Spielsüchtiger nach Überfällen auf Stamm-Wettlokal vor Kadi

Nach zwei bewaffneten und von äußerster Brutalität getragenen Raubüberfällen auf sein Stamm-Wettlokal in Wien-Ottakring ist am Dienstag gegen einen 40-jährigen Mann am Landesgericht verhandelt worden. Der Angeklagte war geständig und gab vor, sich für das Vorgefallene zu genieren. Als Motiv für die Taten nannte er seine Spielsucht und “Wut auf das Wettlokal”, in dem er bei Sportwetten über 17.000 Euro verloren hätte, wobei er seiner Ehefrau die Verluste verheimlicht hatte.
Er sei an sich “nicht so ein Mensch”, verwies der Serien-Räuber zu Beginn der Verhandlung auf seine bisherige Unbescholtenheit: “Wenn ich nicht diese blöde Glücksspielleidenschaft gehabt hätte, würde ich das nie tun.” Der 40-Jährige hatte vor allem auf Sportwetten gesetzt: “Die letzten acht, neun Monate waren ein Horror. Ich habe so viel Geld verloren. Ich war in so einer Ausweglosigkeit, dass ich durchgedreht bin.” Als sich zu Hause unbezahlte Miet- und Stromrechnungen ansammelten, sei er “in Panik” gekommen: “Ich habe mir gedacht, die einzige Möglichkeit ist, von diesem Büro das Geld zurückzuholen.”
Am 1. März 2026 marschierte der Mann mit einem Messer mit einer 30 Zentimeter langen Klinge zum Wettlokal, wobei er sich mit einem übers Gesicht gezogenen Tuch und einem Hoodie samt Kapuze maskiert hatte. Da er die Örtlichkeit kannte, drängte er sogleich nach dem Eintreten eine Reinigungskraft in den Raum, in dem sich der Tresor befand, und forderte den Schlüssel zum Tresor.
Räuber fügte Opfer Schnittwunden am Hals zu
Überwachungskameras dokumentierten, mit welcher Brutalität er gegen die Frau vorging. Die Aufnahmen wurden im Gerichtssaal abgespielt und schockierten Prozessbeteiligte. Darauf war zu sehen, wie der Räuber die ihm körperlich signifikant unterlegene 52-Jährige zu Boden brachte, sie mit dem angesetzten Messer bedrohte, ihr auch oberflächliche Schnittwunden am Hals zufügte. Mit mitgebrachten Klebebändern “verschnürte er sie wie ein Paket”, wie der Richter anmerkte, wobei er mit den Füßen auf die in Bauchlage befindliche 52-Jährige stieg und sie sodann meterweise durch den Raum schleifte. Er schlug ihr auch ins Gesicht, fesselte sie an Armen und Beinen und verklebte ihr weiters den Mund.
Aus dem Tresor nahm er 12.580 Euro an sich. Dann flüchtete er, ohne sich weiter um das hilflose Opfer zu kümmern. Von der Beute bezahlte er nicht die offenen Rechnungen, sondern setzte wieder auf Sportwetten.
Offenbar ohne Erfolg, denn am 1. Mai ging er wiederum maskiert und mit einem anderen Messer bewaffnet in dasselbe Wettlokal und bedrohte diesmal einen 29-jährigen Mitarbeiter, den er dazu zwang, den Tresor zu öffnen. Er entnahm das Geld und fesselte den jungen Mann, der bis heute an den psychischen Folgen der Tat leidet. Weit kam der Räuber diesmal nicht. Als er ins Freie trat, wurde er von der Polizei angehalten, wobei er sich dabei derart aufhältig verhielt, dass er kontrolliert wurde. Aufgrund des sichergestellten Messers, der Maskierung und der in einem Rucksack befindlichen Beute wurde er festgenommen.
Um abzuklären, ob bei dem überfallenen 29-Jährigen eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegt, lässt das Gericht ein psychiatrisches Gutachten einholen. Sollte dies der Fall sein, würde sich der Strafrahmen auf bis zu 20 Jahre Haft erhöhen. Die Verhandlung wurde daher auf unbestimmte Zeit vertagt.