Styriarte will Verkauf des Palais Attems verhindern

23.10.2026 • 13:58 Uhr
Styriarte will Verkauf des Palais Attems verhindern

Styriarte-Intendant Mathis Huber und Servicechefin Katharina Schellnegger haben am Freitag bei einer Pressekonferenz vor einem Verkauf des historischen Palais Attems, in dem die styriarte eingemietet ist, gewarnt. Das Land Steiermark als Eigentümer ist für die Instandhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes in der Grazer Sackstraße verantwortlich. Im Budgetentwurf sei offenbar ein Verkauf vorgesehen, davon weiß man aber im Büro von Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) nichts.

Seit einigen Tagen kursierten Gerüchte in Medien, wonach das Palais zur Budgetsanierung verkauft werden soll. Das rief Huber und Schellnegger auf den Plan. Schellnegger, selbst Kunsthistorikerin, unterstrich die Bedeutung des Palais: “Es wurde nie umgebaut und befindet sich im barocken Urzustand.” Das sei einzigartig in Österreich und wohl eines der schönsten Barock-Juwele des Landes. Sie und Huber wissen, dass Investitionen notwendig sind, um die Räumlichkeiten für mehr Veranstaltungen zu öffnen, etwa ist derzeit keine Barrierefreiheit gegeben. Doch es könnten auch Erlöse erzielt werden. “Wenn es einmal weg ist, ist das vorbei. Das ist der größte Fehler an dem Plan”, warnte Schellnegger. Huber sagte: “Wir sind überzeugt, dass es nicht der Rettungsanker des steirischen Budgets ist.”

Einschränkungen durch Denkmalschutz

Für 2027 seien die von der styriarte gemieteten Räumlichkeiten gesichert, aber sollte wirklich verkauft werden, bleibe offen, wo es dann hingeht, sollte der Käufer die Mieter – unter anderem auch die Literaturzeitschrift manuskripte, das Archiv des steirischen herbst sowie zwei katholische Studentenverbindungen – nicht mitübernehmen. Für Schellnegger und Huber sei ohnehin unklar, wer Interesse an dem Gebäude haben könnte. Durch den Denkmalschutz seien strikte Einschränkungen in der Nutzung gesetzt. Maximal ein wohlhabender Käufer, der eine derartige Immobilie in seinem Portfolio haben möchte, könne wohl in Frage kommen.

Die styriarte dagegen will bis Mitte Dezember ein umfassendes Nutzungskonzept vorlegen und verwies auf bisherige Veranstaltungen: 2025 wurde das Haus an 18 Spieltagen mit 39 Vorstellungen mit etwa 4.800 Besuchern bespielt. 2026 werden es 21 Spieltage mit zumindest 54 Vorstellungen sein und für das kommende Jahr sind sogar 32 Spieltage mit 76 Vorstellungen geplant, die rund 8.000 Besucher ins Palais bringen sollen. Derzeit würden von der styriarte an Büromieten und Mieten der Festsäle rund 60.000 Euro pro Jahr ans Land gezahlt. Eine Deckung der Instandhaltungskosten sei damit wohl eher nicht zu stemmen, so Huber, doch es gehe auch darum, ein historisches Juwel weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Bisher schon mehrfache Verkaufsambitionen

Bereits mehrfach standen rund um das Palais Attems Verkaufsabsichten im Raum, unter anderem unter dem mittlerweile verstorbene Kulturlandesrat Gerhard Hirschmann (ÖVP), aber auch unter Alt-LH Franz Voves (SPÖ), meinte Huber. Er sei zuversichtlich, dass das Land sich den Verkauf doch noch überlegt, aber Schellnegger betonte, dass die Lage ernst sei, solange der Verkauf im Budget festgehalten sei.

Zurückgerudert ist am Freitag zuerst Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) in einem Interview mit der “Kleinen Zeitung”. Er sei gegen den Verkauf, hieß es darin. Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl will Kornhäusl beim Wort nehmen und erwarte sich Klarheit von der Landesregierung. “Wir sind nicht bereit, dieses einzigartige Kulturerbe an irgendwelche Superreichen zu verscherbeln, nur weil die Landesregierung ihre Budgetprobleme nicht in den Griff bekommt”, meinte sie laut einer Aussendung.

Steiermarks bedeutendstes Adelspalais

SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz sagte: “Offenbar gibt es innerhalb der Landesregierung unterschiedliche Auffassungen über den geplanten Verkauf des Palais Attems. Hier braucht es dringend Klarheit. Für die SPÖ ist klar: Einmalerlöse aus dem Verkauf von Landesvermögen dürfen nicht dazu dienen, strukturelle Budgetprobleme kurzfristig zu kaschieren.”

Möglicherweise könnte die ganze Angelegenheit tatsächlich schon bald wieder vom Tisch sein, denn auf APA-Nachfrage hieß es Freitagmittag aus dem Büro von Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ), dass ein Verkauf gar nicht geplant sei und es auch keinen Auftrag gebe, einen solchen einzuleiten. Wie das Thema in Medien gelangt sei, könne man sich nicht erklären. In einer Stellungnahme hieß es: “An das Büro des Landeshauptmannes wurden keinerlei Pläne für eine mögliche Veräußerung der Liegenschaft herangetragen. Es gibt weder ein entsprechendes Konzept noch konkrete Planungen für einen Verkauf.” Ein Verkauf des Palais Attems stehe daher gar nicht zur Debatte.

Das Palais Attems in der Sackstraße 17 wurde 1702 bis 1716 erbaut und gilt als das bedeutendste barocke Adelspalais der Steiermark. Es weist eine prächtige, reich verzierte Fassade und eine prunkvolle Innenausstattung mit historischen Deckenfresken und Stuckarbeiten auf. Benannt ist es nach Bauherr Ignaz Maria Graf Attems. Seit 1962 ist es im Besitz des Landes Steiermark und wurde oftmals mangels Gelder nie umgebaut. Laut Huber sei es seither im “Dornröschenschlaf”. Er sei dafür heute dankbar, weil die Räumlichkeiten daher erhalten sind.

(S E R V I C E – )