Streit um Meeresschutzparks zwischen Athen und Ankara

Die Einrichtung von Meeresschutzparks sorgt weiter für Zwist zwischen Griechenland und der Türkei. Hellas hatte im Juli 2025 zwei Meeresparks im Ionischen und im Ägäischen Meer ausgerufen. Nun zog die Türkei mit zwei eigenen marinen Schutzgebieten nach. Athen protestiert und argumentiert, diese würden türkische Hoheitsgewässer überschreiten und zielten darauf, die Ägäis zu zerteilen. Innenpolitisch fordert die griechische Opposition aber eine schärfere Reaktion der Regierung.
Mit Präsidialdekreten hat die Türkei Mitte August zwei “nationale Meeresparks” im nordöstlichen Ägäischen Meer und im östlichen Mittelmeer ausgewiesen. Ein Meeresschutzpark ist ein gesetzlich abgegrenzter Teil des Meeres oder der Küste. Diese Zonen dienen unter anderem dem Schutz bedrohter Arten, dem Erhalt der biologischen Vielfalt und der Erholung überfischter Bestände.
Ihre Grenzen reichen laut Medienberichten über die türkischen Hoheitsgewässer hinaus. Ein Schutzgebiet erstreckt sich zwischen den griechischen Inseln Limnos und Samothraki. Es wird nahe der türkischen Küste bei der Stadt Çanakkale abgegrenzt und schließt an die Inseln Imbros und Tenedos an, während das zweite in Seegebieten liegt, die von Ankara anhand eines aus Sicht Athens rechtswidrigen türkisch-libyschen Memorandums verwaltet werden. Es reiche von Fethiye in der Provinz Muğla bis nach Kaş in der Provinz Antalya, berichtete etwa “Euronews”. Damit werde etwa das Eiland Kastelorizo faktisch von den übrigen Dodekanes-Inseln abgeschnitten.
Athen stuft türkische Schutzzonen als rechtswidrig ein
Das griechische Außenministerium erklärte in Folge, die erfolgte Ausweisung türkischer “nationaler Meeresparks” in Gebieten außerhalb der türkischen Hoheitsgewässer entfalte keinerlei Rechtswirkung und könne keine Fakten schaffen. In ihrer Erklärung stufte die Regierung in Athen die Einrichtung dieser Parks als rechtswidrig ein, soweit sie internationale Gewässer umfassen. Zugleich betonte Athen, dass die türkischen Meeresparks auch dort rechtswidrig seien, wo sie in die griechische Festlandsockelzone hineinreichen.
Das griechische Außenamt stellte den Schritt Ankaras der eigenen Initiative zur Schaffung nationaler Meeresparks im Ionischen Meer und in der Ägäis gegenüber und betonte, Griechenland habe seine Schutzgebiete in voller Übereinstimmung mit dem Seerechtsübereinkommen und ausschließlich innerhalb der eigenen Hoheitsgewässer eingerichtet. Es wurde zudem davor gewarnt, das Völkerrecht zu verletzen und die griechisch-türkischen Beziehungen zu belasten: “Solche Schritte tragen nicht dazu bei, ein Klima guter Nachbarschaft zu festigen, und untergraben ernsthaft die Bemühungen, Beziehungen gegenseitigen Verständnisses zwischen beiden Ländern zu bewahren”.
Opposition kritisiert Mitsotakis-Regierung – Außenminister kontert
Abschließend hieß es, Griechenland werde weiterhin “mit Konsequenz und Entschlossenheit” handeln, um seine souveränen Rechte zu schützen. Dennoch kam von der Opposition Kritik am Vorgehen der konservativen Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis (Nea Dimokratia/ND). Sowohl vom linken als auch vom rechtsnationalen Lager wurden die Reaktionen als zu milde eingestuft.
Außenminister Giorgos Gerapetritis wies die Kritik in einem Interview mit der Athener Nachrichtenagentur ANA-MPA zurück. Allerdings sei der Versuch Athens, eine “Politik der ruhigen Gewässer” in den griechisch-türkischen Beziehungen zu verfolgen, ein “Instrument zur Verfolgung der nationalen Ziele Griechenlands”, wie der ND-Politiker formulierte. Die über die vergangenen Jahre verfolgte Strategie einer Deeskalation habe es Athen ermöglicht, “Krisen einzudämmen, die Wirtschaft zu stärken, die Streitkräfte entscheidend zu modernisieren und die diplomatische Präsenz des Landes auszubauen.”
Jahrzehntelange Spannungen
Zwischen den NATO-Partnern Griechenland und der Türkei gibt es seit Jahrzehnten Spannungen. Konflikte bestehen insbesondere über Seegrenzen, Luftraumkontrolle und Energiequellen im östlichen Mittelmeer. Jüngst sorgte die in der Türkei geplante Verabschiedung eines Gesetzes zur sogenannten “Blauen Heimat” (Türkisch: Mavi Vatan) in Athen für Aufregung und Besorgnis. Es handelt sich um einen von Ankara geplanten Rechtsrahmen, der die maritime Expansions- und Sicherheitsdoktrin des Landes festschreiben soll. Die Strategie beansprucht große Teile des Schwarzen Meeres, der Ägäis und des östlichen Mittelmeers.
Ein prägendes Ereignis war die Zypernkrise 1974, die die Beziehungen dauerhaft belastete. Seitdem kommt es immer wieder zu Spannungen und militärischen Drohgebärden, insbesondere in der Ägäis. In den vergangenen Jahren haben beide Länder ihre Verteidigungsausgaben erhöht und ihre Streitkräfte modernisiert, was die gegenseitige Wahrnehmung von Bedrohung verstärkt.