Tourismus soll künftig mehr Ertrag liefern

Die Nachfrage im heimischen Tourismus stimmt, die Erträge hinken aber hinterher. “In der Qualitätshotellerie sind die Margen seit 2021 von 30 auf 20 Prozent gesunken”, verdeutlichte Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) am Freitag. Um die Branche als wichtigen Wirtschaftsmotor zu stärken, wurde eine nationale Tourismusstrategie namens Vision T festgezurrt. Der dazugehörige Aktionsplan 2026/27 auf dem Weg zu den Zielen bis 2035 wurde heute präsentiert.
Der Arbeitsplan bis Ende 2027 umfasse 25 Maßnahmen in fünf Tätigkeitsfeldern, erklärte Zehetner in einer Pressekonferenz. Damit will sie der Tourismusstrategie “Leben einhauchen”. Bei der Umsetzung habe das Ministerium zwei Steuerungsinstrumente – die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) als Förderbank und die nationale Tourismus-Marketingorganisation Österreich Werbung (ÖW), “die dafür sorgt, dass ausländische Wertschöpfung nach Österreich gebracht wird”, erklärte die Staatssekretärin.
Aktionsplan für die Ziele 2035
Bis 2035 soll sich die jährliche Wertschöpfung im Tourismus von zuletzt knapp 23 Mrd. auf 35 Mrd. Euro erhöhen, die Zahl der Ganzjahresbeschäftigten soll von derzeit im Schnitt rund 136.000 Vollzeitäquivalenten auf 160.000 steigen und der Nächtigungsanteil in den Nebensaisonen von 53 auf über 60 Prozent klettern. “Wir müssen jedes Jahr einen Aktionsplan dahinterstellen”, betonte Zehetner.
Mit entsprechenden Maßnahmen will das Ministerium die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusbetriebe stärken, Investitionen und Innovationen vorantreiben und den Tourismusstandort Österreich langfristig absichern.
Verbesserte Wirtschaftlichkeit
Im Fokus stehen aktuell etwa die Wirtschaftskraft und Resilienz der Betriebe. 2025 habe im Zuge der gewerblichen Tourismusförderung mit 23 Mio. Euro ein Investitionsvolumen von 500 Mio. Euro realisiert werden können. “Das ist wirklich ein kraftvoller Hebel”, unterstrich die Staatssekretärin.
Die Fördereffizienz soll nun gesteigert und die Abwicklung beschleunigt werden, stellte Zehetner in Aussicht. Künftig will sie – zusätzlich zum Förderangebot – auch Risikokapital für die Hotellerie zur Verfügung stellen können. Eine entsprechende Studie dazu sei in Arbeit.
Weiters soll “Urlaub in Österreich” weiterhin international stark vermarktet werden. “Das ist Aufgabe der Österreich Werbung”, so die Staatssekretärin. Drei Viertel der Nächtigungsbuchungen erfolgten durch ausländische Gäste.
Stärkere Nebensaisonen
Ebenso im Blickpunkt steht die Ausweitung der Buchungen in den Nebensaisonen, um in Richtung “Ganzjahrestourismus” zu gehen und entsprechend auch durchgängiger Jobs anbieten zu können. “Jetzt im Winter geht es darum, die touristische Nachfrage im März, im April und im Mai anzukurbeln”, verdeutlichte Zehetner.
Heuer konzentriere man sich dabei auf die Herkunftsmärkte Polen, Tschechien und Deutschland – gelockt wird etwa mit Winterwandern und Hüttenkulinarik, “wenn der Sonnenskilauf nicht mehr funktioniert”, so die Tourismus-Staatssekretärin. Der Schneemangel infolge des Klimawandels wird zusehends zum Problem.
Landgasthaus-Sterben bremsen
Besondere Aufmerksamkeit gilt aktuell auch der Landgastronomie, “die wir beim Wandel tatsächlich unterstützen müssen”, wie Zehetner vermerkte. Die Wettbewerbsbedingungen hätten sich hier gravierend verändert. “Für uns sind die traditionellen Gasthäuser besonders wichtig – sie sind im zentralen Leben vor Ort verankert.”
Trends sowie Erfolgs- und Risikofaktoren würden nun analysiert. “Die Studie wird jetzt beauftragt, um Rückschlüsse zu bekommen, welchen Beitrag wir leisten können, um diesem Gasthaus-Sterben Einhalt zu gebieten”, berichtete Zehetner. Bei Betriebsübergaben könne man mit einer Förderung bis zu 8.000 Euro rechnen.
Ein wesentliches Thema sei auch der touristische Arbeitsmarkt inklusive Fachkräftemangel. Junge Menschen und auch potenzielle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im höheren Alter sollen verstärkt umworben werden. Diese beiden Gruppen sind bei den übers Jahr gerechnet rund 250.000 Beschäftigten im Tourismus nur schwach vertreten. Zehetner verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Möglichkeit der Aktivpension ab 1. Jänner 2027.
Weiter Warten auf Verordnung für Wintersaisoniers
Derzeit wartet die Branche indes nervös auf die nötige Verordnung für das heurige Kontingent für die Wintersaisoniers aus Drittstaaten. Die Verhandlungen mit dem Sozialministerium stocken.
Nach der Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Susanne Kraus-Winkler, und der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) appellierte am Freitag auch der WKÖ-Obmann des Fachverbands Gastronomie, Alois Rainer, nochmals an alle Beteiligten, rasch Planungssicherheit für die Betriebe in der vor der Tür stehenden Wintersaison zu schaffen. “Wer Qualität, Beschäftigung und regionale Wertschöpfung sichern will, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen”, so Rainer.
“Wir sind nach wie vor in Verhandlungen und wir sind zuversichtlich, dass es kommen wird, zeitnah”, sagte die Tourismus-Staatssekretärin dazu.