Stahlbau beklagt “verzerrte Ökobilanzen” bei Baustoff Holz

Der heimische Stahlbauverband sieht sich gegenüber dem Baustoff Holz benachteiligt und kritisiert gegenüber der APA hierzulande “verzerrte Ökobilanzen”, die Konstruktionen aus dem nachwachsenden Rohstoff fälschlicherweise bevorzugen würden. Der Vorstoß kommt angesichts einer in Erarbeitung befindlichen Bautechnikregel zur Nutzung nachhaltiger Ressourcen (OIB-Richtlinie 7), die später in Landesrecht zu gießen ist. Sie definiert, welche Bauweisen als klimafreundlich gelten.
Mit der Richtlinie (“Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen”) soll das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial (GWP) von Neubauten verpflichtend ausgewiesen werden müssen. Bewertet wird die Klimawirkung über den gesamten Lebenszyklus. “In Österreich wurde lange keine sachgerechte Bewertung vorgenommen, sondern nationales ‘Holz-Golden-Plating’, das die CO2-Bilanz des Holzbaus einseitig begünstigte”, kritisiert der Stahlbauverband.
Dieser spricht auch davon, dass die heimischen Wälder laut Treibhausgasinventur 2025 “von der CO2- Senke zur CO2-Quelle geworden” seien. Grund dafür seien hohe Einschlagmengen und viel Schadholz. Der Sektor weise acht Millionen Tonnen zusätzliche CO2-Emissionen aus, Österreich müsse aber jährlich zumindest 4,66 Mio. Tonnen binden, besagten EU-Vorgaben. So drohe ein Vertragsverletzungsverfahren, monieren die Stahlbauer. Österreich nutze seinen Wald “am Limit”, untermauert der Verband mit diversen anderen Daten.
Stahlbau-Lobby: “Irreführende Teilbilanzen”
Zudem würden nur zehn Prozent der Holzmengen samt Importen “in langlebige Produkte wie den Holzbau” fließen. “Vor diesem Hintergrund relativiert sich die häufig dargestellte CO2-Negativbilanz deutlich.” Der “Eindruck einer klimapositiven Wirkung” sei nur deshalb entstanden, weil in der CO2-Bilanzierung Transport zur Baustelle, Montage sowie Rückbau und Lebensende des Baustoffs mit Downcycling “unberücksichtigt blieben”. “Je stärker Holz industriell veredelt wird, desto mehr ähnelt es einem Verbundwerkstoff – und desto komplexer und klimaschädlicher wird seine Entsorgung.”
Fazit der Stahlbau-Lobby: “Bei Holz wurde bisher lediglich die Herstellungsphase berücksichtigt – also von der Wachstumsphase im Wald bis zur Verarbeitung im Werk. Mit der OIB-Richtlinie 7 besteht jetzt die Chance, eine echte Lebenszyklusbetrachtung, statt irreführender Teilbilanzen zu verankern.” Stahlbauverband-Geschäftsführer Georg Matzner: “Wenn wir Bauweisen seriös und fair vergleichen wollen, dann nur über den gesamten Lebenszyklus.” Alles andere öffne Tür und Tor für Fehlanreize.
Auch die Anrechnung temporärer CO2-Speicher als dauerhafte Reduktion lehnt Matzner ab. “Klimawirkung ist nur inklusive End-of-Life korrekt darstellbar.”
Treibhausgaspotenzial “GWP”
Der Stahlbauverband mit seinen rund 100 Mitgliedern will einen einheitlichen, kumulierten GWP-Wert im Energieausweis – statt mehrerer Teilwerte. Dieser Wert (“Global Warming Potential”) beschreibt das Treibhauspotenzial eines Gases im Vergleich zu Kohlendioxid (CO2). “Dabei sollten insbesondere fossile Emissionen nicht mehr verschleiert werden.” Klimaschutz im Bauwesen dürfe kein Materialwettbewerb “mit verzerrten Regeln” sein.
Die OIB-Richtlinie 7 soll ab 2026 ausgearbeitet und begutachtet, 2027 beschlossen und ab 2028/2030 schrittweise verpflichtend angewendet werden. Ab 2030 sind zudem Zielvorgaben und Grenzwerte für das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial vorgesehen.