Schülerproteste versetzen französische Regierung in Sorge

02.10.2026 • 22:09 Uhr

Die anhaltenden und von massiver Gewalt begleiteten Schülerproteste setzen die französische Regierung zunehmend in Sorge. Bildungsminister Édouard Geffray appellierte am Freitag an die Eltern, ihre Kinder von den Blockaden abzuhalten. “Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht mehr auf der Straße sind, weil sie dort in Gefahr sind”, sagte Geffray am Freitag dem Sender BFM. Unterdessen wurden brutale Angriffe auf Sicherheitskräfte bekannt.

Bei den Protesten sind seit Montag mehr als 5.000 Menschen festgenommen worden, sagte Innenminister Laurent Nuñez am Freitag im französischen Fernsehsender TF1. Am Freitag seien 1.747 Menschen festgenommen worden, am Donnerstag 1.954. Rund 85 Prozent der Festgenommenen seien minderjährig, die meisten von ihnen Schülerinnen und Schüler, erklärte der Innenminister. Allerdings bedeute dies nicht zwangsläufig, dass die Jugendlichen auch die Schulen besuchten, in deren Nähe sie festgenommen worden seien.

Am Freitag 735 Schulen betroffen

Nach Angaben des Ministers waren am Freitag insgesamt 735 Schulen von den Protestaktionen betroffen, 30 Prozent weniger als am Vortag. Im Umfeld von 158 Einrichtungen sei es zu Ausschreitungen gekommen. Nuñez erklärte, die Sicherheitskräfte griffen bei Ausschreitungen, Sachbeschädigungen und Gewalttaten systematisch ein. Das Ausmaß der Proteste bezeichnete er als erheblich und überraschend und führte es unter anderem auf soziale Netzwerke und den Einfluss der linken Partei La France Insoumise (LFI) zurück.

In Paris brannten am Freitag nach Angaben des Bildungsministeriums die Eingangsbereiche von zwei Schulen. Im Großraum der Hauptstadt kam es an insgesamt 55 Schulen zu gewaltsamen Ausschreitungen. In Lyon wurden an zehn Schulen unter anderem Böller gezündet und Mülltonnen in Brand gesteckt. Insgesamt waren wegen der Eskalation Hunderte Schulen geschlossen geblieben.

Attacken auf Polizisten

In mindestens zwei Fällen wurden Sicherheitskräfte direkt und brutal angegriffen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall einer Polizeischülerin, die in Paris von mehreren Angreifern brutal zu Boden gestoßen worden war. In Belfort prügelten mehrere Jugendliche auf einen am Boden liegenden Polizisten ein und traten ihm gegen den Kopf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, ein 17-Jähriger wurde festgenommen. Videos beider Vorfälle verbreiteten sich in Onlinediensten.

Vor dem Pariser Gymnasium Turgot blockierten Freitagfrüh erneut zahlreiche Schüler den Eingang und forderten vorbeifahrende Autofahrer zum Hupen auf. “Wir wollen bessere Bedingungen, es fallen ständig Lehrer aus und werden nicht ersetzt”, sagte die 15-jährige Anna, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte. “Während der Hitzewelle hatten wir 37 Grad und saßen tagelang im Dunklen – und im Winter frieren wir”, beklagte sie.

Schülervertreter distanzieren sich von Gewalt

Vertreter der Gymnasiasten distanzierten sich unterdessen von der Gewalt. “Es gibt Szenen der Gewalt, die absolut widerlich sind”, sagte Nathanaël Combray von der Organisation “Renouveau Lycéen” nach einem Gespräch mit Geffray. Combray rief die Gymnasiasten dazu auf, sich verantwortungsvoll zu verhalten.

Sie sollten sich keiner Bewegung anschließen, die der eigenen Sache schade, sagte Combray mit Blick auf Unruhestifter. Louis Letoublon von der Organisation “Les Lycéens” sagte, die Taten würden nicht von Gymnasiasten, sondern von externen Personen begangen.

Bildungsminister trifft Gewerkschaften

Bildungsminister Geffray traf am Freitag mit Vertretern der Gewerkschaften zusammen. “Es ist ein Problem, dass es keine national einheitlichen Forderungen gibt”, erklärte er. Die Bewegung sei aus vielen verschiedenen Gründen entstanden. “Wir können diese Krise nicht ohne eine politische Antwort auf nationaler Ebene beenden”, sagte Gewerkschaftsvertreterin Sophie Vénétitay nach dem Treffen.

Justizminister Gérald Darmanin kündigte unterdessen an, die Eltern von Minderjährigen für die verursachten Sachbeschädigungen heranzuziehen. “Wenn Schulen und Bushaltestellen beschädigt und öffentlicher Nahverkehr zum Ziel werden, dann müssen wir künftig die Eltern in die Verantwortung nehmen”, sagte er. Der Justizminister sprach von einer “aktiven und gewaltbereiten Minderheit”, zu der vermutlich auch Nicht-Schüler zählten. Mehrere Gewerkschaften riefen für Dienstag zu Solidaritätsaktionen mit den Schülerprotesten auf.