Schulen sollen ab Hitzewarnstufe 2 Maßnahmen setzen können

08.07.2026 • 18:05 Uhr

Die erste Hitzewelle des Jahres ist vorbei. Für Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) waren die Rekordtemperaturen im Juni allerdings ein “Weckruf”, wie er nach einem Hitzeschutzgipfel im Bildungsministerium am Mittwoch sagte. Er kündigte an, dass Schulen künftig je nach Hitzewarnstufe Maßnahmen treffen können. Außerdem werden an 50 Bundesschulen in ganz Österreich Projekte umgesetzt, um diese zu kühlen. Über eine Vorverlegung der Sommerferien wird weiter diskutiert.

Da die Schulstandorte und damit die jeweilige Belastung sehr unterschiedlich sind, sollen Schulen autonom ab Hitzewarnstufe zwei Maßnahmen setzen können, erklärte Wiederkehr. Dabei orientiert sich das Ministerium an den Warnstufen der GeoSphere Austria. Warnstufe zwei gilt ab einer gefühlten Temperatur von 30 Grad, Warnstufe drei ab 35 und Warnstufe vier ab 40 Grad. Ab Stufe zwei können körperliche Tätigkeiten wie Sportunterricht ausgesetzt und schriftliche Leistungsfeststellungen verschoben werden. Ab Stufe drei sollen eine Verkürzung der Unterrichtsstunden, längere Pausen oder ein früherer Unterrichtsschluss möglich sein.

Generelles Hitzefrei nicht vorgesehen

Eltern sollen aber die Sicherheit haben, dass Betreuung in den Schulen stattfindet, wenn der Nachmittagsunterricht ausfällt. Ab Hitzewarnstufe drei sollen Eltern ihre schulpflichtigen Kinder allerdings zuhause lassen können, wenn sie es möchten. “Es wird hier ein berechtigtes Fernbleiben ermöglicht, wenn am Standort Maßnahmen getroffen werden”, so Wiederkehr. Ab Sekundarstufe zwei soll es zusätzlich die Möglichkeit geben, dass auf Distance Learning umgestellt wird. Die gesetzlichen Grundlagen dafür müssen noch geschaffen werden, im Juni 2027 sollen sie aber bereits angewandt werden. Im Laufe dieses Sommers will Wiederkehr einen Aktionsplan ausarbeiten.

Gänzliches “Hitzefrei” ist nicht vorgesehen. Man wolle das Problem nicht an die Familien delegieren, meinte der Bildungsminister. Schließlich seien die räumlichen Bedingungen zuhause oft nicht anders als in der Schule.

Verlegung der Sommerferien wäre geringe Entlastung

Auch über eine Vorverlegung der Sommerferien wurde beim Gipfel diskutiert. Diese bringe eine geringe, aber messbare Entlastung, erklärte GeoSphere-Generaldirektor Andreas Schaffhauser. Verschiebe man die Ferien um zwei Wochen nach vorne, hätte man in der Schulzeit im Schnitt der Landeshauptstädte um 1,3 Hitzetage weniger. Gerade im Juni und Juli gebe es nämlich mehr heiße Tage. Im August und September sei das nicht so, da die Nächte dann schon länger sind. Eine Vorverlegung sei aber nur sinnvoll, wenn sie in allen Bundesländern passiert, sagte Wiederkehr. Hier würde es vertiefende Gespräche geben. Eine erste Einigung könnte es beim Treffen der Landes-Bildungsreferenten und -referentinnen im Herbst geben.

Das Geld für die Anpassung der 50 Schulen an den Klimawandel sei in den über 400 Millionen Euro inkludiert, die man jährlich für die Infrastruktur von Bundesschulen bereitstelle, sagte Wiederkehr. Dabei geht es etwa um den Einbau von Jalousien oder die Klimatisierung von besonders betroffenen Räumen, Neubauten sollen zudem jedenfalls klimafit sein. Würde man alle Schulen umbauen, würde das viele Milliarden Euro kosten. Die Anpassung könne daher nur schrittweise erfolgen.

Klimawandel als Ursache

Die Ursache für die Rekordtemperaturen liegt im Klimawandel, hielt Schaffhauser fest. Die Hitzetage und Tropennächte würden in Zukunft nur noch häufiger werden. “Wenn die Erwärmung so weitergeht, dann wird es zu Ende dieses Jahrhunderts Temperaturen geben, die um fünf Grad höher liegen, als wir sie kennen.” Aus wissenschaftlicher Sicht sei es daher wichtig, Netto-Null-Emissionen zu erreichen, um den Temperaturanstieg zu begrenzen. Wiederkehr betonte, dass der Klimawandel auch im Unterricht behandelt wird.

Grüne und Greenpeace fordern Geld für Umbau

Den Grünen fehlt bei Wiederkehrs Plan die Verbindlichkeit. Es brauche einen Zeitplan sowie eine Garantie, dass die Maßnahmen umgesetzt werden, betonte die stellvertretende Klubobfrau Sigrid Maurer in einer Presseaussendung. Sie kritisierte außerdem, dass es nur für 50 Bundesschulen bauliche Maßnahmen geben soll und, dass es kein zusätzliches Geld dafür gibt.

Auch Greenpeace forderte Budget und Ressourcen, um Schulen zu schützen. Greenpeace-Klimaexperte Marc Dengler sprach sich für Sanierungen, außen liegende Beschattung und moderne Lüftungssysteme aus. Der Hitzeschutzgipfel sei aber zumindest ein wichtiges Signal.

Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) pochte in einer Aussendung darauf, nicht auf Lehrlinge zu vergessen. Hitzeschutzmaßnahmen müssten also auch in Berufsschulen gelten. Der private Kindergartenträger “Kinder in Wien” verlangte wiederum, auch Kindergärten und Horte mitzudenken.