Sinner nach Finalkrimi gegen Zverev wieder Wimbledon-Sieger

12.07.2026 • 21:40 Uhr
Sinner nach Finalkrimi gegen Zverev wieder Wimbledon-Sieger

Jannik Sinner ist die erfolgreiche Titelverteidigung beim Tennis-Grand-Slam-Turnier von Wimbledon gelungen. Der topgesetzte Südtiroler entschied beim Rasen-Klassiker am Sonntag einen Viersatzkrimi gegen den als Nummer zwei gesetzten Deutschen Alexander Zverev nach 3:46 Stunden mit 6:7(7),7:6(2),6:3,6:4 für sich. Für den Weltranglistenersten war es der fünfte Triumph bei einem Majorevent, Zverev blieb nach seinem Premierenerfolg in Paris ein zweiter Titel in Folge verwehrt.

Sinner darf sich damit wie bei den Australian Open (2024, 2025) zweifacher Titelträger nennen. Zudem war er 2024 bei den US Open erfolgreich. Finalniederlagen auf Majorebene hatte er nur 2025 bei den US Open und in Paris kassiert. Gegen den 29-jährigen Zverev war es der elfte Sieg im 15. direkten Duell, seit dem US-Open-Achtelfinale 2023 siegte der Italiener zehnmal in Folge. Der jüngste Matchsieg im ersten Aufeinandertreffen auf Rasen führte zum 30. Karrieretitel für den 24-Jährigen. Dreimal durfte er bei Rasenturnieren den Pokal in die Höhe stemmen.

Sinner sehr glücklich über Sieg und Level

“Wir waren gut vorbereitet und sind beide gut gestartet, haben sehr schnell und gut serviert. Beide haben versucht alles zu geben, ich bin sehr glücklich über den Sieg, aber auch das Level, auf dem wir gespielt haben. Es war ein tolles Finale”, resümierte Sinner im Siegerinterview auf dem Platz. Er ist der zehnte Spieler, der in Wimbledon zweimal hintereinander erfolgreich war. Der neuerliche Titelgewinn sei “sehr speziell” und fühle sich “unglaublich” an.

Zverev gab sich als fairer Verlierer. “Das Match hat leider nicht den gewünschten Ausgang genommen, aber er hat einmal mehr gezeigt, warum er der beste Spieler der Welt ist”, sagte der Deutsche. Sein Resümee fiel nach “zwei unglaublichen Wochen” trotzdem positiv aus. “Ich hatte hier nie das Viertelfinale erreicht und habe jetzt mein erstes Finale gespielt. Mit 29 kann ich jetzt endlich daran glauben, auch hier in Wimbledon den Titel gewinnen zu können.” Lob gab es für ihn auch von Sinner. “Wenn du weiter so spielst, wirst du diesen Titel auch gewinnen. Du bist nahe dran an der Nummer eins der Welt, ich muss aufpassen.”

Starke Aufschläger auf beiden Seiten

Das Match im Center Court an der Church Road war geprägt von extrem stabiler Aufschlagleistung auf beiden Seiten. Bei 4:3 fand Sinner den einzigen Breakball im ersten Satz vor, konnte diesen aber nicht nutzen. Somit musste das Tiebreak entscheiden, in dem sich Zverev mit einem Vorhand-Winner zum 9:7 nach etwas mehr als einer Stunde die Satzführung erkämpfte. Es war der einzige Punkt in der “Verlängerung”, bei dem nicht der Aufschläger erfolgreich war. Zuvor hatte Zverev bei 6:5 einen Satzball vergeben und bei 6:7 einen von Sinner mit einem Ass abgewehrt.

Im zweiten Durchgang gab es bei keinem Service-Game eine Breakmöglichkeit. Im Tiebreak packte Sinner sein bestes Tennis aus, brachte neben starken Aufschlägen auch jeden Return ins Feld und verwertete gleich seinen ersten Satzball zum 7:2. In Satz Nummer drei spielte sich das Geschehen schon fast nur noch im Schatten ab, Sinners Spiel kam die leicht zurückgegangene Temperatur entgegen. Bei 3:3 musste er allerdings eine Breakchance abwehren. Dabei rutschte Zverev nach einem Stopp von Sinner aus, fiel zu Boden und griff sich auf das rechte Knie. Sinner kam auf die andere Seite, um seinem Gegner aufzuhelfen.

Zverev konnte weitermachen, geriet aber mit 3:4 in Rückstand und musste in der Folge auch seinen Aufschlag erstmals abgeben. Sinner rutschte beim Breakball zwar zuerst aus, stand aber gleich wieder auf und entschied eine Rallye für sich. Zverev warf vor Ärger den Schläger weg. Sinner machte mit vier Punkten in Folge, zum Abschluss sein 14. Ass, den Satz zu. Zverev verließ den Platz, um sich zu sammeln, und war danach wieder deutlich stärker und stabiler. Mitte des Satzes gelang dem Favoriten trotzdem die Vorentscheidung.

Sinner verwertete ersten Matchball

French-Open-Sieger Zverev, der zuvor im All England Club in London nie weiter als ins Achtelfinale gekommen war, konnte beim Stand von 3:3 mit starken Aufschlägen zwei Breakbälle noch abwehren, war gegen eine starke Vorhand bei der dritten Möglichkeit aber machtlos. Diesen Vorteil ließ sich Sinner nicht mehr nehmen, er erarbeitete sich beim sehenswertesten Ballwechsel im gesamten Spiel den ersten Matchball und beendete damit die Partie. Sinner zeigte vor, dass man das Rasen-Highlight gewinnen kann, ohne vorher bei einem Event auf diesem Untergrund angetreten zu sein.

Michael Stich, der vor 35 Jahren triumphierte, bleibt der letzte deutsche Wimbledon-Sieger. Für Zverev war es die vierte Major-Finalniederlage nach den US Open 2020 (gegen Dominic Thiem), Paris 2024 und Australian Open 2025.