Tiroler Gewaltschutzeinrichtung für mehr Beratungsstunden

05.10.2026 • 13:34 Uhr
Tiroler Gewaltschutzeinrichtung für mehr Beratungsstunden

Die in Tirol seit 2021 bestehende Beratungsstelle für Gewaltprävention will mehr Beratungsstunden für Gefährder mit polizeilich verhängtem Betretungs- und Annäherungsverbot. Die bisher im Sicherheitspolizeigesetz verankerten, verpflichtenden sechs Beratungsstunden seien “ein Schritt in die richtige Richtung”, reichten aber nicht immer aus, hieß es am Montag. Die Zahl der Gefährder sei jedenfalls “konstant”. Bisher habe man in Tirol 4.150 Anlassfälle verzeichnet.

Bei diesen Fällen handle es sich zu 90 Prozent um Männer und 10 Prozent um Frauen, berichtete Jolanda Stricker, Projektleiterin der Beratungsstelle für Gewaltprävention Tirol, bei einer Pressekonferenz in Hall in Tirol. Zu Gewalt komme es dabei zu 50 Prozent in aufrechten Ehen oder Partnerschaften, zu 15 Prozent nach einer Ehe oder Partnerschaft und 20 Prozent der Gewaltfälle seien “generationsübergreifend”, also etwa Gewalt von Eltern gegen Kinder, nannte sie weitere Zahlen.

Diese Personen müssten schließlich “möglichst rasch” nach ihren Taten die verpflichtenden sechs Beratungsstunden besuchen. “Diese basieren nämlich auf dem Gedanken des ‘Window of Opportunity”, berichtete Stricker. Das bedeute, dass das Unrechtsbewusstsein nach der Tat “höher ist” und Gefährder somit “besonders zugänglich für eine Beratung sind”, hielt die Expertin fest.

Gesetzesänderung für Stundenerhöhung notwendig

Während der Zeitpunkt der Beratungsstunden also richtig gewählt und etabliert sei, wären noch mehr Beratungsstunden hingegen “überaus wünschenswert”, sagte Stricker auf Nachfrage. Der bloße Ruf seitens der Beratungsstelle genüge jedoch nicht, schließlich sei dafür eine Änderung des Sicherheitsgesetzes notwendig. “Wir sind zwar dem Innenministerium unterstellt, aber letztlich müsste die Bundesregierung eine Erhöhung der Stunden im Gesetz verankern”, adressierte sie die schwarz-rot-pinken Koalitionäre. Allein die Erhöhung dieser Stunden würde bereits positive Effekte zur Folge haben, hielt Stricker fest.

Skeptisch bei Fußfessel

Etwaige weitere Maßnahmen, wie etwa die geplante Fußfessel für Gefährder, sah sie hingegen eher skeptisch. “Es gehört zumindest gut durchdacht”, erklärte Stricker. Geklärt werden müsse jedenfalls, “für welche Art von Gefährder genau die Fußfessel zum Einsatz kommt”, fügte die Projektleiterin hinzu. Bleibe das ungeklärt, könne die Maßnahme auch “missbraucht werden”.

Im September hatten Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) angekündigt, dass an der Umsetzung von Fußfesseln für Gefährder und Hochrisikotäter “sehr hart” gearbeitet werde. Bereits zuvor im Sommer war verlautbart worden, dass im Herbst in Zusammenarbeit mit Justiz- und Frauenministerium eine Einschätzung zur Umsetzung kommen werde.

Höhere Dunkelziffer, weiter Gewaltbegriff

Abseits von gesetzlichen Rahmenbedingungen und geplanten Maßnahmen berichteten schließlich Beratungsstelle-Teamleiterin Margaretha Kapferer sowie Berater Andreas Reisigl von der tagtäglichen Praxis vor Ort. “Man muss natürlich bedenken, dass die Dunkelziffer noch höher ist”, schickte Kapferer voraus. Unter häuslicher Gewalt verstehe man außerdem weit mehr als körperliche Gewalt. “Es geht auch um Beleidigungen und absolute Überwachung”, führte sie aus. Dem schloss sich auch Reisigl an und skizzierte, dass in den Beratungsstunden vor allem darum gehe, bei den Tätern zu erreichen, dass sie “Verantwortung übernehmen”.