Stadt Salzburg will fünf weitere Nazi-Straßen umbenennen

18.07.2026 • 09:57 Uhr
Stadt Salzburg will fünf weitere Nazi-Straßen umbenennen

Die Stadt Salzburg will bis 2028 schrittweise fünf weitere nach NS-Tätern oder NS-Profiteuren benannte Straßen umbenennen. Anrainer der betroffenen Adressen haben dieser Tage ein Schreiben der Stadt erhalten. Ein aktueller Amtsbericht der Stadt gibt den Fahrplan vor und nennt konkrete Namen. Er muss aber noch im Gemeinderat beschlossen werden. Eine Mehrheit aus den Stadtregierungsparteien SPÖ, KPÖ und grüner Bürgerliste gilt als gesichert.

Nach langen Debatten – und neuen politischen Mehrheiten nach der Gemeinderatswahl 2024 – wurde erstmals im April 2025 ein belasteter Straßenname in Salzburg geändert. Die knapp 100 Meter lange Heinrich-Damisch-Straße im Stadtteil Parsch heißt seitdem offiziell Helene-Thimig-Straße. Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) sagte damals, dass weitere Umbenennungen anstehen, man aber nicht mehr als einen bis zwei Straßennamen pro Jahr ändern werde. Die Stadt übernimmt für Anrainerinnen und Anrainer etwaige Kosten, die durch Adressänderungen oder neue Autobeschriftungen entstehen.

Grundlage für die Abkehr von NS-belasteten Namen ist der 1.100 Seiten starke Abschlussbericht einer Historikerkommission aus dem Jahr 2021. Drei Jahre lang wurden zuvor die Rollen von 66 “braunen” Straßennamenspaten aufgearbeitet. Bei 13 Personen waren die Verstrickungen mit dem NS-Regime so gravierend, dass die Politik auch eine Umbenennung in Erwägung ziehen sollte, befand die Kommission.

Bei den Straßenumbenennungen sollen Frauen zum Zug kommen

Im Dezember 2026 soll nun die Josef-Thorak-Straße in Helene-von-Taussig-Straße umbenannt werden. Der Bildhauer gilt als Karrierist und Nutznießer des NS-Regimes, die Malerin von Taussig wurde 1942 von den Nazis ermordet. Im Mai 2027 steht dann die Hans-Pfitzner-Straße am Plan. Sie soll künftig Anna-Reindl-Straße heißen – benannt nach der Leiterin einer illegalen Frauengruppe, die etwa Flugblätter gegen Krieg und Faschismus verteilte und die in Auschwitz getötet wurde.

Im Oktober 2027 wechselt die Erich-Schenk-Straße ihren Namen. Der Musikhistoriker galt als ausgeprägter Antisemit. An seiner Stelle soll künftig an die ebenfalls im KZ ermordete Elsa Bienenfeld erinnert werden, eine Musikwissenschafterin mit jüdischen Wurzeln. Im März 2028 folgt die nach dem Bildhauer und frühen NSDAP-Mitglied Gustaf Resatz benannte Resatzstraße. Künftig soll die jüdische Malerin Irma Rafaela Toledo geehrt werden. In der zweiten Jahreshälfte 2028 soll noch die Erich-Landgrebe-Straße folgen und dann nach der Lyrikerin Maria Johanna Sedelmaier benannt werden.

Weitere prominente Kandidaten noch offen

Schon 2013 hatte Salzburg beschlossen, bei Straßenumbenennungen Frauen zu bevorzugen. In Salzburg sind nur vier Prozent aller Verkehrsflächen nach Frauen benannt. Zudem seien Opfer des Nationalsozialismus und Personen, die im Widerstand tätig waren, besonders zu berücksichtigen.

Unter den noch verbleibenden sieben “hoch belasteten” Personen im Historikerbericht finden sich übrigens sehr prominente Namenspaten – etwa der Dirigent Herbert von Karajan, der Automobilkonstrukteur Ferdinand Porsche und der Gründer des Salzburger Adventsingens, Tobias Reiser. In ihren Fällen dürften Umbenennungen mit heftigen politischen Diskussionen verbunden sein.