Tag für pflegende Angehörige mit Blick auf Krisen

Im Vorfeld des Nationalen Aktionstages für pflegende Angehörige am Sonntag haben zahlreiche Organisationen Forderungen an die Politik gerichtet. Die IG Pflege wies auf die Rolle der Angehörigen als “wichtige UnterstützerInnen” im Katastrophen- und Krisenmanagement für Pflegebedürftige hin. Entlastungen – etwa durch den weiteren Ausbau mobiler Betreuungsdienste – forderten Seniorenvertreter. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) würdigte die Leistungen der Betroffenen.
Die Interessensgemeinschaft Pflegender Angehöriger fokussiert sich am diesjährigen Aktionstag auf potenzielle Krisenfälle, die Pflegebedürftige und deren Angehörige vor besondere Herausforderungen stellen können: “Wir haben bereits 2025 begonnen, uns mit der Frage auseinanderzusetzen, wie geht das Katastrophen- und Krisenmanagement mit pflegenden Angehörigen um”, sagte dazu die Präsidentin der Interessensgemeinschaft, Birgit Meinhard-Schiebel, in einem Statement zur APA – “besonders dann, wenn es in Akutsituationen dazu kommt, Menschen die von Demenz oder ME/CFS betroffen sind, rasch aus der Krisensituation zu bringen” – etwa bei Evakuierungen.
In diesen Situationen müssten pflegende Angehörige und Zugehörige “unbedingt einbezogen werden, weil sie die tatsächliche Situation der Betroffenen kennen und dafür sorgen, dass eine notwendige Bergungs- oder Verlegungsaktion bei den betroffenen Menschen keine dramatische Krise auslöst”, verwies sie auf die besonderen Bedürfnisse der Betroffenen. Deshalb habe man heuer den 8. Nationalen Aktionstag am 13. September dem Thema “Wenn die Welt aus den Fugen gerät – pflegende Angehörige und Zugehörige im Katastrophen- und Krisenmanagement” gewidmet. “Wir wissen, dass auch das Sozialministerium uns dabei unterstützt”. Auch mache man mit 50.000 versendeten Aktionskarten auf diese Thematik aufmerksam.
ÖGB fordert “wirksame Entlastung” von pflegenden Angehörigen
Der Gewerkschaftsbund (ÖGB) forderte im Vorfeld des Aktionstages generell “deutlich mehr Unterstützung” für jene Menschen, die Familienmitglieder pflegen und betreuen. Rund 950.000 Menschen in Österreich würden diese Verantwortung tragen, die Pflege erfolge dabei überwiegend durch Frauen. “Pflegende Angehörige in Österreich leisten Unglaubliches – oft still, oft unbezahlt, oft am Limit ihrer eigenen Gesundheit. Das System ist auf sie angewiesen. Es wird Zeit, dass sie selbst stärker im Mittelpunkt von Politik und Gesellschaft stehen”, sagt ÖGB-Pflegeexpertin Martina Lackner in einer Aussendung.
Besonders zu Beginn einer Pflegesituation würden berufstätige Angehörige massiv unter Druck geraten. “Pflege, Beruf, Haushalt und Familie gleichzeitig zu organisieren, führt häufig zu Überforderung.” Laut dem Bericht “Angehörigenpflege” im Auftrag des Sozialministeriums würden sich rund 70 Prozent der pflegenden Angehörigen überlastet fühlen. “Pflege darf nicht dazu führen, dass Menschen ihre Erwerbsarbeit einschränken, ihre Gesundheit aufs Spiel setzen oder völlig allein gelassen werden”, betont Lackner. “Wir brauchen verlässliche und leistbare Entlastung genau dann, wenn sie gebraucht wird – auch abends, in der Nacht und am Wochenende.”
Auch Seniorenverbände fordern Entlastung
Auch Seniorenorganisationen sehen die Politik gefordert. Die Präsidentin des ÖVP-nahen Seniorenbundes, Ingrid Korosec, sagte in einer Aussendung, emotionale Anerkennung reiche nicht: “Es muss auch finanzielle Wertschätzung geben. Ich fordere daher weiterhin, dass es den Angehörigenbonus nicht erst ab Pflegegeldstufe 4, sondern ab Pflegestufe 3 gibt.”
Die “enorme Leistung” der pflegenden Angehörigen würdigte auch die Präsidentin des SPÖ-nahen Pensionistenverbandes (PVÖ), Birgit Gerstorfer. Rund eine Million An- und Zugehörige würden einen wesentlichen Teil der Betreuung und Pflege im häuslichen Umfeld übernehmen. “Pflegende Angehörige leisten oft über Jahre hinweg körperlich und emotional enorm viel.” Dafür würden sie nicht nur Dank, sondern “konkrete und verlässliche Unterstützung” verdienen, betont Gerstorfer.
Der Pensionistenverband fordert u.a. einen flächendeckenden Ausbau mobiler Pflege- und Betreuungsdienste, mehr leistbare Tages- und Kurzzeitpflege, wohnortnahe Beratungsangebote, eine bessere sozial- und pensionsrechtliche Absicherung von Pflegezeiten sowie ebenfalls Verbesserungen beim Angehörigenbonus. Ebenfalls müsse es einen Rechtsanspruch auf regelmäßige Entlastungstage für pflegende Angehörige geben.
Schumann: “Pflege geht uns alle an”
Auch Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) würdigte die Betroffenen: “Familien leisten jeden Tag Enormes – und das gilt ganz besonders für jene, die Angehörige pflegen oder betreuen. Dafür möchte ich heute einfach Danke sagen”, erklärte sie in einem Statement zur APA. Sie betonte, dass auch Kinder und Jugendliche oft Verantwortung in ihren Familien übernehmen. “Diese Young Carers verdienen unsere Aufmerksamkeit, Anerkennung und Unterstützung.”
“Wir haben deswegen 100 Millionen zusätzlich pro Jahr für die mobile Pflege auf den Weg gebracht. Die mobile Pflege ist eine wichtige Säule im System, die auch wertvolle Unterstützung bei der Pflege und Betreuung zu Hause ist und Angehörige unterstützt.” Ihr sei es aber auch wichtig, “dass wir als Gesellschaft hinschauen, Betroffene nicht alleine lassen und gemeinsam daran arbeiten, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird”. Denn Pflege “geht uns alle an”.
Hervorgestrichen wurden in Schumanns Büro darüber hinaus schon bestehende Maßnahmen, etwa die bereits jetzt bestehenden Zuwendungen zu den Kosten der Ersatzpflege: Informationen dazu und anderen Unterstützungsangeboten sind auf der Webseite des Sozialministeriums abrufbar ().