Stadt Wien setzt nach Asbestfunden Sofortmaßnahmen

Die Stadt Wien setzt nach Funden von asbesthaltigem Gesteinsmaterial in einzelnen Straßenabschnitten Sofortmaßnahmen. Das teilte die Magistratsabteilung (MA) 28 für Straßenverwaltung und Straßenbau am Freitag per Aussendung mit. Die betroffenen Bereiche werden vorsorglich mit einem Asphaltüberzug beziehungsweise einer Deckschicht versiegelt. Unabhängige Laboruntersuchungen hatten demnach Hinweise der Umwelt-NGO Greenpeace auf Asbestfunde in Straßenbelägen bestätigt.
Der Nachweis erlaube noch keine Aussage über eine konkrete Gesundheitsgefährdung. Entscheidend sei, ob und in welchem Ausmaß Asbestfasern tatsächlich freigesetzt werden können, hieß es von der MA 28 weiter. Die vorsorglichen Maßnahmen sollen eine dauerhafte Bindung des asbesthaltigen Materials sicherstellen.
Verdacht im Südwesten Wiens bestätigt
Konkret sei der Verdacht in der Anton-Freunschlag-Gasse, Bertégasse, Wernergasse und Stieglergasse in Wien-Liesing, sowie in der Rosenhügelstraße, die sich von Meidling über Hietzing bis nach Liesing zieht, bestätigt worden.
Die betroffenen Bereiche werden nun mit einem Asphaltüberzug beziehungsweise einer Deckschicht versiegelt, wie die MA 28 mitteilte. “Das ist die schnellste, sicherste und wirksamste Methode, um rasch einen effektiven Schutz zu gewährleisten”, wurde der stellvertretende Abteilungsleiter der MA 28, Wolfgang Ablinger, in der Aussendung zitiert. Eine Versiegelung sei in kurzer Zeit umsetzbar, das asbesthaltige Material werde überdeckt und eingeschlossen, eine Freisetzung von Asbestfasern unterbunden. Die Deckschicht verhindere unmittelbar einen möglichen Kontakt mit Asbestfasern.
Anders als beim Versiegeln der Oberfläche, bestehe beim Fräsen, Aufgraben und Abtragen des Asphalts die Möglichkeit der Freisetzung von Fasern. Hans-Peter Hutter, Leiter der Abteilung Umwelthygiene und Umweltmedizin der MedUni Wien, sagte dazu: “Aus umweltmedizinischer Sicht ist entscheidend, ob Asbestfasern tatsächlich freigesetzt und eingeatmet werden können.” Werde asbesthaltiges Material fest in einer Asphaltoberfläche gebunden, sei das Risiko einer Faserfreisetzung im Grunde sehr klein. “Das Vorhandensein von asbesthaltigem Gestein in einem Straßenbelag ist daher nicht automatisch mit einer Gesundheitsgefährdung gleichzusetzen. Dennoch ist aus Vorsorgegründen das Versiegeln mit einer neuen Deckschicht eine sinnvolle Maßnahme, um auch geringe Risiken zu minimieren.”
Weitere Proben entnommen
Für weitere gemeldete auffällige Flächen wurden bereits Probenahmen und Laboruntersuchungen veranlasst. Die Ergebnisse lagen noch nicht vor.
Alle Hinweise auf auffällige Flächen im öffentlichen Straßenraum werden systematisch überprüft und bewertet, die Stadt Wien stehe weiterhin in engem Austausch mit Greenpeace. Darüber hinaus überprüfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MA 28 den Straßenraum laufend auf auffällige Straßenabschnitte, teilte die Stadt mit. Wo Auffälligkeiten festgestellt werden, würden weitere Schritte eingeleitet und gegebenenfalls Bereiche versiegelt, um eine etwaige Freisetzung von Asbestfasern sofort zu unterbinden.
Nach derzeitigem Kenntnisstand handle es sich bei den bisher bekannten Straßenabschnitten überwiegend um kleinflächige Bereiche, die im Zuge von Aufgrabungen oder lokalen Instandsetzungsmaßnahmen in den Straßenbelag eingebaut wurden.
Register für nachgewiesene Asbestfälle
Die Stadt Wien erarbeite zudem mit Fachleuten an langfristigen Lösungen für den fachgerechten Umgang mit derart versiegelten Straßenbelägen. So solle sichergestellt werden, dass es ein klares Prozedere gibt, um künftig asbesthaltigen Asphalt auszubauen und entsorgen zu können.
Alle Straßenabschnitte im öffentlichen Straßenraum Wiens, wo Asbest nachgewiesen wurde, würden zudem in einem Register vermerkt. Aufgrabungen und Umbauarbeiten seien dann nur noch unter klar vorgegebenen Bedingungen möglich, die die Freisetzung von Asbestfasern in die Luft verhindern.
Kontrollen verschärft
Bei jedem Straßenbauprojekt der MA 28, bei dem ein Straßenaufbruch erfolgt, werde im Rahmen der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen der bestehende Straßenkörper nun auf das Vorhandensein von Asbest hin untersucht.
Die MA 28 bezieht das für Bauvorhaben benötigte Gesteinsmaterial grundsätzlich von Steinbrüchen aus Niederösterreich im Großraum Wien. Bei aktuellen Bauvorhaben der MA 28 komme kein asbesthaltiges Gesteinsmaterial zum Einsatz; der Einbau derartiger Materialien könne ausgeschlossen werden. Ungeachtet dessen habe die MA 28 ihre Kontrollmaßnahmen im Bereich der Materialprüfung sowie der Bauüberwachung umgehend verstärkt.
Greenpeace fordert Entsorgungsmöglichkeiten
Anfang Juli hatte Greenpeace in mehreren Straßen Wiens in der Asphaltoberfläche Asbest-Einschlüsse festgestellt und diese Informationen der Stadt übergeben. Insgesamt habe die Umweltorganisation 40 Verdachtsflächen in elf Wiener Bezirken weitergemeldet, teilte Greenpeace in einer Aussendung mit. Die Organisation begrüßte darin die Sofortmaßnahmen der Stadt.
Kritik gab es am Vorgehen nach Asbestfunden im Burgenland. Von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) forderte Greenpeace, eine günstige Entsorgungsmöglichkeit für Asbest zu schaffen und Hilfsgelder für vom “Asbest-Skandal” betroffene Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen bereitzustellen.