nicht mehr dabei, als über die Trennung von Schöttel diskutiert wurde und dem 59-Jährigen dabei unter anderem vorgeworfen wurde, sich zu wenig in den aktuell laufenden Strategieprozess einzubringen.

Prödl möglicher Nachfolger

In seinen neun Jahren im Amt hat Schöttel beim A-Team an zwei Teamchef-Bestellungen mitgewirkt. Vor Rangnick war dies 2017 bei dessen deutschem Landsmann Franco Foda der Fall. Im Frauenbereich gab Schöttel 2020 Irene Fuhrmann die Chance, die das Nationalteam 2022 ins EM-Viertelfinale führte. 2024 folgte ihr Alexander Schriebl nach, den der ÖFB zuletzt im April durch den Dänen Lars Söndergaard ersetzte. Eines der Highlights war der Vizeweltmeistertitel der männlichen U17 im Vorjahr in Katar.

Als einer der möglichen Nachfolger von Schöttel gilt Sebastian Prödl. Der Ex-Nationalspieler wurde mit Jahresbeginn 2025 – auch auf Wunsch von Rangnick nach zusätzlichem Personal in diesem sensiblen Bereich – als sportlicher Leiter der Nachwuchs-Nationalteams eingesetzt. Als dieser verantwortet der 39-Jährige unter anderem den Umgang des Verbandes mit Spielern, die ob ihrer Herkunft für mehrere verschiedene Nationen spielen dürfen.

Laut APA-Informationen soll die Entscheidung über den Schöttel-Nachfolger noch in diesem Jahr fallen. Pröll wird sich am Montag (14.00 Uhr) im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Rangnick auch seinen Kader für den anstehenden Auftakt der Nations League bekannt geben wird, über die weitere Vorgehensweise beim Sportdirektor-Posten äußern.