Schwammerl-Saison 2026 startet verspätet

07.09.2026 • 10:42 Uhr
Schwammerl-Saison 2026 startet verspätet

Die Schwammerl-Saison hat 2026 zumindest im Osten Österreichs aufgrund der langen Trockenheit später als in den vergangenen Jahren begonnen. Die Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) der Gesundheit Österreich GmbH rechnet damit, dass sich die Zahl der Anfragen nach Pilzverzehr heuer deutlich nach hinten verschieben wird. Zwischen Jänner und Juli 2026 gingen bei der VIZ 120 pilzbezogene Anfragen ein. Im Vergleichszeitraum waren es 2025 rund 180 und 2024 rund 220 Anfragen.

Gesundheitsministerin Korinna Schumann appellierte in einer Aussendung am Montag daher eindringlich an alle Schwammerl-Fans: “Jedes Jahr kommt es zu schweren Vergiftungen, weil giftige Pilze mit essbaren verwechselt werden. Daher gilt: Im Zweifel lieber verzichten, als die Gesundheit aufs Spiel zu setzen.”

Besonders gefährlich sind Knollenblätterpilze. Beim Grünen Knollenblätterpilz und anderen amanitinhaltigen Pilzen treten erste Beschwerden häufig erst viele Stunden nach dem Verzehr auf, hieß es in der Mitteilung. Auf starkes Erbrechen und Durchfälle könne zunächst eine scheinbare Besserung folgen, bevor schwere Leber- und Nierenschäden auftreten. “Schon der Verzehr eines einzigen Knollenblätterpilzes reicht, um bei einem Erwachsenen ein tödliches Leberversagen zu verursachen”, warnte Dieter Genser, Experte der Vergiftungsinformationszentrale. In schweren Fällen könne eine Lebertransplantation notwendig werden.

Problematische Doppelgänger

Der Grüne Knollenblätterpilz kann unter anderem mit grünen Täublingen, dem Parasol oder anderen Lamellenpilzen verwechselt werden. Besonders junge Pilze sind schwierig zu unterscheiden. Auch andere häufig gesammelte Speisepilze haben problematische Doppelgänger: Steinpilze können mit Gallen- oder Satansröhrlingen verwechselt werden, die Magen-Darm-Beschwerden verursachen können. Raukopf-Arten wiederum können mit Eierschwammerln verwechselt werden. Nach ihrem Verzehr sind schwere Nierenschäden bis zum dialysepflichtigen Nierenversagen möglich – Beschwerden können erst nach einigen Tagen auftreten oder vor einer Nierenschädigung sogar ganz fehlen.

Die häufigsten Beschwerden nach Pilzmahlzeiten sind den Angaben zufolge Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. Nicht immer steckt dahinter ein Giftpilz: Auch verdorbene, unzureichend gegarte oder größere Mengen essbarer Pilze können Beschwerden verursachen. Kleine Kinder reagieren erfahrungsgemäß besonders häufig mit Verdauungsproblemen.

Apps und KI keine sichere Pilzbestimmung

Die VIZ warnte in der Mitteilung am Montag ausdrücklich davor, sich bei der Pilzbestimmung auf Apps, KI oder den Vergleich mit Bildern aus dem Internet zu verlassen. Wer selbst gesammelte Pilze essen möchte, sollte sich sehr gut auskennen oder die Pilze professionell bestimmen lassen. Pilzberatungen werden unter anderem von Pilzexpertinnen und -experten und vielerorts von Marktämtern angeboten.

Für das sichere Sammeln gilt außerdem: Nur eindeutig identifizierte Pilze mitnehmen, kleine und junge Exemplare besser stehen lassen, Pilze nicht in Plastiksäcken transportieren, ausreichend garen und aufgrund ihrer schweren Verdaulichkeit nur in kleineren Mengen essen.

Beim Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte umgehend die Vergiftungsinformationszentrale kontaktiert werden. Bei schweren Beschwerden ist der Notruf zu wählen.