Tiroler Volkskunstmuseum mit Fokus auf Herkunft von Objekten

11.06.2026 • 13:52 Uhr
Tiroler Volkskunstmuseum mit Fokus auf Herkunft von Objekten

Im Tiroler Volkskunstmuseum werden in der neuen Ausstellung “Aufgespürt. Objekte, Geschichten, Geheimnisse” die Herkunftsgeschichten von Museumsobjekten gezeigt. Dafür seien die Spuren von 21 außergewöhnlichen Sammlungsstücken rekonstruiert worden, hieß es am Donnerstag. Neben einem Andenkondor aus Frankreich oder zwei geschnitzten Engeln, die nach Israel retourniert werden sollen, sind dort von 12. Juni bis 4. April 2027 auch interaktive Elemente zu sehen.

“Wir wollen ein transparentes, offenes und demokratisches Museum sein”, sagte Karl Berger, Leiter des Tiroler Volkskunstmuseums bei einer Presseführung. Die Frage, woher Objekte stammen und unter welchen Umständen sie in die Sammlung der Tiroler Landesmuseen gelangt sind, sei jedenfalls Teil eines grundsätzlichen Verständnisses von Museumsarbeit. “Wenn es nicht uns gehört, dann gehört es zurückgegeben”, betonte der Museumsleiter.

Objekte erzählen neue Geschichten

Kuratorin Sonia Buchroithner erklärte, die Ausstellung sei aus ihrer langjährigen Tätigkeit in der Provenienzforschung entstanden. Dabei habe sie die rund 200-jährige Museumsgeschichte “von der Rückseite” her aufgerollt. “Im Laufe der Jahre sind natürlich auch einige Unrechtsgeschichten aufgedeckt und Restitutionen vorgenommen worden”, sagte sie. Zugleich hätten Objekte durch ihre rekonstruierte Herkunft neue Bedeutungen erhalten und könnten dadurch neue Geschichten erzählen.

Zur Ausstellung gehörten unter anderem ein präparierter Andenkondor, ein Mumienfuß, Medaillons mit mutmaßlichen Barthaaren Andreas Hofers, ein Brautkleid und mehrere Porträts. Die zwei geschnitzten Engel bzw. der Erlös aus einem etwaigen Verkauf sollen aufgrund des Todes der zuletzt identifizierten Erbin an Kultureinrichtungen in Israel übergeben werden. Das Ausstellungskonzept stelle jeweils die kunsthistorische Einordnung sowie die Provenienzmerkmale, Quellenhinweise und offenen Fragen gegenüber, hieß es.

Fakten, Vermutungen und Leerstellen

Kulturvermittlerin Laura Manfredi verwies indes auf die ebenso analog wie digital gestalteten Stationen der Ausstellung. Besucherinnen und Besucher könnten dabei selbst nachvollziehen, wie Provenienzforschung arbeite. Anhand der Geschichte eines Mumienfußes, der möglicherweise Teil einer viktorianischen Mumienparty war, müsse man etwa zwischen Fakten, Vermutungen und Ungewissheiten unterscheiden.

Buchroithner betonte dabei, dass solche Ungewissheiten oder Leerstellen Teil der Forschung seien. Man wolle und müsse nicht eine endgültige Wahrheit behaupten, sondern auch zeigen, wo Quellen fehlten oder weitere Recherchen nötig seien.

Besitzer von Gemälden gesucht

Ein Konvolut von Bildern, die dem nationalsozialistischen Gauleiter Franz Hofer zugeordnet werden, werfe ebenfalls noch offene Fragen auf. “Die meisten stammen von Albin Egger-Lienz”, verwies Buchroithner auf den bekannten Osttiroler Maler. Die Gemälde seien nach dem Krieg aus dem Schloss Friedberg geborgen und später dem Museumsverein übergeben worden. “Trotz jahrelanger Recherche gibt es bisher keine gesicherten Hinweise auf die früheren Eigentümer”, berichtete die Forscherin. Man habe die Objekte jedenfalls in Datenbanken gemeldet und würde sich über weitere Hinweise freuen. Eine mögliche Lösung könnte laut Buchroithner in einer Übergabe an den Nationalfonds liegen.

(S E R V I C E – Ausstellung “AUFGESPÜRT. Objekte, Geschichten, Geheimnisse” von 12.6. bis 4.4.2027 im Tiroler Volkskunstmuseum. )