Sperre des Brennerkorridors wegen Transit-Protests

30.05.2026 • 16:28 Uhr

Die Totalsperre des Brennerkorridors in Tirol aufgrund der genehmigten Demonstration bei Matrei am Brenner hat begonnen. Samstagvormittag ab 11.00 Uhr war die Brennerautobahn (A13) zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brenner in beide Fahrtrichtungen nicht mehr für den Verkehr passierbar – und zwar bis 19.00 Uhr. Zuvor hatte sich die Lage sowohl am Brenner als auch auf den möglichen Ausweichrouten in Österreich sehr entspannt dargestellt. Die Demo begann um 13.00 Uhr.

Verkehrschaos und Staus blieben aus, hieß es gegenüber der APA. “Alles sehr entspannt. Es ist viel weniger Verkehr als an normalen Samstagen”, meinte ein Sprecher der Verkehrsabteilung der Polizei gegenüber APA zur Situation auf der Brennerautobahn (A13). Zudem wurden auch aus Südtirol und Bayern keine größeren Behinderungen gemeldet.

Vorerst scheint es somit, dass sich Urlauber bzw. Durchreisende die Warnungen und Appelle der Behörden zu Herzen genommen haben. Sie dürften entweder auf eine Fahrt am Samstag gänzlich verzichten oder diese vor- bzw. nach hinten verlegt haben. Den zu großflächigen Umfahrungen des Bundeslandes bzw. der Nord-Süd-Verbindung, eine der meistbefahrenen Transitstrecken Europas, – wie ebenfalls empfohlen – kam es zumindest vorerst nicht.

Auch am Nachmittag laut ÖAMTC weiter “sehr friedlich” in ganz Österreich

Auch beim ÖAMTC zeigte man sich über das ausgebliebene Verkehrschaos erfreut – und das weit über Tirol hinaus. Man sei “glücklich und freudig überrascht”, hatte Sprecher Harald Lasser gegenüber der APA bereits vor Beginn der Sperre am Vormittag erklärt, nachdem man sich ein Bild des Reiseverkehrs in ganz Österreich gemacht hatte. Es sei fast nicht zu glauben, wurde unumwunden eingeräumt und man verwies darauf, dass es sich dieses Wochenende eigentlich um ein Urlauberschichtwechsel-Wochenende handle. Ob Tauernautobahn, Pyhrn-Autobahn (A9) oder Fernpass – überall sei es “sehr ruhig”, es fließe der Verkehr, von Staus keine Spur. Der ÖAMTC-Stauberater habe ihm gegenüber angegeben, eine derartige Situation etwa auf der Tauernautobahn bisher noch nie erlebt zu haben. Ja, man könne sogar feststellen: Man verzeichne auf allen wesentlichen Routen deutlich weniger Verkehr, als es selbst ohne Brenner-Sperre gegeben hätte. “Es freut uns, dass sich die Menschen derartig verhalten und auf die Warnungen und Appelle gehört haben. Und es zeigt, dass die Verantwortlichen eine sehr gute Arbeit geleistet haben. Man kann sich auf die Schulter klopfen”, so der Sprecher des Mobilitätsclubs. Abzuwarten bleibe aber klarerweise, ob sich der normalerweise enorme Reiseverkehr nicht doch nach Aufhebung der Sperre noch bemerkbar machen werde.

Auch am Nachmittag trübte sich die gute Stimmung beim ÖAMTC nicht ein, denn die Verkehrslage blieb weiter sehr erfreulich. “Sehr friedlich” verlaufe alles, so Lasser. In Richtung Süden gebe es zwar vorerst etwas mehr Verkehr als Richtung Norden – aber das bei weitem nicht in dem Ausmaß wie zu dieser Jahreszeit üblich. Auf der Tauernautobahn verzeichnete man zwischenzeitlich vier Kilometer Stau, aber das war auf einen Unfall zurückzuführen. “Normalerweise gäbe es in einem solchen Fall einen Stau im zweistelligen Bereich”, verdeutlichte der Sprecher, der die Lage so zusammenfasste: “Es kommt nix.” Aus derzeitiger Sicht seien am Samstag – zumindest bis zum Ende der Sperre um 19.00 Uhr – keine Verkehrsturbulenzen mehr zu erwarten. Man hoffe nun, dass es auch am Sonntag “nicht besonders dramatisch wird.”

Polizei zog zufrieden Zwischenbilanz

Indes zogen auch Polizei und politische Verantwortungsträger in Tirol bei einer Pressekonferenz am Vormittag erste Bilanz rund um das Verkehrsgeschehen auf der A13 und den Ausweichstrecken. Dass es vor der Totalsperre um 11.00 Uhr zu keinerlei Staus gekommen sei und sich die Lage gegenwärtig als “sehr ruhig” darstelle, sei jedenfalls “durchaus erfreulich”, betonte Landespolizeidirektor Helmut Tomac bei dem Pressegespräch in Innsbruck. Dass die Lage so sei, liege vor allem auch daran, dass “die Informationsschiene im Vorfeld gut geplant war und jetzt ihre Wirkung tut”, strich Tomac heraus. Damit es auch weiterhin ruhig bleibe, stünden rund um die “Versammlung auf der A13” tirolweit 220 Polizisten im Einsatz, berichtete er.

Dieser positiven Erstbilanz schloss sich auch der Leiter der Landesverkehrsabteilung, Enrico Leitgeb, an. Etwaiges befürchtetes “Verkehrschaos” sei bisher “komplett ausgeblieben”, resümierte er. Seit der Sperre an der Mautstelle in Schönberg sei lediglich “eine sehr überschaubare Zahl an Pkw” abgewiesen worden. Man werde entlang der A13 aber “weiterhin wachsam bleiben”, so der oberste Verkehrspolizist des Landes.

Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) und Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) nutzten den Pressetermin auch für kämpferische Töne. “Ich habe die Forderungsmappe der Demo-Organisatoren bereits an Wien, Berlin, Rom und Brüssel weitergeleitet”, ließ Mattle wissen. Er stehe “absolut hinter den Forderungen” und sehe die Brenner-Demo als Ausdruck dessen, dass die Belastung “durch den überbordenden Transit” Grenzen überschritten habe und dass es “Maßnahmen braucht”. “Wir haben einfach zu viel Verkehr”, betonte Zumtobel. Der “Kampf gegen den Transitverkehr” müsse folglich auch nach dem Samstag und dem Ende der Brenner-Demo weitergehen. Ansetzen müsse man dabei vor allem bei einer “Kostengerechtigkeit zwischen Straße und Schiene”, die aktuell nicht gegeben sei, so der Landesrat.

Versammlung von 13.00 Uhr bis 16.30 Uhr

Die Kundgebung bzw. Bürgerversammlung startete indes um 13.00 Uhr direkt auf der A13 bzw. der Autobahnauffahrt bzw. -abfahrt in Matrei am Brenner (Bezirk Innsbruck-Land). Sie wird bis 16.30 Uhr andauern. Die Blockade, die zu deutlicher politischer Kritik vor allem aus Bayern und Südtirol führte, war vom Bürgermeister von Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, als Privatperson vor allem wegen der überbordenden Verkehrsbelastung beantragt worden. Auf die Belastung der Bevölkerung, die bereits das erträgliche Maß überschritten habe, wollen Mühlsteiger und seine Bürgermeisterkollegen im Wipptal bei der Demonstration aufmerksam machen.

Kein Ausweichen am Brenner

Die Demo hatte jedenfalls nicht nur eine Sperre der Autobahn zur Folge, es gab auch kein Ausweichen für den Durchzugsverkehr auf das niederrangige Straßennetz. Denn auch die Brennerstraße (B182), die Ellbögener Straße (L38) und die Stubaitalstraße (B183) wurden ab 11.00 Uhr für den Durchzugsverkehr gesperrt und nur für den Ziel- und Quellverkehr geöffnet. Die “großen Brummer” verkehrten Samstagvormittag ohnehin nicht mehr: Denn für Transit-Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen galt das Fahrverbot auf der Nord-Süd-Strecke über den Brenner bereits ab 9.00 Uhr für das gesamte Bundesland. Auch auf Südtiroler Seite wird die Brennerautobahn (A22) in Fahrtrichtung Norden ab Sterzing gesperrt werden.

Gurgiser-Kritik an Demo-Organisatoren

Kritik an den Demo-Organisatoren kam unterdessen von Tirols oberstem Anti-Transitkämpfer, Transitforum Austria-Tirol-Obmann Fritz Gurgiser. “Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit kann man gebrauchen oder missbrauchen. Hier wird die Bevölkerung des Wipptals klar missbraucht”, meinte dieser zur “Tiroler Tageszeitung” (Samstagsausgabe). Es handle sich nicht um eine Bürger-Versammlung, sondern um eine “politische Verkehrsblockade”. Im Gegensatz zu seinen eigenen Initiativen würde diese Demo Nachbarregionen belasten und keine wirklichen Lösungen aufzeigen. Deshalb unterstütze das Transitforum die Blockade auch nicht. Gurgiser und sein Transitforum hatten zuletzt Ende September 2012 auf der Inntalautobahn (A12) zwischen Schwaz und Vomp eine Bürgerversammlung abgehalten.