Tirol stoppt geplanten Kauf von umfassender Kunstsammlung
Ein vom Land Tirol geplanter Ankauf einer Kunstsammlung von Peter Weiermair für die Tiroler Landesmuseen findet nun doch nicht statt. Grund dafür seien angeblich pornografische Darstellungen von Knaben, die sich in der umfassenden Sammlung des 2021 verstorbenen Tiroler Museumsdirektors und Kunstsammlers befinden sollen, wie die “Tiroler Tageszeitung” (Donnerstagsausgabe) berichtete. Der tausende Objekte umfassende Nachlass wird a auf 1,7 Millionen Euro geschätzt.
Die Tiroler Landesmuseen hätten die Bemühungen um den Ankauf der Sammlung Weiermairs “ausgesetzt”, hieß es in einer der APA vorliegenden gemeinsamen Stellungnahme von Landesmuseen und Land. Bisher sei den Tiroler Landesmuseen nur ein kleiner Teil der Sammlung bekannt gewesen. Werke von Künstlerinnen und Künstlern der Moderne von Max Weiler über Heinrich Kühn bis Louise Bourgeois hätten Interesse geweckt. “Die ursprünglichen Bemühungen, die gesamte Sammlung zu übernehmen, werden aufgrund der aktuellen Informationslage nicht mehr weiterverfolgt”, erklärten Landesmuseen und Land den nunmehrigen, durch Landeshauptmann und Kulturreferent Anton Mattle (ÖVP) gesetzten Schritt, auf den geplanten Kauf von 324 Werken für das Ferdinandeum zu verzichten. Auf die angeblich pornografischen Darstellungen bzw. Missbrauchsdarstellungen ging man nicht konkret ein.
Landesmuseen ohne definitive Beurteilung, da keine Einsicht in Bilder
Trotz der gemeinsam mit dem Land getroffenen Entscheidung, die Sammlung nicht anzukaufen, gab man sich bei den Tiroler Landesmuseen, was die Vorwürfe betraf, betont zurückhaltend. Roland Sila, Leiter der Landesmusealen Bibliothek, betonte im APA-Gespräch, dass man bezüglich der Vorwürfe, keine Beurteilung treffen könne, da man die der “TT” zugespielten Bilder nicht gesehen habe: “Das Problem ist, dass wir nicht wissen, auf welche Fotografien sich die ,TT’ bezieht. Welche Daten auf dem USB-Stick sind, ist uns nicht bekannt. Es soll sich um alte Fotos handeln.” Den Landesmuseen wären keine bedenklichen Bilder aus der Sammlung vorgelegt worden. Sie würden für sich in Anspruch nehmen, einen behutsamen und sensiblen Umgang mit expliziten Darstellungen zu haben, war Sila wichtig zu betonen. Richtig sei, dass die Sammlung zahlreiche Aktfotos enthalte, die auch bereits in verschiedenen Ausstellungen gezeigt geworden seien. Warum die fraglichen Fotografien offensichtlich nicht den Museen zur Beurteilung vorgelegt wurde, dazu wollte sich das Land auf APA-Anfrage nicht äußern.
Gefragt nach der Bedeutung der Sammlung, unterstrich indes Sila, dass es sich um eine Tiroler Sammlung handle, die die hiesige Kulturszene geprägt habe. “Die hochwertige Sammlung würde für die Wissenschaft extrem viele Möglichkeiten bieten, von einer Ausstellungsgestaltung über das Netzwerken bis hin zu zahlreichen interessanten Fragestellungen für die Forschung”, verdeutlichte Sila. Gleichzeitig betonte der Bibliotheksleiter, dass die Museen, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, diese keineswegs als irrelevant betrachten würden.
Sammlung seit 2021 gesichtet
Bereits 2021 hatte Lukas Morscher, Direktor des Innsbrucker Stadtarchivs, im Auftrag von Christian Fuchshuber, dem Sachwalter Weiermairs, begonnen, die immense Sammlung zu sichten. Morscher habe dabei laut TT die angeblichen Missbrauchsdarstellungen von Minderjährigen, die sich unter männlichen Aktfotos befunden haben sollen, übersehen. “Ich habe bei meiner Sichtung der Sammlung offensichtlich zu wenig genau hingeschaut”, erklärte der Leiter des Stadtarchivs. Die entsprechenden Bilder wurden jedenfalls auf einem USB-Stick der Tageszeitung zugespielt, die wiederum das Land damit konfrontierte. Letztlich wurde dann der Ankauf gestoppt.
Peter Weiermair, geboren 1944, wuchs in Innsbruck auf und begründete das Forum für aktuelle Kunst mit. Er war Kurator der Taxisgalerie Innsbruck, ab 1980 Leiter des Frankfurter Kulturvereins, ab 1998 Direktor des Rupertinum Salzburg und ab 2001 Direktor der Galleria d’Arte Moderna Bologna. Zu seiner Sammlung gehörten Werke namhafter Tiroler und internationaler Künstlerinnen und Künstler der Moderne, wie Max Weiler, Marina Abramović, Joseph Beuys, Hermann Nitsch oder Andy Warhol.
Scharfe FPÖ-Attacke
Die Causa ließ am Donnerstag unterdessen die oppositionelle Tiroler FPÖ aus allen Rohren schießen. Ins Visier genommen wurde vor allem Landeshauptmann und Kulturreferent Mattle. In einer Aussendung sprach man von einem geplanten Ankauf von “links-woker, skandalöser Päderasten-Kunst”. Dieser hätte ohnehin eines Beschlusses des Tiroler Landtags bedurft. Es sei “ein absoluter Skandal”, dass Mattle überhaupt daran denken habe können, diese Sammlung anzukaufen, “mit Steuergeldern wohlgemerkt”, erklärte Kultursprecherin Evelyn Achhorner. Sie warf Mattle “Konzeptlosigkeit in kulturellen Belangen” vor: “Zig Berater müssen sich um die Kulturbelange in Tirol kümmern, da Mattle einfach keinen Tau hat.”