Spezialmotorenbauer Steyr Motors rutscht in die Verlustzone

Der oberösterreichische Motorenbauer Steyr Motors hat im ersten Halbjahr 2026 einen massiven Ergebnisrückgang verzeichnet. Wie das börsennotierte Unternehmen am Mittwoch veröffentlichte, drehte das Nettoergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von plus 2,4 Mio. Euro auf einen Fehlbetrag von 1,2 Mio. Euro. Der Umsatz blieb mit 22,8 Mio. Euro nahezu stabil. Als Hauptgrund wurden verzögerte internationale Rüstungsprojekte genannt.
Operativ verzeichnete das Unternehmen einen unbereinigten EBIT-Verlust von 1,1 Mio. Euro (1. Halbjahr 2025: Gewinn von 3,4 Mio. Euro). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) rutschte mit minus 275.000 Euro ebenfalls in die Verlustzone, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein operativer Gewinn von 3,9 Mio. Euro erzielt worden war. Um ein positives, bereinigtes EBIT von 0,1 Mio. Euro auszuweisen, nahm der Vorstand Sondereffekte von insgesamt 1,14 Mio. Euro aus der Wertung. Darunter fallen Restrukturierungsaufwendungen und Einmalaufwendungen beim Personal, Rechts- und Beratungskosten, Kosten für Mitarbeiter-Aktienoptionen sowie transaktionsbezogene Aufwendungen für die Akquisition des dänischen Herstellers BUKH.
Deutlich weniger liquide Mittel
Die liquiden Mittel schrumpften binnen sechs Monaten von 7,3 Mio. Euro zum Jahreswechsel auf nur noch 300.000 Euro per Ende Juni. Ausschlaggebend war ein stark negativer operativer Cashflow von minus 4,7 Mio. Euro. Das Kapital wird vor allem durch den massiven Aufbau von Vorräten gebunden, die von 17,1 Mio. auf 26,4 Mio. Euro anstiegen. Darin enthalten sind BUKH-Vorräte im Wert von 5,5 Mio. Euro sowie Roh- und Betriebsstoffe. Die Bankverbindlichkeiten stiegen von null auf 5,7 Mio. Euro. Zugleich erhöhten sich die Verbindlichkeiten aus Reverse Factoring von 8,3 auf 9,9 Mio. Euro.
Die Umsatzentwicklung zeigt ein starkes Auseinanderdriften der Geschäftsbereiche: Das Militärgeschäft brach um 30,2 Prozent auf 9,4 Mio. Euro ein. Als Gegengewicht erwies sich das zivile Marine-Segment, das auch dank der Erstkonsolidierung der dänischen BUKH ab dem zweiten Quartal um 38,5 Prozent auf 13,4 Mio. Euro wuchs. BUKH steuerte seit April 1,87 Mio. Euro zum Konzernumsatz bei. Die Gesamtbelegschaft des Konzerns stieg im Zuge von Kapazitätsaufbauten und der Übernahme der BUKH (mit 16 Beschäftigten) von 121 auf 151 Vollzeitäquivalente (FTE).
Ziele verschoben, nicht aufgehoben
Trotz des schwachen Halbjahres hält der Vorstand an der am Montag gesenkten Jahresprognose 2026 fest. Erwartet wird ein Umsatz von 56 bis 61 Mio. Euro bei einer operativen EBIT-Marge von 8 bis 12 Prozent. Die bisherigen ehrgeizigen Mittelfristziele für 2027 (140 Mio. Euro Umsatz, 40 Mio. Euro EBIT) wurden hingegen offiziell verworfen und voraussichtlich um ein bis zwei Jahre auf spätestens 2029 verschoben.
Laut Finanzvorstand Björn Krausmann betreffen diese zeitlichen Verzögerungen unter anderem das Kampfpanzerprojekt für das polnische Verteidigungsministerium, ein Motorenprojekt für Siemens-Lokomotiven in Skandinavien sowie ein Engineering-Projekt in Indien. Hoffnung schöpft das Management aus dem Auftragsbestand von über 310 Mio. Euro bis 2030. Dieser beinhaltet das Rahmenabkommen mit dem deutsch-französischen Rüstungskonzern zur APU-Lieferung (Auxiliary Power Units, Anm.) für rund 500 Leopard-2-Panzer bis 2034 sowie Projekte wie die Ausschreibung der US Navy für 474 Boote, die auf Steyr-Motors-Motoren spezifiziert ist, und 1.000 Militärfahrzeuge eines spanischen Kunden.
Auf das Übernahmeinteresse des US-Konzerns Red Cat angesprochen, erklärte CEO Julian Cassutti im “Earnings Call”, dass die Gespräche mit dem US-Drohnenentwickler Red Cat zwar abgebrochen worden seien – das Interesse zeige jedoch die strategische Attraktivität der technologischen Nischenposition.